Larry Johnson: Warum Amerika das Kommende nicht aufhalten kann

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Der ehemalige CIA-Analyst Larry Johnson hält den Westen für Opfer seiner eigenen Illusionen. In einem aktuellen Gespräch argumentiert er, dass Washington den Iran über Jahrzehnte hinweg falsch eingeschätzt habe – und deshalb weder die politische Entwicklung des Landes noch dessen militärische Stärke verstanden habe.

Johnson widerspricht der im Westen weit verbreiteten Annahme, der Iran sei ein Staat, der ausschließlich von einer einzelnen Führungsperson abhänge. Die Vorstellung, man müsse nur den Obersten Führer ausschalten und das gesamte System würde zusammenbrechen, bezeichnet er als einen grundlegenden Irrtum. Stattdessen beschreibt er den Iran als komplexes politisches und gesellschaftliches System, das weit über einzelne Personen hinausreiche.

Hollywood statt Realität

Nach Ansicht Johnsons sei das westliche Verständnis des Iran von einem stark vereinfachten Weltbild geprägt. Politik werde wie ein Hollywood-Film betrachtet – mit einem Helden, einem Bösewicht und einer einfachen Handlung. Dadurch würden die tatsächlichen gesellschaftlichen, religiösen und politischen Strukturen des Iran ausgeblendet.

Diese Denkweise habe schwerwiegende Folgen. Wer den Gegner nicht verstehe, könne ihn auch nicht besiegen.

CIA-Insider: Die Experten kannten das Land nicht

Johnson stützt seine Kritik auf eigene Erfahrungen bei der CIA. Als Analyst für Mittelamerika sei er nach eigenen Angaben der Einzige in seiner Abteilung gewesen, der tatsächlich in der Region gelebt und die Sprache gesprochen habe. Viele Analysen seien von Personen erstellt worden, die weder Kultur noch Bevölkerung wirklich kannten. Beim Iran sei dieses Problem noch wesentlich größer gewesen.

Hinzu komme, dass häufig Exil-Iraner mit einer persönlichen politischen Agenda als Experten herangezogen worden seien. Dadurch seien Vorurteile an die Stelle objektiver Analysen getreten. Johnsons Fazit: Die amerikanische Politik habe den Iran deshalb bis heute nie wirklich verstanden.

Der Krieg formte die iranische Strategie

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Entwicklung der iranischen Militärdoktrin nach dem Iran-Irak-Krieg. Nach Darstellung des Gesprächspartners erkannte die iranische Führung damals, dass sie mit den militärischen Großmächten niemals auf Augenhöhe konkurrieren könne.

Stattdessen entschied sich Teheran für den Aufbau eigener Raketen- und Drohnenprogramme. Der heutige Oberste Führer habe diese Strategie konsequent verfolgt und gleichzeitig jede Verhandlung über das Raketenprogramm ausgeschlossen. Genau diese Entscheidung bilde heute das Rückgrat der iranischen Abschreckung.

Kooperation mit dem Westen endete im Misstrauen

Johnson behauptet zudem, der Iran habe in der Vergangenheit versucht, mit westlichen Institutionen zusammenzuarbeiten. Informationen aus internationalen Inspektionen seien jedoch genutzt worden, um iranische Wissenschaftler zu identifizieren, die später Ziel von Attentaten geworden seien. Solche Erfahrungen hätten das Misstrauen Teherans gegenüber dem Westen nachhaltig verstärkt. Diese Darstellung gibt Johnson im Interview wieder.

Gesellschaft habe sich verändert

Besonders überraschend seien für Johnson die Schilderungen seines iranischen Gesprächspartners über die Entwicklung innerhalb des Landes. Dieser berichtet, dass sich die iranische Gesellschaft in den vergangenen Jahren deutlich verändert habe. Frauen würden heute freier auftreten, die Regierung gehe mit gesellschaftlichen Fragen pragmatischer um und öffentliche Kritik am Staat sei wesentlich offener möglich, als viele westliche Beobachter annähmen. Diese Aussagen stammen aus dem Interview und spiegeln die Sicht des Gesprächspartners wider.

Eine neue Generation wird geprägt

Am Ende des Gesprächs richtet Johnson den Blick auf die Zukunft. Der jüngste Krieg werde nach seiner Einschätzung eine ganze Generation iranischer Jugendlicher nachhaltig prägen. Menschen, die heute zwischen 15 und 30 Jahre alt seien, würden in den kommenden Jahrzehnten die politische und militärische Führung übernehmen.

Seine Schlussfolgerung ist eindeutig: Der Westen habe geglaubt, den Iran schwächen zu können. Tatsächlich könnten die Ereignisse jedoch genau das Gegenteil bewirken – nämlich ein noch stärkeres nationales Zusammengehörigkeitsgefühl und eine langfristig entschlossenere Führung. Aus Johnsons Sicht wird Amerika deshalb den politischen Kurs des Iran nicht aufhalten können, weil es die gesellschaftlichen Mechanismen des Landes bis heute nicht wirklich verstanden hat.

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