Extremwetter: Bauernverband rechnet mit gravierenden Ernteausfällen

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Bis weit in das Jahr 2026 hinein wurden deutsche Landwirte ihre Kartoffelernte aus dem Vorjahr nicht los. Aufgrund einer Ausweitung der Anbauflächen und hoher Ernteerträge dank idealer Wetterbedingungen kam es 2025 in Deutschland und weiten Teilen Europas zu einem massiven Überschuss der stärkehaltigen Knollen.

Teilweise wanderte die Kartoffelernte direkt in die Biogasanlage. Um überschüssige Kartoffeln vor diesem Schicksal zu bewahren, riefen die deutschen Studentenwerke Anfang 2026 die Initiative „Rettet die Knolle! – Die Studierenden essen die Kartoffeln!“ aus, die zu vermehrtem Kartoffelverzehr animieren sollte.

Doch in den kommenden Monaten könnte es sich genau umgekehrt verhalten. Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbands, warnte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vor einem totalen Ernteausfall in manchen Regionen.

Grund ist die derzeit herrschende Dürre. Und die Ernteeinbußen könnten nicht nur die Kartoffelernte betreffen, sondern auch Weizen, Raps, Zuckerrüben, Mais und Sojabohnen. Die Prognose gilt sowohl für die derzeit geernteten Feldfrüchte als auch für die Herbstkulturen. Allein für Getreide und Raps hat der Deutsche Raiffeisenverband schon jetzt einen Einnahmeverlust von mehr als 600 Millionen Euro errechnet.

Die Gefahr eines gänzlichen Ernteausfalls beschwört Rukwied dabei vor allem für Süddeutschland herauf. In Teilen Norddeutschlands hätte es immerhin hin und wieder etwas geregnet. Dies lasse auf zwar unterdurchschnittliche, aber immer noch akzeptable Ernten hoffen.

Auch auf die Tierzucht könnte die zu erwartende Missernte demnach Auswirkungen haben. Insbesondere im Süden Deutschlands brechen die Futterbestände ein, erklärte der Bauernvertreter. Es wachse einfach kein Futter mehr nach. Die Bauern müssten dann teilweise Tiere früher als geplant schlachten lassen.

Die Ernteausfälle treffen dabei ohnehin auf eine Landwirtschaft im Krisenmodus. Denn Rukwied zufolge ist die wirtschaftliche Lage für landwirtschaftliche Betriebe ohnehin „brutal angespannt“, wegen hoher Ausgaben im Betrieb etwa für Diesel und Düngemittel einerseits und niedriger Erlöse für landwirtschaftliche Erzeugnisse andererseits. Manche Landwirte könnten die Rechnungen für Dünger und Pflanzenschutzmittel bereits nicht mehr bezahlen. Die Nachfrage nach Überbrückungskrediten sei deshalb hoch.

Angesichts der „toxischen Situation“ forderte Ruckwied im Phoenix-Interview Hilfe von der Politik mittels Sofortmaßnahmen. So müsse der Staat etwa die Steuern auf Diesel mindestens für die kommenden Monate deutlich senken und die Auszahlung von EU-Direkthilfen zeitlich vorziehen.

Auch eine Anhebung der EU-Düngemittelbeihilfe von 60 auf 180 Millionen Euro sei vonnöten. Ebenso müsse die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vorgesehene steuerfreie Risikoausgleichsrücklage kommen. Mit ihr könnten sich die Landwirte ein finanzielles Polster für schwierige Jahre schaffen.

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