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Schafft Washington endlich echten Handlungsspielraum, oder drängt es den Iran zu einer letzten verzweifelten Eskalation?
Trump behauptet, der Krieg sei gewonnen – doch jetzt beginnt Washington den nächsten Krieg gegen Iran
Donald Trump hat wiederholt den Eindruck vermittelt, Iran sei militärisch geschlagen und die USA hätten den Krieg gewonnen. Doch wenn der Gegner tatsächlich besiegt ist, stellt sich eine einfache Frage: Warum muss Washington dann jetzt die „härtesten Sanktionen der Geschichte“ ankündigen?
Genau das will US-Finanzminister Scott Bessent tun. Die neue Kampagne soll Irans Wirtschaft noch stärker von internationalen Finanz- und Ölmärkten abschneiden und auch Drittstaaten unter Druck setzen, ihre Geschäfte mit Teheran einzustellen. Reuters berichtet, dass Washington damit den wirtschaftlichen Druck massiv verschärfen will.
IRAN IS UNDER MAXIMUM PRESSURE. NOW COMES THE DANGEROUS PART.
Trump’s economic campaign is tightening the screws as Washington threatens the toughest sanctions yet, while Iran’s economy and access to oil markets are under growing strain.
But pressure only works if the… pic.twitter.com/Ag5jhiWbCk
— Mario Nawfal (@MarioNawfal) August 24, 2026
Dabei beginnt dieser Wirtschaftskrieg keineswegs bei null. Iran lebt seit Jahrzehnten unter amerikanischen Sanktionen. Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben verschiedene US-Regierungen die Maßnahmen immer weiter ausgebaut. Trump selbst setzte bereits während seiner ersten Amtszeit auf „maximalen Druck“. Nun soll ausgerechnet noch mehr von derselben Medizin Teheran zum Einlenken zwingen.
Die Folgen sind längst sichtbar. Nach Reuters-Angaben sind die Angebote iranischen Rohöls für chinesische Käufer zuletzt zurückgegangen, während die Preise gestiegen sind. Die amerikanische Blockade und die bestehenden Sanktionen treffen damit einen der wichtigsten Einnahmekanäle des Landes.
Doch Washington spielt mit einem gefährlichen Widerspruch: Je stärker man Iran wirtschaftlich stranguliert, desto kleiner wird der Anreiz für Teheran, überhaupt noch Kompromisse einzugehen.
Irans Außenminister Abbas Araqchi bezeichnet die angekündigten Sanktionen bereits als Ausdruck amerikanischer „Verzweiflung“. Gleichzeitig drohen iranische Vertreter mit militärischen Konsequenzen und warnen Staaten davor, Washington bei der Durchsetzung seiner Maßnahmen zu unterstützen. Präsident Masoud Pezeshkian wiederum spricht weiterhin von einer diplomatischen Lösung.
Damit könnte Washington genau jene Kräfte in Teheran schwächen, die noch auf Verhandlungen setzen, und jene stärken, die argumentieren: Mit den USA könne man ohnehin keine dauerhafte Vereinbarung treffen.
Besonders gefährlich wird diese Strategie durch die Straße von Hormus. Vor dem Krieg liefen dort mehr als 20 Millionen Barrel Öl täglich durch; inzwischen ist der Verkehr drastisch reduziert. Iran besitzt trotz schwerer militärischer Verluste weiterhin genügend Raketen- und Drohnenkapazitäten, um den Tankerverkehr zu bedrohen.
Die wirtschaftlichen Folgen reichen deshalb längst weit über Iran hinaus. Schon Trumps Drohung mit weiteren Sanktionen gegen Länder, die Teheran unterstützen, ließ den Ölpreis deutlich steigen. Brent schloss zuletzt bei über 94 Dollar je Barrel.
Und genau darin liegt das Paradox dieser Politik: Washington will Iran wirtschaftlich treffen – riskiert dabei aber gleichzeitig höhere Energiepreise, neue Inflationsschübe und Belastungen für die eigene sowie die europäische Wirtschaft.
Und jetzt wird es besonders gefährlich: Teheran warnt inzwischen auch die Staaten der Region davor, Washington bei der Durchsetzung seiner Politik militärisch oder logistisch zu unterstützen. Irans Militärführung erklärte, jede Unterstützung des US-Militärs könne als Beteiligung an dessen Operationen gewertet werden. Damit droht der Wirtschaftskrieg auf weitere Länder überzugreifen: Je stärker Washington versucht, Verbündete in seine Sanktions- und Blockadepolitik einzubinden, desto größer wird das Risiko, dass auch deren Stützpunkte und Infrastruktur ins Visier Irans geraten
Trump kann Iran militärisch für besiegt erklären. Die Realität sieht komplizierter aus. Ein wirklich besiegter Gegner müsste nicht mit einer neuen historischen Sanktionskampagne „zum Zusammenbruch“ gebracht werden.
Was derzeit geschieht, wirkt vielmehr wie die Fortsetzung des Krieges mit wirtschaftlichen Waffen. Nachdem Bomben und militärischer Druck Teheran offenbar nicht zur gewünschten politischen Kapitulation gebracht haben, sollen nun Banken, Ölexporte, Handelspartner und internationale Zahlungsströme übernehmen.
President Trump has dismantled Iran’s military capabilities, destroyed nearly 100 percent of its military factories, and buried its nuclear program.
We are now entering the endgame. At dawn begins an economic D-Day — the single greatest financial offensive ever marshaled against…
— Treasury Secretary Scott Bessent (@SecScottBessent) August 23, 2026
Je enger Washington die Daumenschrauben anzieht, desto stärker könnte Teheran zu dem Schluss kommen, dass es nichts mehr zu verlieren hat. Reuters berichtet bereits über iranische Drohungen, im Gegenzug sämtliche Ölexporte aus dem Golf zu stoppen – mit potenziell massiven Folgen für die Weltwirtschaft.
US-Finanzminister Scott Bessent kündigt in einem Gastbeitrag für die Financial Times einen „wirtschaftlichen D-Day“ gegen Iran an: Washington wolle mit einer beispiellosen Finanzoffensive die verbliebenen wirtschaftlichen Lebensadern Teherans kappen und auch Staaten und Unternehmen unter Druck setzen, die weiterhin Geschäfte mit Iran machen.
Read my full thoughts in the @FT: https://t.co/0Vi0O3aPsP
— Treasury Secretary Scott Bessent (@SecScottBessent) August 23, 2026
Das ist der gefährlichste Punkt der amerikanischen Strategie: Maximaler Druck funktioniert nur, solange dem Gegner ein glaubwürdiger Ausweg angeboten wird. Fehlt dieser Ausweg, wird aus „maximalem Druck“ irgendwann maximale Eskalation. Und dann bezahlen den Preis nicht nur Iran oder die USA, sondern Millionen Menschen weltweit – an der Tankstelle, beim Heizen, beim Transport und schließlich bei nahezu jedem Produkt, dessen Preis von Energie abhängt.