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Trump feiert sich für die angebliche Eroberung von 65 Milliarden Barrel venezolanischen Öls. Die Wahrheit ist: Er hat einen vagen Vertrag über ein Entwicklungsprojekt – und der Sprit bleibt teuer.
Ein Meinungsbeitrag von Dirk Ellerbrock.
Es ist Donald Trumps neueste Selbstinszenierung: „THE BIGGEST OIL DEAL IN WORLD HISTORY!“ Auf Truth Social verkündete der US-Präsident stolz, die USA hätten sich die Kontrolle über 65 Milliarden Barrel venezolanischer Ölreserven gesichert . Die strategische Reserve werde aufgefüllt, die Benzinpreise sinken – und das alles „keinen Penny“ für den Steuerzahler.
Eine großartige Geschichte. Nur stimmt sie nicht.
Die Zahl ist real – die Botschaft ist Betrug
Die 65 Milliarden Barrel sind keine Erfindung. Sie beziehen sich tatsächlich auf die ausgewiesenen Reserven von 17 venezolanischen Ölfeldern. Das Problem ist, was Trump daraus macht. Denn „Kontrolle über Reserven“ bedeutet nicht „65 Milliarden Barrel im Tanklager“. Das Öl liegt im Boden – in Venezuela, in maroden Feldern, überwiegend als extrem schweres Rohöl, das nur mit spezieller Technik gefördert werden kann .
Die Washington Post zitiert Branchenexperten, die mit Jahren – für erhebliche Teile der Flächen sogar mit 7 bis 10 Jahren – rechnen, bis nennenswerte neue Produktion fließen könnte. Die UBS bringt es auf den Punkt: „Big reserves, but no quick barrels“ – riesige Reserven, aber keine schnellen Barrel.
Trump verwandelt also einen langfristigen, kapitalintensiven Entwicklungsdeal mit ungeklärten Rechtsfragen in eine unmittelbare amerikanische Energie-Revolution.
1,5 Millionen Barrel – nicht 65 Milliarden
Der eigentliche Zielwert des Abkommens ist eine Produktionssteigerung auf etwa 1,5 Millionen Barrel pro Tag . Das sind 547,5 Millionen Barrel pro Jahr. Die 65 Milliarden Barrel wären bei dieser Rate – rein hypothetisch – genug für 119 Jahre. Trump verkauft den geologischen Vermögenswert über Generationen, als wäre er ein Sofortgewinn.
Und selbst dieses Produktionsziel ist kein amerikanischer Alleingewinn. Venezuela produziert bereits Öl. Es geht um eine Steigerung der Gesamtproduktion, nicht um zusätzliche 1,5 Millionen Barrel für die USA. Das Abkommen ist eine Wiederbelebung der venezolanischen Ölindustrie – kein Ölgeschenk an Amerika.
Ein Jahrhundertvertrag? Oder doch nur 25 Jahre?
Die Widersprüche sind programmiert. Während das Weiße Haus von 100-jährigen Entwicklungsrechten spricht , korrigiert Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez auf maximal 25 Jahre . Dasselbe gilt für die Eigentumsfrage: Rodríguez betont, Venezuela behalte „Eigentum und Souveränität“ über seine Ressourcen . Trump spricht von amerikanischer „Kontrolle“.
Das ist keine Kleinigkeit. Es ist der Unterschied zwischen einer venezolanischen Partnerschaft und einer amerikanischen Kolonie.
Was Trump wirklich gewonnen hat – und was nicht
Die nüchterne Analyse des Deals sieht so aus:
Nein, Trump hat nicht gewonnen:
Ja, Trump hat möglicherweise gewonnen:
Die wahren Kosten des Deals
Der Deal ist nicht einfach ein „Geschenk Venezuelas an das amerikanische Volk“, wie Trump behauptet . Er ist das Ergebnis einer imperialistischen Kanonenbootpolitik. Im Januar ließ Trump Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro durch eine US-Militäroperation entführen und nach New York verschleppen . Nun sitzt eine Übergangspräsidentin im Amt, die Washington wohlgesonnen ist – und genau diese Regierung hat den Öl-Deal unterzeichnet.
Der Harvard-Ökonom Ricardo Hausmann, gebürtiger Venezolaner, nennt es „Vermögensraub“ und einen „verfassungswidrigen Deal mit einer illegitimen unterdrückerischen Regierung“ . Die venezolanische Opposition fühlt sich verraten. Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado wird die Rückkehr ins Land verweigert.
Rhetorik des Kleinkindes
Trump liefert eine politische Größenpropaganda, die an den einfachen Trick denkt: Bestand mit Verfügbarkeit verwechseln. Zwischen „65 Milliarden Barrel Reserven“ und „65 Milliarden Barrel zusätzlicher amerikanischer Ölversorgung“ liegen Geologie, Kapital, Bohrungen, Infrastruktur, Produktion, Aufbereitung, Transport und Raffinerie – und jeder dieser Schritte braucht Zeit und Geld.
Aber Trump denkt in Schlagzeilen, nicht in Barrel pro Tag. Und für eine Schlagzeile reicht es allemal: „THE BIGGEST OIL DEAL IN WORLD HISTORY.“
Nur eines wird dadurch nicht billiger: der Sprit an der Tankstelle.
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Bildquelle: Hamara / shutterstock
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