Escobar aus Seoul: Nordkorea liefert Iran getarnte Unterwasser-Drohnen gegen Flugzeugträger – Existenzialkrieg für Teheran – amerikanische Reaktion könnte „vulkanisch“ werden

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Aus Seoul berichtet Pepe Escobar von einer neuen Eskalationsstufe: Nordkorea soll Iran getarnte Unterwasser-Drohnen geliefert haben, die als Träger-Killer gelten. Gleichzeitig beschreibt er den Zusammenbruch diplomatischer Auswege, eine iranische Wende von der Defensive zur Offensive und die Gefahr, dass der Konflikt um die Seeblockade im Indischen Ozean und die Straße von Hormus in unkontrollierbare Bahnen gerät.

Pepe Escobar sprach in der Nacht aus Seoul, unmittelbar nach einer Debatte beim World Knowledge Forum. Hinter ihm lag Mitternacht, vor ihm ein Tag mit harten geopolitischen Diskussionen. Der brasilianische Journalist, Mitbegründer des unabhängigen Kanals Transition Protocol, hatte dort als Stimme des Globalen Südens einem pro-trumpistischen Amerikaner und einem französischen Establishment-Vertreter gegenübergestanden. Das südkoreanische Publikum habe gebannt zugehört – internationale Debatten dieser Art seien in Seoul selten, obwohl das Land eine wirtschaftliche und technologische Mittelmacht ersten Ranges sei.

Am Ende seiner Intervention versuchte Escobar einen hoffnungsvollen Ton. Der Moderator habe nach etwas „Auspicious“ gefragt, etwas, das über die Schrecken hinausgehe. Escobar griff zu Martin Luther Kings „I have a dream“ und stellte die Frage: Warum nicht „ein Land, zwei Systeme“ für die koreanische Halbinsel? Eine chinesisch inspirierte Formel zwischen Seoul und Pjöngjang. Später hätten ihm Teilnehmer gesagt, solche Dinge würden hier so nicht diskutiert. Escobar blieb dabei: Er habe als Gast das zentrale geopolitische Problem beider Koreas angesprochen – die Frage einer möglichen Wiedervereinigung. Selbst inmitten von Kriegen dürfe man diplomatische Lösungen träumen. Nur wenige Kilometer von Wladiwostok entfernt, wo kürzlich ein Gipfel stattfand, sei eine direkte Straßenverbindung von Nordkorea nach Südsibirien eröffnet worden. Vor Jahren sei sogar eine Bahnverbindung Südkorea–Nordkorea–Russland–Transsibirische Eisenbahn diskutiert worden, die beiden Koreas den Landweg nach Eurasien eröffnen könnte.

Der Kontrast zu Westasien könnte kaum größer sein. Escobar beschreibt die Lage als „extrem deprimierend“. Alle diplomatischen Auswege, die pakistanische Vermittler – einschließlich Feldmarschall Asim Munir – zusammen mit Katar, Oman und anderen Akteuren angeboten hätten, seien gescheitert. Die Trump-Administration habe die Off-Ramps zerstört, die der US-Präsident selbst in wiederholten Anrufen bei Munir erbeten habe. Selbst nach einer Reise nach Teheran und einem letzten Angebot der iranischen Führung sei nichts übrig geblieben. Man sei zurück auf der Eskalationsleiter.

Die Blockade, so Escobar, werde nicht in der Straße von Hormus oder im Persischen Golf durchgesetzt, sondern rund 800 Kilometer von der iranischen Küste entfernt, tief im Indischen Ozean nahe dem Arabischen Meer. Der Schiffsverkehr durch Hormus sei auf ein Rinnsal zusammengeschrumpft – nach Angaben seines Gesprächspartners Zulfiqar Ali („Mr. Z“) derzeit etwa vier Schiffe pro Tag. Parallel eskaliere im Roten Meer und am Bab al-Mandab der Konflikt zwischen saudischen Proxys und den Ansarallah (Houthis) in Jemen und den südlichen saudischen Provinzen. Die Saudis weigerten sich, Ansarallah und die jemenitischen Streitkräfte als reale Macht anzuerkennen und diplomatisch zu behandeln. Stattdessen setzten sie auf Söldner und Subversion. Escobar sieht die Gefahr einer Arbeitsteilung: Iran könnte Energieanlagen im Nordosten Saudi-Arabiens angreifen, Jemen den Westen inklusive der Küste am Roten Meer, Yanbu, Raffinerien und Dschisan, das bereits fast täglich getroffen werde. Saudi-Arabien sei im Roten Meer blockiert und müsse den teuren Umweg um Afrika nehmen – oder über Hormus.

Diese doppelte Eskalation – Indischer Ozean/Persischer Golf und Rotes Meer – werde durch Gipfeldiplomatie kaum aufgehalten. Weder die Gespräche in Bischkek (Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit) noch die anstehenden bilateralen Treffen beim BRICS-Gipfel in Neu-Delhi zwischen Iran und Russland sowie Iran und China könnten den Krieg stoppen. Escobar erwartet allerdings, dass BRICS ähnlich wie die SOZ in ihrer Bischkek-Erklärung den amerikanischen Krieg gegen ein Vollmitglied verurteilt. Das wäre ein diplomatischer Erfolg des Globalen Südens – auch wenn die Trump-Administration Diplomatie ignoriert.

Im Zentrum der Sendung stand dann die von Zulfiqar Ali als privilegiert und von höchsten iranischen Stellen freigegebene Information: Iran habe vor etwa zwei Tagen eine Ladung tödlicher Waffen aus Nordkorea erhalten. Darunter speziell Drohnen, die unter Wasser gleiten, unentdeckt bleiben und gegen Marineschiffe – einschließlich Flugzeugträger – verheerende Wirkung entfalten könnten. Die Systeme würden bereits getestet. Der Lieferweg führe über China und Pakistan. Pakistan rücke zunehmend an Irans Seite; Teheran nutze den Hafen Gwadar, Landrouten und sechs aktive Korridore. Die Trump-Administration sei darüber unzufrieden, Islamabad kümmere das derzeit wenig.

Escobar bestätigt die etablierte Kette Nordkorea–China–Pakistan–Iran. Er selbst werde in den kommenden Tagen nach Russland reisen und in Moskau versuchen, den Umfang direkter russischer militärischer Hilfe für Iran zu klären – soweit das Verteidigungsministerium etwas preisgibt. Bereits jetzt gebe es diplomatische, logistische, Überwachungs- und Geheimdienstunterstützung durch Russland und China.

Die iranische Führung habe die Haltung von der Defensive zur Offensive umgestellt. Mohsen Rezaei, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, und General Ahmad Vahidi seien überzeugt, dass Iran den Moment abwarte, um die neue Strategie durchzusetzen. Die wirtschaftliche Krise und der Druck der Blockade seien real, doch die Bevölkerung – 90 Millionen Menschen – stehe hinter der Forderung nach Vergeltung, besonders nach der Ermordung eines führenden Repräsentanten. Bei den Trauerfeierlichkeiten habe die Losung „Rache“ geherrscht. Die Führung reite auf einer Welle populären Zorns, müsse ihn aber kanalisieren – eine persische Meisterschaft im Balancieren von Souveränität, dezentraler Verteidigung und Offensive.

Zulfiqar Ali betont, die Entscheidung zur Offensive sei mit dem obersten Führer, Präsident Masud Peseschkian, Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi abgestimmt. Iran werde die Blockade und die Sanktionen nicht länger hinnehmen. Das Land sei entschlossen, aus den Zwängen der letzten 45 Jahre auszubrechen und als dominante Regionalmacht in Allianz mit Pakistan hervorzugehen – die Beziehungen zu Islamabad seien so gut wie seit einem halben Jahrhundert nicht.

Escobar warnt vor den kurzfristigen Folgen. Die amerikanische Reaktion auf eine iranische Offensive, besonders bei einer Demütigung auf See, könne „außer Kontrolle“ und „vulkanisch“ ausfallen. Selbst dann ändere sich nichts an den Fakten vor Ort: Iran widerstehe, Hormus habe einen neuen Status, Russland und China stünden dahinter. Die Folgen für die Zivilbevölkerung in Iran könnten jedoch furchtbar sein.

Beide Gesprächspartner sehen den Krieg als existenziell für Iran. Ein Verlust könne den modernen iranischen Staat zerbrechen, fragmentieren und zu Vasallen- oder Kolonialgebieten machen – analog zu britischen Praktiken der Vergangenheit, nun unter amerikanischer Ägide. Für das Empire wäre eine gleichzeitige strategische Niederlage in Westasien und in der Ukraine das Ende der unilateralen Hegemonie. Escobar zieht den Vergleich zu Russland in der Ukraine: Auch Moskau habe lange „samtene Handschuhe“ getragen, bis es erkannt habe, dass nur die totale Demütigung der NATO eine Lösung bringe. Die iranische Führung komme zu einem ähnlichen Schluss – mit begrenzteren Mitteln, aber gleicher Entschlossenheit.

Zulfiqar Ali fügt hinzu, dass die schiitische Bevölkerung das Martyrium im Geiste Imam Husseins kenne und bereit sei, für die Sache zu sterben – etwas, das die Trump-Administration nicht begreife. Iran verfüge über hypersonische Fähigkeiten aus Russland und über die neuen Unterwasser-Drohnen, gegen die es derzeit keine amerikanische Verteidigung gebe. Rezaei sei nicht vage, sondern höchst zuversichtlich. Selbst auf einen möglichen Nuklearschlag sei man vorbereitet; die Antwort käme an Stellen, an denen das Empire es am wenigsten erwarte. Konventionelle Vergeltung könne ebenso verheerend wirken. Escobar hält sich bei Spekulationen über eine mögliche nukleare Schwelle zurück und verweist auf Experten wie Ted Postol vom MIT, ohne Details zu vertiefen.

Die diplomatischen Kanäle existierten noch, würden von amerikanischer Seite aber nicht genutzt. Trump denke vor allem an sein Ego und eine Ausfahrt, die ihn nicht demütige – eine solche gebe es nicht. Die einzige Lösung des von den USA begonnenen Krieges bestehe darin, das zu akzeptieren, was in einem Memorandum of Understanding festgehalten sei, das Trump selbst als wertloses Papier bezeichnet habe.

Escobar schließt mit einem nüchternen Blick: Es gebe keine zivilisierte Lösung von einem unzivilisierten Empire. Der aktuelle Moment sei erschreckend ernst. Gleichzeitig erinnert er an die zivilisatorische Widerstandskraft Irans, die über Jahrhunderte Tragödien überstanden habe. Aus Seoul sendet er Grüße von der geteilten koreanischen Halbinsel und hält an seinem Wunsch fest: Beide Koreas sollten sich an einen Tisch setzen. Der Buddha würde das vermutlich gutheißen.

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