Geldanlage: Aktien, ETFs, Fonds: Diese Begriffe müssen Sie kennen

Wer spätestens mit dem neuen Altersvorsorgedepot in Aktien, ETFs oder Fonds investieren will, sollte wichtige Begriffe kennen. Auf welche man achten muss, um die richtige Auswahl zu treffen

Wer spätestens mit dem neuen Altersvorsorgedepot in Aktien, ETFs oder Fonds investieren will, sollte wichtige Begriffe kennen. Auf welche man achten muss, um die richtige Auswahl zu treffen

Erträge aus Kapitalmarktanlagen sollen künftig eine wichtige Rolle für die Menschen in Deutschland spielen. Das ist das Ziel des neuen Altersvorsorgedepots, das der Bundestag Ende März beschlossen hat. Die Idee: Wer für die Altersvorsorge über ETFs und Fonds in Aktien, Anleihen oder auch Rohstoffe investiert, bekommt vom Staat einen Zuschuss. 

Bisher investieren erst rund 14 Millionen Menschen hierzulande Geld am Kapitalmarkt, vor allem Jüngere haben das Portfolio für sich entdeckt. Wer nun neu einsteigen will, könnte sich aber von den vielen Zahlen und Informationen erschlagen fühlen, die rund um so einen Aktienkurs oder um Fondspreise stehen. KGV, KUV, TER, ROE – und WTF? 

Die Welt der Kapitalmarktanalysen scheint kompliziert zu sein – doch hinter den meisten Abkürzungen verstecken sich ganz einfache Kennzahlen. Capital erklärt die wichtigsten. 

Die Welt der Aktien: KGV, KBV und Co. 

Die wahrscheinlich wichtigste Kennzahl bei Aktien ist das „Kurs-Gewinn-Verhältnis“ (KGV). Es gibt an, wie lange es theoretisch dauert, bis der aufsummierte und abdiskontierte Gewinn je Aktie den Kurs beim Kauf übersteigt. Der Gewinn je Aktie (eps, earnings per share) entspricht dem Gewinn des Unternehmens, geteilt durch die Zahl der ausgegebenen Aktien. Der abdiskontierte Gewinn bezieht die erwartete Inflation ein und ermittelt den Gegenwartswert künftiger Erträge. Zur Berechnung des KGV wird der Aktienkurs durch den Gewinn pro Aktie geteilt.  

Vereinfacht gesagt: Kauft man eine Aktie für 100 Euro und macht das Unternehmen pro Aktie fünf Euro Gewinn, beträgt das KGV 20 – man müsste die Aktie also 20 Jahre halten, um den aktuellen Aktienkurs zu erwirtschaften. Vorausgesetzt, das Unternehmen fährt konstante Gewinne ein. Erwirtschaftet ein Unternehmen noch keinen Gewinn – so wie es bei Startups häufig ist – lässt sich die Rechnung auch mit dem Umsatz machen. Das wäre dann das „Kurs-Umsatz-Verhältnis“ (KUV). 

Ein niedriges KGV deutet darauf hin, dass eine Aktie gerade günstig bewertet wird und sich der Einstieg lohnen könnte. Wichtig ist hier allerdings, das Papier im Branchenvergleich zu sehen. So sind Tech-Werte zum Beispiel meist teurer als Rüstungswerte – legen aber vielleicht eine volatilere Performance hin. 

Um die Aktie besser einschätzen zu können, gibt es noch eine ganze Reihe an Kennzahlen, mit denen der Aktienkurs ins Verhältnis gesetzt wird. Ein Beispiel ist das „Kurs-Buchwert-Verhältnis“ (KBV). Die Berechnung funktioniert analog zum KGV, allerdings im Nenner mit dem Buchwert (Eigenkapital) des Unternehmens, geteilt wieder durch die Zahl der Aktien.  

Ein KBV über 1 bedeutet, dass das Unternehmen höher bewertet wird als sein bilanzielles Eigenkapital. Das kann ein gutes Zeichen sein, weil das Unternehmen kräftig wächst. Es kann aber auch ein Zeichen für eine Überbewertung sein. Ein KBV von unter 1 kann ein Hinweis sein, dass der Aktie nicht mehr viel zugetraut wird – oder aber, dass sie günstig zu haben ist. 

So viel also zu den grundsätzlichen Eigenschaften der Aktie. Aber wie sieht es mit dem aus, worum es geht – dem Gewinn? Der Blick geht vermutlich zuerst auf das „Gewinnwachstum“. Das bezeichnet den prozentualen Zuwachs des Gewinns je Aktie. Teilt man nun das KGV durch das Gewinnwachstum, lässt sich eine weitere Bewertung zu einer Aktie erstellen: das PEG-Ratio. Ein PEG-Ratio unter eins kann bedeuten, dass die Aktie relativ zum Wachstum unterbewertet ist – also günstig ist, aber Potenzial bietet. 

Hinzu kommen noch die Eigenkapitalrendite und die Dividendenrendite. Die Eigenkapitalrendite misst den Jahresüberschuss im Verhältnis zum Eigenkapital des Unternehmens, also die Rentabilität. Liegt sie hoch und stabil, ist das ein gutes Signal für die Qualität des Unternehmens. Die Dividendenrendite bezeichnet die Dividende einer Aktie im Verhältnis zum Aktienkurs mal 100 – also wie gut das Geld in einer Aktie „verzinst“ ist. Aber Vorsicht: Eine hohe Dividendenrendite muss kein gutes Zeichen sein – sie sollte auch durch den Free Cashflow des Unternehmens gedeckt sein.  

Der Free Cashflow ist das Geld, das Unternehmen übrig haben, wenn alle betriebsnotwendigen Ausgaben und Investitionen abgezogen sind. Das sind zum Beispiel Abschreibungen oder Rückstellungen. Ein hoher Free Cashflow ist ein Zeichen für die Rentabilität eines Unternehmens – aus ihm werden meist die Dividenden bezahlt. Zahlt ein Unternehmen Dividenden, die nicht durch den Cashflow gedeckt sind, geht es quasi an die Substanz – und kann das oft nicht lange durchhalten. 

Anleihen: Duration und Restlaufzeit 

Zur guten Portfoliomischung gehören aber nicht nur Aktien. Für die nötige Sicherheit können zum Beispiel Staatsanleihen sorgen. Hier sind zwei Begriffe wichtig: Duration und Restlaufzeit. 

Die Restlaufzeit bezeichnet einfach die Dauer, bis zu der die Anleihe zurückgezahlt wird. Wer sich heute eine zehnjährige Staatsanleihe kauft, hat also eine Restlaufzeit von zehn Jahren, in denen er regelmäßige Zinszahlungen erhält. 

Die Duration wird zwar auch in Jahren angegeben, beschreibt aber eigentlich das Kursrisiko einer Anleihe. Sie berechnet sich anhand der Zinsen (Kupons), die schon vor Ende der Laufzeit regelmäßig ausgezahlt werden. Vereinfacht gesagt zeigt die Duration, wie lange es im Schnitt dauert, bis das Kapital über die Zinsen wieder an den Anleger zurückgeflossen ist. Eine höhere Duration bedeutet also geringere Zinsen. Meistens ist die Duration kürzer als die Restlaufzeit.

Indirekt gibt die Duration aber auch Auskunft darüber, wie sensibel die Anleihe auf Zinsänderungen reagiert. Änderungen bei den Zinsen haben in der Regel den gegenteiligen Effekt auf den Kurs der Anleihe: Wenn die Marktzinsen steigen, fällt der Kurs der Anleihe. Die Duration zeigt, um wie viel Prozent der Kurs einer Anleihe fällt, wenn die Zinsen um ein Prozent steigen. 

ETFs und Fonds: Viele Werte, viel Verwirrung? 

Über Publikumsfonds und ETFs lassen sich in verschiedenste Assets investieren – etwa in Aktien und Anleihen, aber auch in Rohstoffe wie Edelmetalle oder Seltene Erden. Dabei unterscheiden sich die „Exchange Traded Funds“ (ETFs) und die Publikumsfonds dadurch, dass ETFs an der Börse gehandelt werden.  

Viele ETFs sind passiv und bilden einen Index ab. Bekannt sind etwa ETFs auf den deutschen Leitindex DAX, den Industrieländerindex MSCI World oder den All Country World Index (ACWI), in dem auch Schwellenländer enthalten sind. Der MSCI World deckt etwas mehr als 1300 Aktien ab. 

Wer über einen passiven Index-ETF investiert, hat die Vorteile, dass er in der Regel relativ günstig und relativ breit gestreut anlegt. Allerdings folgt der ETF eben dem Index – höhere Gewinne sind also nicht möglich. Den Markt zu schlagen, ist zwar schwer, aber manchmal gelingt es doch – etwa über aktive Publikumsfonds. Anders als ETFs sind sie nicht an der Börse notiert, richten sie sich aber dennoch an Privatanleger. Professionelle Fondsmanager wählen aus, in welche Werte der Fonds investiert und überprüfen den Mix regelmäßig. Damit lassen sich höhere Gewinne erzielen, aber die Gebühren sind meist höher. 

Die erste wichtige Kennzahl für ETFs und Fonds ist das Volumen – also wie viel Geld steckt im Fonds? Je mehr, desto besser ist der Fonds wirtschaftlich gesichert und desto geringer ist das Risiko, dass er geschlossen werden muss. Außerdem sollten Anleger darauf achten, wie der ETF/Fonds die Erträge verwendet: Legt er sie automatisch wieder an (thesaurierend) oder schüttet er sie direkt wieder aus? 

Ist das erstmal geklärt, kann man sich den Zahlen widmen. Hier sind in erster Linie die Kosten entscheidend, die das Fondsvermögen hat. Bei ETFs und Fonds fallen diese oft in Form von Verwaltungsgebühren, Depotbankkosten, Vertriebskosten oder Lizenzgebühren an. Sie werden meist in der jährlichen Gesamtkostenquote, der „Total Expense Ratio“ (TER) abgebildet.  

Hier sollte man auch auf den Nettoinventarwert, oder Net Asset Value schauen. Dieser Wert rechnet alle Vermögensgegenstände in einem Fonds zusammen, zieht davon alle Verbindlichkeiten ab und teilt sie durch die Anzahl der Fondsanteile. Damit sollen Anleger transparent nachvollziehen können, wie viel das Fondsvermögen tatsächlich wert ist. So lässt sich bei offenen Publikumsfonds in der Regel der Marktpreis berechnen. 

Wenn es an die Kursentwicklung geht, ist die „Tracking Difference“ wichtig. Sie bildet ab, wie sich der Wert des ETF im Vergleich zum zugrunde liegenden Index entwickelt. Diese Differenz zeigt die tatsächlichen Gesamtkosten manchmal besser als die TER. Idealerweise liegt der Wert nahe null oder ist positiv – das bedeutet, dass sich der ETF besser als der Index entwickelt. Der „Tracking Error“ zeigt an, wie stabil der ETF dem Index folgt. Je niedriger, desto näher ist der ETF-Kurs am tatsächlichen Index. 

Hier kommen auch wichtige Risikokennzahlen ins Spiel. Die Idee hinter ETFs und Fonds ist, bei der Anlage ein deutlich geringeres Risiko einzugehen als bei Investments in Einzelaktien oder -anleihen. Deshalb ist es wichtig, die Schwankung der ETFs in den Blick zu nehmen. Die einfachste Kennzahl hier ist die Volatilität. Sie gibt an, wie weit die Renditen im Schnitt vom Kurs abweichen. Anhand dieser Kennzahl lässt sich die „Sharpe Ratio“ berechnen. Sie vergleicht die Rendite mit einem risikolosen Zins. Dieser theoretische Wert soll die Rendite einer Anleihe ohne Ausfallrisiko simulieren – zum Beispiel einer sehr stabilen Staatsanleihe. Diese Differenz wird ins Verhältnis zur Volatilität gesetzt. Werte über eins bedeuten, dass die Anlage risikobereinigt gut performt, Werte unter null bedeuten, dass sie schlechter als ein risikoloser Zins läuft.   

Wichtig ist vor allem: Ein Indikator alleine reicht nicht für eine fundierte Analyse. Die ist aber auch kein Hexenwerk – zumindest, wenn man eine grobe Vorstellung der wichtigsten Kennzahlen hat. 

Transparenzhinweis: Dieser Text stammt aus dem Archiv und erschien erstmals im April 2026. Er wurde aktualisiert.

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