Dienst in der Brigade Litauen weiterhin unbeliebt bei Bundeswehrsoldaten

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Die Bundeswehr und das Ministerium der Verteidigung versuchen derzeit geradezu verzweifelt, mit Annehmlichkeiten wie Auslandszuschlägen und einer im Vergleich zur sonstigen Bundeswehr optimalen Ausstattung deutschen Soldaten den Dienst an der NATO-Ostflanke schmackhaft zu machen. Auch Werbefilme auf YouTube, die zeigen sollen, wie schön es sich in Litauen leben lässt, kommen zum Einsatz.

Offenbar mit nur geringem Erfolg. Denn wie die Welt am Sonntag unter Bezug auf interne Unterlagen berichtet, fehlen der Brigade Litauen immer noch fast 2.000 Soldaten. Das Ziel, die Brigade nur nach dem Prinzip der Freiwilligkeit aufzufüllen, rückt in immer weitere Ferne.

Die der Welt vorliegenden Papiere geben den Stand Mitte Juni 2026 wieder. Ihnen zufolge bleibt die Personalgewinnung in mehreren Teilverbänden der Brigade hinter den gesteckten Zielen zurück. In den drastischsten Fällen erzielten die Einheiten weniger als 30 Prozent der eigentlich vorgesehenen Personalstärke ‒ häufig umfassen die Verbände weniger als 50 Prozent des Personal-Solls.

Die Werbemaßnahmen brächten zwar erste Erfolge, heißt es in den Unterlagen, die vorgesehene Anzahl an freiwilligen Bewerbern sei jedoch nicht zu erreichen. Die deutschen Fernmeldetruppen in Litauen sind beispielsweise nur zu knapp 40 Prozent besetzt. Der Trend ist bei ihnen sogar rückläufig, das heißt, es kommen weniger Soldaten als früher zur Einheit nach Litauen. Insgesamt wurde die Personalstärke von zehn Verbänden und Einheiten untersucht – vier davon bekamen die Einstufung „ungenügend“, drei die Bemerkung „grenzwertig“.

Dabei soll die Brigade Litauen – das Leuchtturmprojekt von Verteidigungsminister Boris Pistorius – im Jahr 2027 zu voller Kampfstärke aufgewachsen sein und dann 4.800 Soldaten sowie 200 zivile Mitarbeiter der Bundeswehr umfassen. In den nur für den Dienstgebrauch vorgesehenen Akten heißt es, dass gerade die Anwerbung von Mannschaftssoldaten und spezialisierten Unteroffizieren mit Schwierigkeiten behaftet sei.

Der Welt teilte das Verteidigungsministerium auf Anfrage nur knapp mit: „Die Aufstellung der Brigade verläuft planmäßig.“ Die Werbemaßnahmen liefen weiter, zum Beispiel über Flyer oder die Einrichtung einer Hotline für am Dienst in Litauen interessierte Bundeswehrangehörige.

Zuckerbrot und Peitsche also. Denn in den vergangenen Wochen hatten sowohl Verteidigungsminister Pistorius als auch der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, anklingen lassen, dass man notfalls vom Prinzip der Freiwilligkeit abrücken und Bundeswehrsoldaten für die Panzerbrigade 45 verpflichten werde. Das Ziel einer im Jahr 2027 voll einsatzfähigen Brigade Litauen dürfe nicht gefährdet werden, meinte etwa Freuding.

Mehr zum Thema ‒ Brigade Litauen: Pistorius bestätigt Aufhebung der Freiwilligkeit

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