Vor Inkrafttreten des Verbots: Europäer kaufen gesamtes verfügbares russisches Flüssigerdgas auf

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Von Olga Samofalowa

Im Juli bezog Belgien Flüssigerdgas (LNG), das vollständig aus Russland stammte. Im Laufe des Monats nahm Brüssel rund 0,4 Millionen Tonnen Flüssigerdgas entgegen. Einer der Gründe dafür waren die Kampfhandlungen im Nahen Osten, die die traditionellen Lieferwege für LNG nach Europa und Asien unterbrachen, weshalb Asien begann, den europäischen Verbrauchern Mengen abzuwerben.

Und in dieser Situation beabsichtigt die Europäische Kommission, ab Januar 2027 vollständig auf russisches Flüssigerdgas zu verzichten.

Michail Wakiljan, ein Experte des russischen Instituts für die Entwicklung von Technologien im Brennstoff- und Energiesektor, sagt:

„Der russische Anteil ist auf 100 Prozent gestiegen, weil Katar aus der Bilanz herausgefallen ist. Der Hafen von Zeebrügge stützte sich jahrelang auf zwei Säulen – LNG aus Katar und von Jamal, nun ist nur noch eine übrig.“

Dabei kaufe Belgien LNG nicht nur für sich selbst, sondern auch für seine Nachbarn. Das Land sei ein Einfuhrknotenpunkt für ganz Nordwesteuropa, fügt der Experte hinzu.

Igor Juschkow, leitender Analyst des russischen Fonds für nationale Energiesicherheit und Dozent am Lehrstuhl für Politikwissenschaft der Finanzuniversität bei der Regierung der Russischen Föderation, vermutet:

„Belgien nimmt LNG zumindest noch für Deutschland entgegen und leitet es nach der Regasifizierung möglicherweise sogar über eine Pipeline nach Frankreich weiter. Da russisches LNG nur im Rahmen langfristiger Verträge auf den europäischen Markt geliefert werden kann, denke ich, dass hier gerade die Verträge von ‚Jamal LNG‘ mit Total Energy erfüllt werden, das als Händler fungieren könnte.“

Seinen Worten zufolge sei es auch für die russische Seite – das Projekt „Jamal LNG“ – vorteilhafter, Flüssiggas nach Europa zu liefern, da die Preise dort höher sind als in Asien und die Transportwege kürzer, was wiederum bedeutet, dass auch die Logistikkosten geringer ausfallen. Juschkow meint:

„Ich denke, dass dies auch für Kunden, die russisches LNG über Belgien beziehen, vorteilhafter ist. Ein langfristiger Vertrag mit Total Energy beinhaltet in der Regel niedrigere Preise als auf dem Spotmarkt. Deshalb entscheidet sich der Käufer nicht für US-amerikanisches LNG, sondern für das günstigere russische.“

Dabei fließt US-amerikanisches Flüssiggas in großem Umfang auf die asiatischen Märkte. Michail Wakiljan erklärt:

„US-amerikanisches LNG ist aus Europa nicht verschwunden, ist aber keine günstige Option mehr. Der Grund liegt im Spread: Auf dem asiatischen Markt kostete Gas im Juni vier US-Dollar mehr als in Europa, was die Differenz bei den Frachtkosten nach Asien ausgleicht.

Eine Rolle spielten auch die europäischen Abnehmer selbst, die ihre Einkäufe in der Erwartung sinkender Preise zurückhielten, sowie Ägypten, das eine Rekordmenge von 1,06 Millionen Tonnen mit einem Aufschlag gegenüber dem TTF (der europäischen Börse) abnahm.“

Im Juni kostete Flüssigerdgas auf dem asiatischen JKM-Markt durchschnittlich 17,33 US-Dollar pro Million britischer Wärmeeinheiten (MMBtu) gegenüber 13,19 US-Dollar auf dem europäischen Spotmarkt TTF. Wakiljan merkt an:

„Ein weiterer Wettbewerbsvorteil des russischen LNG ist derzeit die Vorhersehbarkeit der Lieferungen. ‚Jamal LNG‘ ist langfristig vertraglich gebunden, wird mit einer spezialisierten Arc7-Flotte auf dem kurzen Seeweg nach Zeebrügge transportiert, die Regasifizierungsslots sind im Voraus gebucht, und nach dem EU-Verbot der Umladung in Drittländer gibt es für diese Lieferungen fast keine alternativen Abnehmer. Für die Europäer ist dies die einzige Ladung, die Asien nicht aufkaufen kann.“

Innerhalb eines halben Jahres hat die EU rekordverdächtige 9,89 Millionen Tonnen LNG von Jamal abgenommen, das sind 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Europäer kaufen das gesamte verfügbare russische LNG auf, bevor ab dem 1. Januar 2027 die EU-Sanktionen dagegen in Kraft treten. Igor Juschkow hebt hervor:

„Wenn die Europäer könnten, würden sie noch mehr russisches LNG abnehmen. Doch die US-Amerikaner haben Sanktionen gegen zwei mittelgroße russische Anlagen verhängt, die zuvor ausschließlich für den europäischen Markt produziert haben. Dabei handelt es sich um ‚Portowaja LNG‘ von Gazprom und ‚Kriogas-Wyssozk‘ von Nowatek. Auch über ‚Arktik LNG-2‘ hätte das Gas auf den europäischen Markt gelangen können, da die Lieferung dorthin schneller wäre. Doch nun verkauft das Unternehmen seine Produktion ausschließlich nach China an ein eigens dafür vorgesehenes Terminal für die Annahme von russischem, unter Sanktionen stehendem LNG.“

Michail Wakiljan skizziert die Folgen für die Wirtschaft und Industrie der EU wie folgt:

„Das Hauptproblem des Verbots der Europäischen Kommission ist sein Zeitpunkt. Die LNG-Lieferungen werden am 1. Januar, mitten in der Entnahmesaison, eingestellt. Europa geht mit den niedrigsten saisonalen Vorräten seit 2009 in diesen Winter und verliert mitten in der Kälteperiode rund 20 Millionen Tonnen der jährlichen Importmenge.

Auf einem ruhigen Markt lässt sich dies finanziell ausgleichen. Bei einer Sperrung der Straße von Hormus und einem kalten Winter wird Europa Asien Lieferungen abwerben – und zwar zu einem hohen Preis. Als Erste werden dies die Ammoniak-, Düngemittel-, Glas- und Metallindustrie zu spüren bekommen, wo Gas einen wesentlichen Teil der Selbstkosten ausmacht; später wird sich dies über die Strompreise in den Verbraucherpreisen niederschlagen.“

Die Europäer beraubten sich mitten im Winter selbst des russischen Flüssigerdgases, dabei sei Russland der zweitgrößte Gaslieferant, sagt Igor Juschkow. Er fügt hinzu:

„LNG aus Katar könnte möglicherweise gar nicht erst eintreffen, und es ist der drittgrößte Lieferant auf dem europäischen Markt. Die Gasvorräte in den Untergrundspeichern befinden sich auf einem historisch niedrigen Niveau. Das bedeutet, dass im Winter deutlich mehr LNG importiert werden muss, dessen Preise noch weiter steigen werden.“

Seiner Meinung nach wäre es logisch, das Einfuhrverbot für russisches LNG zumindest auf das Frühjahr zu verschieben, wenn die Heizperiode endet und die Lage nicht mehr unter so starkem Druck steht. Wakiljan hält jedoch außerordentliche Ausnahmen von den Sanktionen und nationale Ausnahmeregelungen für realistischer: Spanien beispielsweise bittet bereits um einen Aufschub, und Griechenland blockiert das 21. Paket wegen der Schiffe der Reederei Dynagas.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 5. August 2026 auf der Website der Zeitung „Wsgljad“ erschienen.

Olga Samofalowa ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung „Wsgljad“.

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