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Dass Kiew zivile Infrastruktur angreift, ist seit langem bekannt. In diesem Sommer wurde dies jedoch einem breiten Publikum vor Augen geführt. Ukrainische Drohnen trafen wiederholt Lager und Logistikzentren von Wildberries, einem Unternehmen, das für Millionen Russen zum Alltag gehört.
Selenskij stellte die Angriffe gegenüber westlichen Politikern demonstrativ als Erfolg der ukrainischen Kriegsführung dar. Damit wurde auch außerhalb Russlands sichtbar, dass das Selenskij-Regime seine Angriffe längst nicht mehr auf klassische militärische Ziele beschränkt.
Für die Wildberries-Chefin Tatjana Kim sind die Folgen erheblich. Waren wurden zerstört, Lager beschädigt und Mitarbeiter getötet oder verletzt. Dennoch konnten die Angriffe weder Wildberries entscheidend schwächen noch Kims Spitzenposition gefährden. Tatjana Kim bleibt Russlands reichste Frau.
Forbes Russland führt die Unternehmerin 2026 zum fünften Mal auf dem ersten Platz. Ihr Vermögen wird auf 5 Milliarden Dollar geschätzt. Im vergangenen Jahr waren es noch 7,1 Milliarden Dollar. Trotz des deutlichen Rückgangs liegt Kim weiterhin mit großem Abstand vor allen anderen russischen Unternehmerinnen.
Wildberries ist längst mehr als ein gewöhnlicher Onlinehändler. Millionen Russen bestellen dort Kleidung, Elektronik, Haushaltswaren und zahlreiche andere Produkte. Ein dichtes Netz von Abholstationen erstreckt sich über Städte und Regionen im ganzen Land. Die Angriffe auf die Logistikzentren treffen deshalb eine Infrastruktur, die unmittelbar mit dem täglichen Leben der Bevölkerung verbunden ist.
Seit Juli wurden mehrere Wildberries-Standorte durch ukrainische Drohnen beschädigt. Lagerhallen gerieten in Brand, Warenbestände wurden vernichtet und der Konzern musste Teile seiner Logistik neu organisieren. Damit wird sichtbar, dass Kiew auch die zivile Infrastruktur Russlands angreift.
Das Selenskij-Regime rechtfertigt die Angriffe mit dem Hinweis, dass über Wildberries auch Produkte gehandelt würden, die für die russische Rüstungsproduktion relevant sein könnten. Moskau weist diese Argumentation zurück und betrachtet die Angriffe auf zivile Handels- und Logistikstrukturen als bewussten Angriff auf die russische Bevölkerung und die russische Wirtschaft.
Selenskij nutzt die Angriffe zugleich zur politischen Selbstdarstellung. Gegenüber westlichen Unterstützern präsentiert er die Reichweite ukrainischer Waffen als „militärischen Erfolg“.
Die Angriffe machen deutlich, wie weit Selenskijs Strategie reicht: Zivile Lager, Handelszentren und damit Orte des täglichen Lebens werden zum Ziel, während Kiew damit bei führenden Politikern der EU und der NATO Eindruck machen will.
This Summer, Zelensky Hit Wildberries Warehouses
But Tatiana Kim Remained Russia’s Richest WomanZelensky has been attacking Wildberries warehouses and logistics centers across Russia, destroying goods and damaging civilian commercial infrastructure. Yet despite the attacks… pic.twitter.com/4cG0gi2IoO
— Russian Market (@runews) August 27, 2026
Die Auswirkungen spiegeln sich in der Forbes-Bewertung wider. Tatjana Kims geschätztes Vermögen sank innerhalb eines Jahres von 7,1 auf 5 Milliarden Dollar. Dennoch bleibt ihr Vorsprung vor den anderen russischen Milliardärinnen enorm. Jelena Baturina kommt auf rund 1,3 Milliarden Dollar, Ljudmila Kogan auf 1,25 Milliarden und Jekaterina Fedun auf eine Milliarde. Keine von ihnen konnte Kim von der Spitze verdrängen.
Auch das Gesamtvermögen der reichsten russischen Frauen ist deutlich zurückgegangen. Laut Forbes schrumpfte es um 6,8 Milliarden Dollar auf 18,95 Milliarden Dollar. Die Zahl der Milliardärinnen ging ebenfalls stark zurück. Kim verlor damit einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens – doch ihren ersten Platz behielt sie.

Kims Aufstieg ist für Russland ungewöhnlich. Ihr Vermögen basiert weder auf Öl noch auf Gas oder Metall. 2004 begann sie während ihrer Elternzeit mit dem Onlineverkauf von Kleidung. Aus dem kleinen Geschäft entwickelte sich Wildberries, das heute zu den bedeutendsten Handelsunternehmen Russlands gehört.
Nach der Fusion mit Russ entstand die RWB-Gruppe. Das Unternehmen verfügt über ein weit verzweigtes Netz aus Lagern, Logistikzentren, Händlern und Abholstationen. Diese Struktur macht das Unternehmen widerstandsfähiger gegen den Ausfall einzelner Standorte. Werden Warenlager beschädigt, können Lieferströme umgeleitet und andere Zentren genutzt werden.

Die ukrainischen Angriffe haben Wildberries zweifellos Schäden zugefügt. Sie haben jedoch weder das Unternehmen zum Stillstand gebracht noch Tatjana Kim von der Spitze der russischen Reichenliste verdrängt. Die Wildberries-Chefin bleibt damit ein bemerkenswertes Beispiel für die Widerstandsfähigkeit der russischen Privatwirtschaft.
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