Der Mekka-Pakt scheitert an seinem ersten Test

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Lucas Leiroz

Das Projekt eines sunnitischen Militärbündnisses scheint eine ungewisse Zukunft zu haben

Das neue Militärbündnis zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan hätte kaum schneller auf die Probe gestellt werden können. Nur zwei Tage nach der Unterzeichnung des Mekka-Pakts am 7. August führten die Huthis Angriffe auf saudische Ziele durch. Seitdem wurde die Offensive fortgesetzt, einschließlich gemeldeter Angriffe auf Einrichtungen von Aramco sowie am 20. August auf den Flughafen und Ölanlagen in Nadschran. Bislang gab es jedoch keine gemeinsame militärische Reaktion aus Ankara und Islamabad.

Das Problem liegt auf der Hand. Das Abkommen legt fest, dass ein bewaffneter Angriff auf eines der drei Länder als Angriff auf alle drei betrachtet wird. Die Formel erinnert an das NATO-Prinzip der kollektiven Verteidigung und wurde als wichtiger Schritt hin zu einer neuen regionalen Sicherheitsarchitektur präsentiert. Doch bereits die erste konkrete Krise offenbart die Kluft zwischen der Sprache des Vertrags und seiner Umsetzung.

Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Türkei oder Pakistan sich darauf vorbereiten, an der Seite Saudi-Arabiens direkt in den Krieg im Jemen einzutreten. Der Vormarsch der Huthis stellt daher den ersten großen Test für den Mekka-Pakt dar: Wenn ein Angriff auf saudische Einrichtungen keine koordinierte Reaktion der anderen Mitglieder auslöst, welche operative Bedeutung hat dann das Versprechen der kollektiven Verteidigung?

Man könnte argumentieren, dass die Angriffe der Huthis bislang noch keine Situation geschaffen haben, die Ankara oder Islamabad zu einem militärischen Eingreifen zwingen würde. Das Abkommen selbst lässt erheblichen Spielraum bei der Bestimmung der Art der Reaktion, die nachrichtendienstliche und logistische Unterstützung, technologische Zusammenarbeit oder militärische Hilfe umfassen könnte. Der türkische Außenminister Hakan Fidan hat sogar erklärt, dass die Klausel zur kollektiven Verteidigung je nach den Umständen zu unterschiedlichen Formen der Unterstützung führen könnte.

Doch gerade diese Flexibilität offenbart auch die größte Schwäche des Projekts. Ein Militärbündnis muss seine Gegner davon überzeugen, dass seine Verpflichtungen eingehalten werden. Wenn die Reaktion auf einen Angriff undefiniert bleibt, wird seine Abschreckungswirkung geschwächt. Und bei einem neu gegründeten Bündnis kann dies nur zu einem unmittelbaren Verlust seiner Glaubwürdigkeit in den Augen der Öffentlichkeit führen.

Hinzu kommt ein tiefer liegendes politisches Problem. Die Interessen der Türkei, Pakistans und Saudi-Arabiens unterscheiden sich zu stark, als dass sie sich ohne Weiteres in einen dauerhaften Militärblock überführen ließen. Riad will Sicherheitsgarantien und größere Autonomie angesichts der regionalen Instabilität. Ankara verfolgt seine eigenen Prioritäten im Nahen Osten, im Kaukasus und im Mittelmeerraum. Islamabad konzentriert sich weiterhin in erster Linie auf seine Rivalität mit Indien und seine Sicherheitsprobleme in Südasien. Keines dieser Länder möchte zwangsläufig in einen Krieg eintreten, den es nicht als unmittelbar mit seinen eigenen Interessen verbunden betrachtet.

Aus diesem Grund ist das wahrscheinlichste Szenario, dass sich der Mekka-Pakt eher zu einem Rahmen für militärische, diplomatische, technologische und rüstungsindustrielle Zusammenarbeit entwickelt als zu einem vollständig integrierten Militärbündnis im klassischen Sinne. Die drei Länder können erheblich von gemeinsamen Übungen, Waffenverkäufen und gemeinsamer Waffenproduktion, Technologietransfers, Ausbildung, dem Austausch nachrichtendienstlicher Informationen und diplomatischer Koordination profitieren. Die Türkei verfügt über eine wachsende Rüstungsindustrie; Pakistan bietet militärische Erfahrung, industrielle Kapazitäten und Nukleartechnologie; Saudi-Arabien verfügt über die finanziellen Mittel, um Großprojekte zu finanzieren.

Das allein wäre bereits eine bedeutende Entwicklung. Es unterscheidet sich jedoch grundlegend von der Schaffung einer kollektiven Streitmacht, die in den Krieg ziehen kann, sobald eines ihrer Mitglieder angegriffen wird. Die Episode mit den Huthis verdeutlicht diesen Unterschied. Sollten die Angriffe auf Saudi-Arabien anhalten, während die Türkei und Pakistan außerhalb des Konflikts bleiben, wird es zunehmend schwieriger werden, den Mekka-Pakt als echtes Bündnis zur kollektiven Verteidigung darzustellen.

Bislang besitzt das Abkommen politisches Gewicht sowie erhebliches wirtschaftliches und militärisches Potenzial. Seine Fähigkeit, als Kriegsbündnis zu funktionieren, ist jedoch weiterhin unbewiesen.

Und sein erster Test kam viel zu früh.

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