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Von Andrei Restschikow
Einheiten des russischen Truppenverbands Mitte haben das Dorf Krasny Kut in der Donezker Volksrepublik (DVR) befreit. Dies meldete am 28. Juli Russlands Verteidigungsministerium. Der Ort gehört zur Gemeinde Druschkowka des Bezirks Kramatorsk und liegt 15 bis 20 Kilometer von Dobropolje entfernt.
Vor dem Beginn der aktiven Kampfhandlungen lebten hier unterschiedlichen Angaben zufolge 70 bis 200 Menschen. Größenmäßig ist Krasny Kut ein typisches kleines Dorf im Donbass, das aus einer bis zwei Straßen von Einfamilienhäusern besteht. Doch seine Bedeutung liegt nicht in der Größe, sondern in der Lage.
Wie der Kriegsberichterstatter der Zeitung Komsomolskaja Prawda, Alexandr Koz, erklärte, liegt Krasny Kut am Ufer des Flusses Kasjonny Torez, acht Kilometer südwestlich von Druschkowka – einem der größten Verteidigungsknoten des ukrainischen Militärs. Das Dorf grenzt an das zuvor in dieser Woche befreite Torskoje, und der Fluss bildet eine natürliche Verteidigungslinie. Koz schrieb auf seinem Telegramkanal:
„Ein Aufmarschplatz für den Vorstoß auf Druschkowka aus dem Westen wird gebildet. Heute verläuft dessen Frontlinie von Süd nach Nord durch die Grenzen der Ortschaften Nowopawlowka, Pawlowka, Prijut, Torskoje, Krasny Kut.“
Nach Meinung des Kriegsberichterstatters könnten zu den nächsten Zielen des Truppenverbands Mitte Torezkoje, Nowogrigorowka und Petrowka werden. Koz vermutete:
„Ihre Befreiung wird die Flanken des auf Druschkowka und Alexejewo-Druschkowka vorstoßenden Truppenverbands bilden. Freilich ist es nicht ausgeschlossen, dass der Truppenverband Mitte einen Umweg über den Norden in Richtung Kamyschewacha und Malotaranowka nehmen wird. In diesem Fall wird sich eine Gelegenheit eröffnen, die Straße N20 von Kramatorsk nach Druschkowka zu unterbrechen. Das wird Druschkowkas Garnison isolieren und von der Versorgung abschneiden.“
Experten vermuten, dass die Befreiung von Krasny Kut den russischen Truppen gleich mehrere Varianten für nächste Aktionen bietet. Einerseits eröffnet sich die Möglichkeit, den Druck gegen den Ballungsraum Druschkowka zu stärken, andererseits die ukrainischen Kommunikationslinien zwischen dem befestigten Raum Druschkowka-Kramatorsk und dem logistischen Hub des ukrainischen Militärs im Hinterland, in Dobrobpolje, zu bedrohen. Der Kriegsberichterstatter Fjodor Gromow merkte an:
„Die Befreiung von Krasny Kut, wie zuvor die von Torskoje, ist ein wichtiger, doch bisher der erste Schritt. Dennoch ist die Richtung der Offensive offensichtlich. Die Aktionen des Truppenverbands Mitte an diesem Frontabschnitt erfolgen in enger Zusammenarbeit mit Einheiten des Truppenverbands Süd, die aus Konstantinowka auf den Ballungsraum Druschkowka vorrücken. Offiziellen Meldungen zufolge haben die Kämpfe um die Siedlung Alexejewo-Druschkowka, die unmittelbar bei Druschkowka liegt, bereits begonnen. Deswegen zeichnen sich zweifellos Pläne ab, Dobropolje von Druschkowka zu isolieren und die Kohärenz der ukrainischen Verteidigung zu durchbrechen.“
Ähnlich schätzt die Lage der Militärexperte Jan Gagin ein:
„Im Grunde wird dieser kleine Ort zu jenem Punkt, aus dem unsere Verbände ausschwärmen und große städtische Ballungsräume weiter unter Druck setzen können. Gerade entlang dieser Linie wird die Offensive an unterschiedlichen Frontabschnitten erfolgen. Doch die Hauptaufgabe heute ist, nicht gedankenlos vorzupreschen, sondern eine sichere Befestigung zu bilden.“
Gagin zufolge verstehe die ukrainische Militärführung hervorragend die Bedeutung von Krasny Kut, daher sei eine Intensivierung von Gegenangriffen, vor allem unter Einsatz von Drohnen, zu erwarten:
„Es ist äußerst wichtig, jetzt diese Linie zu halten.“
Freilich denken nicht alle Spezialisten, dass die Befreiung von Krasny Kut die operative Lage ändert. Der Militärexperte Michail Onufrijenko vermutet:
„Man kann nicht behaupten, dass die Befreiung von Krasny Kut den Beginn eines Zersplitterungsschlags und der Aufspaltung des Donezker Truppenverbands des ukrainischen Militärs in zwei Teile bedeutet. Die Reihe von Festungsstädten an diesem Frontabschnitt wird aus dem Gebiet Dnjepropetrowsk über die Dnjepr-Brücken versorgt. Deswegen wird unser Erfolg an diesem Ort die gegnerische Logistik noch nicht wesentlich beeinträchtigen.“
Onufrijenko zufolge liege die Hauptbedeutung der Befreiung des Dorfs in der Möglichkeit, Druschkowka einzukesseln:
„Wenn wir aus dem Südwesten über das befreite Torskoje vorrücken und den Druck aus dem Osten aufrechterhalten, können wir die Stadt erreichen. Was die Perspektiven eines Erreichens von Kramatorsk angeht, haben wir bisher noch keine anderen Richtungen als die aus dem Osten.“
Der Experte schlägt vor, keine voreiligen Schlüsse über die baldige Aufspaltung des ukrainischen Truppenverbands zu ziehen:
„In nächster Zeit werden sich die Hauptanstrengungen unserer Kräfte auf die Abwehr von gegnerischen Gegenangriffen im südlichen Teil der Front, im Zuständigkeitsbereich der Truppenverbände Dnjepr und Ost, konzentrieren. Der Truppenverband Mitte könnte die Offensive fortsetzen, doch die Hauptaufgabe ist es jetzt, dem Gegner Erfolge an anderen Frontabschnitten zu verwehren.“
Im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Offensive hält Gromow gerade die Intensivierung des Drucks gegen den Ballungsraum Druschkowka am Wahrscheinlichsten:
„Das wird ermöglichen, gemeinsam mit dem Truppenverband Süd zu agieren und Druck von zwei Seiten auszuüben. Ein solcher Plan erscheint aussichtsreicher als ein Vorstoß unmittelbar nach Westen, um die Linie Pokrowsk–Kurachowo einzurollen.“
Gagin meint seinerseits, dass die Wahl zwischen einer klassischen Einkesselung des Ballungsraums Slawjansk-Kramatorsk und der sukzessiven Zersplitterung des vom ukrainischen Militär kontrollierten Territoriums der DVR beim Kommando des Truppenverbands Mitte liege. Dabei würden beide Strategien das gleiche Ziel verfolgen, nämlich die Versorgung des Gegners zu unterbrechen und die eigenen Verluste zu minimieren. Der Experte erklärte:
„Ich denke, dass in der Realität beide Szenarien gleichzeitig umgesetzt werden. Wir müssen die Frontlinie begradigen, ohne Widerstandsnester im Hinterland zu hinterlassen. Nach einer Säuberung von Krasny Kut und der anliegenden Waldstreifen wird die Offensive gleichzeitig sowohl gegen die ukrainische Flanke in Druchkowka und Kramatorsk, als auch direkt nach Westen in Richtung Dobropolje weitergeführt. Kräfte dazu haben wir.“
Onufrijenko denkt indessen, dass ein Vorstoß unmittelbar nach Dobropolje mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden sein könnte:
„Sollte die Entscheidung über einen Sturm auf Dobropolje getroffen werden, könnte sich diese Operation bis Jahresende hinziehen. Nach der Befreiung von Dobropolje werden sich Kampfhandlungen an diesem Frontabschnitt faktisch ins Gebiet Dnjepropetrowsk verlagern, und Versuche des Gegners, die heute teilweise besetzten Stellungen zu halten, werden für ihn zu einem aussichtslosen Fließband des Todes werden.“
Ein Schlüsselfaktor für die weitere Entwicklung der Lage bleibe laut Onufrijenko der Kampf um die Logistik:
„Unsere Angriffe gegen Schiffe, die in gegnerischen Häfen einlaufen, und Kiews Vorschläge eines ‚Waffenstillstands in der Luft‘ zeugen davon, dass Kiew hervorragend versteht, wie verheerend die Unterbrechung seiner Versorgung sein wird. Sollten wir an dieser Taktik festhalten und die Versorgungsarterien systematisch unterbrechen, könnte die Lage für das ukrainische Militär katastrophal werden. Dann wird sich die Möglichkeit für umfassendere Offensiven bieten.“
Bei der Bewertung der Fähigkeit des ukrainischen Militärs, sich dem weiteren Vormarsch der russischen Streitkräfte zu widersetzen, hebt Gagin die Besonderheiten des Treffens von Entscheidungen durch die ukrainische Führung hervor:
„Die Praxis zeigt, dass sie bis zuletzt keine Rückzugsbefehle erteilen. Als Schauspieler braucht Selenskij das Drama; er will sich um jeden Preis bis zu einem kritischen Zeitpunkt halten. Und wenn die Lage aussichtslos wird, wird kein geordneter Rückzug, sondern eine panische Flucht mit noch größeren Verlusten unternommen. Deswegen werden sie diesen Abschnitt mit jenen Kräften halten, die sie haben.“
Übersetzt aus dem Russischen. Zuletzt erschienen bei der Zeitung Wsgljad am 28. Juli.
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