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Kriegsvorbereitungen auf Hochtouren: Jetzt werden junge Männer zur Musterung verpflichtet – Schüler gehen auf die Straße, Videos gehen weltweit viral

Zehntausende Schüler protestieren bundesweit gegen Wehrpflicht und verpflichtende Musterungen. In Berlin kommt es zu Festnahmen. Gleichzeitig bestätigt die Bundeswehr, dass bereits fast 1.000 junge Männer gemustert wurden, obwohl sie zuvor ausdrücklich kein Interesse am Dienst angegeben hatten.

Die Bilder verbreiten sich derzeit rasant in sozialen Netzwerken: Junge Menschen ziehen durch deutsche Städte und protestieren gegen Wehrpflicht, Musterung und eine zunehmende Militarisierung. Auf Videos aus Berlin sind auch Polizeieinsätze und Festnahmen zu sehen.

Dass es tatsächlich zu Festnahmen kam, bestätigt die Berliner Polizei. Beim Protest am 25. September waren nach ihren Angaben in der Spitze rund 3.400 Menschen unterwegs. Insgesamt wurden 16 Personen vorübergehend festgenommen und anschließend wieder entlassen. Zudem nahm die Polizei elf Strafanzeigen auf. Als Gründe nennt sie unter anderem Beleidigung, Sachbeschädigung sowie das Verwenden verbotener Kennzeichen. Rund 200 Polizeikräfte waren im Einsatz.

Mehr als 45.000 Demonstranten laut Veranstaltern

Berlin war nur ein Teil einer bundesweiten Protestbewegung.

Die Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ spricht von mehr als 45.000 Teilnehmern in rund 100 Städten. Diese Zahlen werden unter anderem von Tagesschau und Deutschlandfunk unter ausdrücklichem Verweis auf die Veranstalter berichtet. Polizeiliche Gesamtzahlen für ganz Deutschland liegen dagegen nicht vor.

Auf den Demonstrationen waren Parolen wie „Euer Krieg – ohne uns“ zu hören beziehungsweise auf Plakaten zu lesen. Die Jugendlichen wenden sich vor allem gegen die verpflichtende Musterung und gegen die Möglichkeit, dass aus dem derzeit grundsätzlich freiwilligen Wehrdienst später wieder eine tatsächliche Einberufungspflicht wird.

Bundeswehr mustert bereits Männer, die ausdrücklich kein Interesse haben

Der Hintergrund der Proteste ist keineswegs hypothetisch. Die Bundeswehr bestätigt selbst, dass alle wehrpflichtigen Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008 verpflichtend gemustert werden sollen. Die dafür notwendigen regionalen Musterungszentren befinden sich derzeit im Aufbau.

Und die Musterungen haben bereits begonnen.

Seit Juli wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums fast 1.000 18-jährige Männer gemustert, obwohl sie im Fragebogen ausdrücklich angegeben hatten, kein Interesse an einer Verwendung bei der Bundeswehr zu haben.

Ab Juli 2027 soll die flächendeckende Musterung des männlichen Jahrgangs 2008 beginnen. Rund 350.000 Männer mit deutscher Staatsangehörigkeit erreichen jährlich das entsprechende Alter.

Wichtig ist allerdings die Unterscheidung: Eine verpflichtende Musterung ist noch keine verpflichtende Einberufung zum Wehrdienst. Der neue Wehrdienst ist derzeit noch grundsätzlich freiwillig. Eine darüber hinausgehende Bedarfswehrpflicht müsste politisch beziehungsweise gesetzlich aktiviert werden.

Zwischen Aufrüstung und Widerstand

Damit treffen derzeit zwei Entwicklungen unmittelbar aufeinander: Die Bundeswehr baut ihre Strukturen zur systematischen Erfassung und Musterung junger Männer wieder auf – während ein Teil genau dieser Generation öffentlich dagegen protestiert.

Die viralen Bilder aus Berlin erhalten dadurch eine politische Bedeutung, die weit über einen einzelnen Demonstrationszug hinausgeht.

Während Deutschland seine militärischen Personalreserven wieder systematisch erfasst, macht ein Teil der jungen Generation auf der Straße deutlich, dass er diesen Kurs nicht mittragen will.

Und genau deshalb dürfte die Debatte um Musterung, Wehrdienst und eine mögliche spätere Wehrpflicht gerade erst begonnen haben.

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