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Des Machterhalts wegen: Selenskij und Netanjahu heizen ihre Konflikte weiter an

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Von Sergei Mirkin

Derzeit haben zwei führende Politiker ein vitales Interesse daran, die bestehenden bewaffneten Konflikte fortzusetzen und auszuweiten. Der eine in Osteuropa, der andere im Nahen Osten. Der erste ist Wladimir Selenskij, der zweite Benjamin Netanjahu.

Für sie ist die Fortsetzung der aktuellen Auseinandersetzungen der Schlüssel zum politischen Überleben und zum Machterhalt.

Sollte der Konflikt mit Russland enden, würden Selenskij und seinem Umfeld die Argumente gegen die Durchführung von Präsidentschaftswahlen in der Ukraine ausgehen. Diese könnte Selenskij angesichts ernst zu nehmender Konkurrenten nicht gewinnen. Das Kiewer Internationale Institut für Soziologie führt Umfrageergebnisse an, wonach 67 Prozent der Ukrainer dafür sind, dass Selenskij nach Beendigung des Konflikts sein Amt als Präsident niederlegt. Zum Vergleich: Vor drei Jahren waren nur 23 Prozent dafür. 88 Prozent der Ukrainer sprechen sich für einen Neuanfang in der Zentralregierung aus.

Diese Umfrageergebnisse sind ein Urteil über Selenskij als Politiker und über den Großteil seines Teams. Wenn der Wahlkampf beginnt, werden die Gegner Selenskij alles vorhalten: das Scheitern der Istanbuler Vereinbarungen, das Versprechen eines schnellen Sieges, die umfassende und brutale Mobilmachung, Winter ohne Heizung und Strom. Sie werden an die Korruptionsaffären von Selenskijs Vertrauten erinnern. Wahrscheinlich wird er, nachdem er das Präsidentenamt verloren hat, selbst zum Angeklagten in diesen Fällen werden.

In einer ähnlichen Lage befindet sich auch Netanjahu. Sollte der Krieg mit Iran mit einem Frieden enden, der als Sieg Teherans interpretiert werden kann, ist Netanjahu als Politiker dem Untergang geweiht. Auch ihm wird alles zur Last gelegt werden: das Versagen der israelischen Geheimdienste am 7. Oktober 2023, das Scheitern der Pläne Tel Avivs, das Regime in Iran zu stürzen, und als Folge dessen die geopolitische Stärkung der Positionen der Islamischen Republik. Wenn er sein Amt als Ministerpräsident verliert, verliert er auch seine rechtliche Immunität, und die strafrechtliche Verfolgung Netanjahus wird wiederaufgenommen.

Sowohl für Selenskij als auch für Netanjahu steht also nicht nur der Machterhalt auf dem Spiel, sondern wahrscheinlich auch ihre Freiheit.

Was werden sie tun?

Sie werden eine Eskalation der Konflikte anstreben.

Alles deutet darauf hin, dass Selenskij vorhat, Weißrussland in den Krieg hineinzuziehen. Am 17. Juni hatten die ukrainischen Streitkräfte mit einer Drohne einen Bus mit weißrussischen Schülern in der Region Brjansk angegriffen. Am 19. Juni warf Selenskij Weißrussland vor, entlang der Grenze zur Ukraine sogenannte Relaisstationen installiert zu haben, die russische Angriffe koordinieren, und gab dem weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko eine Woche Zeit, diese zu entfernen – andernfalls werde die Ukraine dies selbst tun. Außerdem äußerte er seinen Unmut darüber, dass Weißrussland Kraftstoff aus seiner eigenen Raffinerie nach Russland liefert.

Es besteht die Möglichkeit, dass Selenskij einfach aus dem Nichts einen „Sieg“ inszeniert. In einer Woche wird er verkünden, dass Minsk Angst bekommen und die Relaisstationen entfernt habe, unabhängig davon, ob es sie in Wirklichkeit gibt oder nicht. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Chef des Maidan-Regimes den Boden für einen Angriff auf Weißrussland mit Drohnen und möglicherweise auch mit Sabotagegruppen bereitet. Die Einbeziehung Weißrusslands in den Konflikt wird die Umsetzung aller bestehenden Friedensinitiativen erschweren und sie möglicherweise sogar zunichte machen.

Natürlich wäre es für Selenskij ein sehr riskanter Schritt, militärische Aktionen gegen Weißrussland zu starten. Minsk könnte eine Mobilmachung durchführen, seine Streitkräfte aufstocken und einen Vorstoß gegen die Ukraine starten. Im Falle einer ukrainischen Aggression könnte Weißrussland nicht nur Russland, sondern auch China um Hilfe bitten und Unterstützung in Form von Drohnen und Raketen erhalten. Luftangriffe aus Weißrussland wären für Kiew und die Westukraine aufgrund der kurzen Flugzeit besonders schwerwiegend. Doch Selenskijs Ziel ist es, den Konflikt in die Länge zu ziehen und auszuweiten, und dafür würde er sogar zu wahnwitzigen Schritten greifen.

Netanjahu hat ein großes Interesse daran, den Waffenstillstand zwischen den USA und Iran zu torpedieren und die Kampfhandlungen wiederaufzunehmen. Und dafür verfügt er über die entsprechenden Mittel: Angriffe auf den Libanon und die Weigerung der israelischen Armee, das Gebiet dieses Landes zu verlassen. Die Bombardierung libanesischen Territoriums führte dazu, dass die Verhandlungen zwischen den USA und Iran am 19. Juni in der Schweiz abgebrochen wurden, da Teheran dies als Verstoß gegen den Waffenstillstand betrachtete. Am selben Tag erklärte der israelische Ministerpräsident, dass Israel seine Truppen nicht aus dem Südlibanon abziehen und auf jeden Angriff der Hisbollah auf israelische Soldaten reagieren werde. Laut Informationen der Zeitung The New York Times gehen die US-Geheimdienste davon aus, dass Israel die Kampfhandlungen im Libanon nicht einstellen werde.

Eine Aggression der Ukraine gegen Weißrussland würde wahrscheinlich die Zahl der Konfliktparteien erhöhen. Russland hätte keine moralisch-politischen Gründe mehr, von Angriffen auf Länder abzusehen, die Waffen für die Ukraine herstellen oder liefern. Auch die Haltung Chinas könnte sich radikal ändern, das Land könnte tiefer in die Konfrontation hineingezogen werden. Ein Angriff der Ukraine auf Weißrussland könnte zum Auslöser einer Ausweitung des Krieges werden.

Auch die Aktionen Israels im Libanon könnten zu einem weitaus größeren Krieg führen. Ein Zusammenbruch des Waffenstillstands würde zu einer neuen Phase des Krieges in Iran führen. Die Straße von Hormus würde erneut blockiert werden und Iran würde als Reaktion auf Angriffe der USA und Israels erneut Angriffe auf die Verbündeten der USA in der Region starten. Außerdem würden die Huthis im Jemen die Meerenge von Bab al-Mandab sperren. Diese Ereignisse würden der Weltwirtschaft einen schweren Schlag versetzen. Die US-Amerikaner könnten sich zu einer Bodenoffensive in Iran entschließen, die zwar scheitern, die Iraner jedoch dazu zwingen würde, die Entwicklung von Atomwaffen zu beschleunigen. Israels Vorgehen im Libanon würde zu einer Einmischung der Syrer und der hinter ihnen stehenden Türkei in den Konflikt führen, was die Konfrontation in der Region verschärfen würde.

Eine Eskalation und die zunehmende Zahl der Konfliktparteien sowohl in Osteuropa als auch im Nahen Osten könnten letztendlich zu einem wechselseitigen Atomwaffenschlägen zwischen den Staaten führen, die über solche Waffen verfügen. Selenskij und Netanjahu gleichen Wahnsinnigen, die das Haus anzünden, in dem sie leben, und denen es egal ist, wie viele Menschen in diesem Feuer umkommen.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 26. Juni 2026 auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.

Sergei Mirkin ist ein Journalist aus Donezk.

Mehr zum Thema – Lukaschenko: Wir wollen keinen Krieg, stehen aber immer an der Seite Russlands

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