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Venezuela prüft nach Angaben von mit der Angelegenheit vertrauten Personen einen Austritt aus der OPEC. Ein solcher Schritt wäre ein weiterer Rückschlag für das Ölkartell, zu dessen Gründungsmitgliedern Venezuela vor mehr als sechs Jahrzehnten gehörte.
Die Möglichkeit eines Austritts sei auch bei Gesprächen mit US-Vertretern erörtert worden, eine endgültige Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen, sagten die anonym bleiben wollenden Informanten gegenüber Bloomberg. Ein Sprecher des Weißen Hauses wollte sich zunächst nicht äußern.
Ein Austritt aus der Organisation erdölexportierender Länder würde die weitreichende politische Neuordnung in Caracas verdeutlichen, seit US-Präsident Donald Trump den langjährigen venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro entführt und die Kontrolle über die Ölverkäufe des Landes übernommen hat.
Der wachsende Einfluss Washingtons zeigt sich auch in Gesprächen der USA mit venezolanischen Regierungsvertretern über eine umfangreiche Beteiligung an den Ölfeldern des Landes – eine Entwicklung, die noch vor zwei Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre.
Vertreter beider Länder verhandeln nach Angaben von mit den Gesprächen vertrauten Personen über diesen Vorschlag. Demnach wird unter anderem über eine mögliche 100-jährige Pacht mehrerer Ölfelder diskutiert. Das Weiße Haus lehnte eine Stellungnahme zu den Verhandlungen ab, über die zuvor das Nachrichtenportal Axios berichtet hatte. Der Plan könnte sich auf 17 Ölfelder erstrecken, darunter Vorkommen im Orinoco-Gürtel und am Maracaibo-See. US-Ölkonzerne könnten dabei um die Förderrechte konkurrieren.
Wie eine solche Beteiligung der US-Regierung aussehen könnte, ist noch unklar. Möglich ist, dass die Regierung private Firmen im Rahmen eines Dienstleistungsvertrags mit der Förderung der Vorkommen betraut. Alternativ könnte sie mit Ölkonzernen Gemeinschaftsunternehmen gründen, die die Ölfelder erschließen.
Ein solches Abkommen wäre ein nahezu beispielloser Eingriff der USA in die Wirtschaft eines anderen Landes. Zugleich würde es zu Trumps sogenannter „Donroe-Doktrin“ passen, mit der er den amerikanischen Einfluss in der westlichen Hemisphäre ausweiten will.
Trump hat Venezuela bereits als den „51. Bundesstaat“ der USA bezeichnet und erklärt, Washington kontrolliere das venezolanische Öl. Die mögliche direkte Beteiligung der US-Regierung an venezolanischen Ölprojekten verdeutlicht, wie stark sich die Branche im Zuge des politischen Umbruchs verändert. Internationale Ölkonzerne agieren in Venezuela bislang weitgehend zurückhaltend.
Nach einer Bloomberg-Erhebung förderte Venezuela im Juli 1,16 Millionen Barrel Öl pro Tag – weniger als die Hälfte der Fördermenge vor zehn Jahren. Allerdings ist die Produktion in diesem Jahr gestiegen.
Ein Austritt Venezuelas würde die Zweifel daran verstärken, ob die von Saudi-Arabien angeführte OPEC ihren Zusammenhalt und ihren Einfluss auf die Rohölpreise bewahren kann. Ein weiterer Zerfall könnte einen erbitterten Kampf der Mitglieder um Marktanteile auslösen – ähnlich dem kurzen Preiskrieg von 2020.
Einige US-Regierungsvertreter sehen demnach in einer Allianz zwischen den USA und Venezuela das Potenzial für eine neue Öl-Großmacht, die den Einfluss der OPEC erheblich schwächen könnte. Ein Verzicht auf mögliche künftige Förderquoten würde Venezuela ermöglichen, seine Produktion langfristig zu steigern und damit die Ölpreise zu senken.
Ein Austritt Venezuelas wäre zugleich ein Erfolg für Trump, der die OPEC seit Langem kritisiert und ihr vorwirft, die Ölpreise und damit die Energiekosten für US-Verbraucher in die Höhe zu treiben.
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