Wir werden in eine Dystopie gestürzt, während wir im Paradies leben könnten

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Caitlin Johnstone

Es ist merkwürdig, was einen trifft, wenn man eine Weile dabei ist.

Was mich heute unvermittelt erwischte und mich eine Minute lang mit dem Gesicht in den Händen dasitzen ließ, war ein viral gegangener Videoclip eines kanadischen Politikers namens Bill Oliver, der vor der Legislaturversammlung von New Brunswick versehentlich den Text des KI-Chatbots vorlas, der seine Rede verfaßt hatte.

„Das öffentliche Vertrauen in das Amt eines Fürsprechers ist von Bedeutung“, sagte Oliver, während er von seinem vorbereiteten Manuskript ablas – bevor er plötzlich herausplatzte: „Hier ist eine natürlichere, flüssigere Version dieses Abschnitts, die eher wie eine parlamentarische Rede klingt als wie eine Abfolge kurzer Stichpunkte.“

Ich meine: Himmel, Mann.

Ich komme nicht darüber hinweg, daß dies die Zukunft ist, in der wir gelandet sind. Die Dinge hätten so schön sein können – und stattdessen sind wir hier.

Es ist nicht nur der ganze Krieg, die Ungerechtigkeit, der Ökozid und die Dystopie, die schmerzen. Es ist das Wissen, daß es nicht so hätte kommen müssen. Es ist das Wissen, was hätte sein können.

All diese Innovation, die darauf verwendet wird, neue Methoden der massenhaften militärischen Vernichtung zu entwickeln, unsere gesamte Gesellschaft zu überwachen und zu kontrollieren, den Informationsfluß einzuschränken und zu manipulieren, künstliche Knappheit für Produkte zu erzeugen, die die Menschen brauchen, künstliche Nachfrage für Produkte zu erzeugen, die die Menschen nicht brauchen, mit rivalisierenden Konzernen zu konkurrieren, um Milliardäre zu Billionären zu machen – nichts davon muß geschehen. Die Menschheit könnte ihre Kreativität und ihren Einfallsreichtum stattdessen einsetzen, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Wenn wir all unsere Ressourcen, unsere Zeit und unsere Energie darauf verwenden würden, zum Wohl aller zusammenzuarbeiten, anstatt um Macht und Profit zu konkurrieren, könnten wir auf der Erde ohne weiteres ein Paradies schaffen. Wenn all unsere Geisteskraft darauf ausgerichtet wäre, das Leben auf diesem Planeten zu verbessern, ohne uns um Konkurrenten zu sorgen oder mögliche Fortschritte zu übergehen, die keinen Shareholder-Wert generieren, würde unser Innovationspotential sich leicht um das Tausendfache steigern.

Wir könnten unsere Biosphäre heilen und gleichzeitig sicherstellen, daß jeder Mensch auf der Erde das hat, was er zum Leben braucht. Wir könnten Gesundheitsversorgung, Bildung und schnellen öffentlichen Nahverkehr für alle bereitstellen und dabei die Automatisierung nutzen, um menschliche Mühsal überflüssig zu machen. Wir könnten ein Leben in stetig wachsender Muße, in Staunen und Erfüllung führen, im Vertrauen auf eine bessere Zukunft für unsere Kinder und Kindeskinder.

Stattdessen bekommen wir diesen Dreck. Massenmord und Ausbeutung in einer zunehmend dystopischen Zivilisation auf einer sterbenden Welt, in der die Front wissenschaftlicher Entdeckungen beim militärisch-industriellen Komplex und beim Aufbau eines KI-gestützten technologischen Überwachungsnetzes liegt.

Alles, weil es uns noch nicht gelungen ist, uns von dem mißbräuchlichen System des Kapitalismus und seiner Ausprägung als globaler Imperialismus zu lösen. Wir werden an diesem selbstzerstörerischen Engpaß erdrosselt, den die Menschheit sich vor einigen hundert Jahren selbst geschaffen hat – und bald wird er uns das Leben herauspressen.

Und es hätte so gut sein können. Es könnte noch immer so gut sein. Wir müssen nur irgendwie einen Weg finden, die Kraft unserer Zahlen zu nutzen, um diese unterdrückenden Ketten abzuwerfen und die Welt zu bauen, die gebaut werden muß. Denn das gegenwärtige System funktioniert offensichtlich nicht.

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