Enter your email address below and subscribe to our newsletter

EU-Drogenbericht warnt vor neuen Substanzen – Herausforderungen werden komplexer

Share your love

In ihrem neuen Drogenbericht warnt die EU-Drogenagentur EUDA vor einer immer komplexer werdenden Drogenszene und einer Ausweitung des auf dem Schwarzmarkt verfügbaren Angebots an psychotropen Substanzen. Neue synthetische Substanzen, hochpotente Opioide mit hohem Abhängigkeitspotenzial wie Fentanyl, die Zunahme von Mischkonsum unter den Drogenkonsumenten sowie neue Verbreitungswege erhöhen das Gesundheitsrisiko für die Konsumenten und stellen die bisherigen Präventions- und Hilfsangebote vor neue Herausforderungen, stellt der Bericht fest.

Die reine Heroinabhängigkeit, wie sie sich in den 80er-Jahren als Problem manifest hatte, wird immer seltener. Die in den letzten Jahrzehnten auf dieses Klientel zugeschnittenen Angebote gehen trotz massiver Ausweitung der Hilfen und Liberalisierung daher zunehmend am Bedarf der Zielgruppe vorbei.

Während in den 80er- und noch Anfang der 90er-Jahre Kriminalisierung der User und Abstinenzorientierung zu sichtbarer Verelendung der Innenstädte wie beispielsweise Frankfurt am Main führte, das als Drogenhochburg galt, sorgten dort die Einrichtung von Konsumräumen und Spritzentauschprogrammen ab Mitte der 90er-Jahre für zumindest zeitweise Entlastung. Das Risiko von Ansteckung durch unsaubere Spritzbestecke wurde gemindert, der Konsum fand unter sicheren und sauberen Bedingungen statt. Die Sterblichkeit sank.

Parallel dazu wurden das Arzneimittelgesetz geändert und die Vergabe des Ersatzstoffes Methadon durch ausgewiesene Arztpraxen ermöglicht. Ziel war hier zunächst das Ausschleichen des Konsums. Man nimmt durch Vergabe eines Ersatzstoffes den Suchtdruck, stabilisiert den Konsumenten sozial und psychisch, schleicht dann das Substitut aus, und der Patient lebt künftig drogenfrei, war die Idee, die allerdings nicht funktionierte. Die Rückfallquote nach Ausschleichen des Substituts lag bei weit über 90 Prozent.

Daher ging man dazu über, das Substitut lebenslang zu verabreichen. Man hält den Patienten in der Sucht – aber unter ärztlicher Kontrolle. Ergänzt wurde das schließlich ab 2009 durch die Zulassung synthetischen Heroins durch den Bundestag als verschreibungspflichtiges Betäubungsmittel. Seitdem gibt es für Schwerstabhängige die Möglichkeit, Diamorphin in spezialisierten Arztpraxen zu konsumieren. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Inzwischen ist das Phänomen der Verelendung der Innenstädte wieder zurück. Daran zeigt sich, dass mit einer Ausweitung der Behandlungsmethoden und einer Liberalisierung des Umgangs mit Drogen das zugrundliegende Problem nicht beseitigt werden konnte. Der gesellschaftliche Schaden ist weiterhin enorm. Die an Sucht Erkrankten bleiben aussortiert, sind in der Regel nicht ins Arbeitsleben integriert und werden in der Sucht gehalten. An diesem Umstand will die EU grundsätzlich nichts ändern. Angesichts der neuen Herausforderungen fordert sie lediglich die weitere Ausdifferenzierung der Hilfs- und Substitutionsangebote, Programme zur Harm-Reduction und neue Frühwarnsysteme. Am „Stadtbild“ wird sich dadurch nichts ändern.

Mehr zum Thema – Präsident Guatemalas: Haben USA keine Erlaubnis für Anti-Drogen-Einsätze erteilt

Beitrag teilen

Neue Beiträge und
Informationen direkt
per E-Mail erhalten.