Die Finanzdienstleister hoffen ab Januar 2027 auf einen Boom der privaten Geldanlage – wegen des Altersvorsorgedepots. Auch Liqid-Chef Christian-Schneider Sickert, der allerdings Fallstricke sieht
Es könnte eines der folgenreichsten Vorhaben der aktuellen Bundesregierung werden: Ab Januar 2027 können die Deutschen über ein Altersvorsorgedepot in den Kapitalmarkt investieren. Mit üppiger Förderung vom Staat und unter sehr günstigen steuerlichen Bedingungen. Es ist nach den Riesterverträgen ein weiterer Versuch, die Menschen von der privaten Altersvorsorge zu überzeugen, dieses Mal allerdings mit größeren Aussichten auf Erfolg.
Nun hofft die Geldanlagebranche auf einen Kundenansturm – auch Christian Schneider-Sickert vom digitalen Vermögensverwalter Liqid. „Das hat große gesellschaftliche Signalwirkung“, sagt Schneider-Sickert im Capital Wirtschaftspodcast.
Der Gründer und Chef des Finanzdienstleisters glaubt, dass vor allem ein Denkfehler die Riesterverträge belastet hat: „Es ist daran gescheitert, dass der Staat versucht hat, mit Garantierenditen die Kehrseite des Kapitalmarkts aus dem Weg zu räumen“, sagt er. Das aber habe Geld und Rendite gekostet und das System kompliziert gemacht.
Goldene Regeln für den Einstieg ins Altersvorsorgedepot
Dieses Problem gibt es beim Altersvorsorgedepot nicht mehr: Es dürfen auch Anlagelösungen angeboten werden, die den Schwankungen des Marktes ausgesetzt sind – also mehr Verluste, aber auch mehr Gewinne einfahren können. „Ich hoffe, der Run wird so groß, wie die Finanzindustrie es annimmt“, sagt Schneider-Sickert.
Im Podcast nennt er eine Reihe goldener Regeln für den Einstieg in das Depot: nicht sofort abschließen, den Markt sondieren und nicht auf Lock-Angebote hereinfallen. „Augen auf bei allen, die Dir versprechen, dass man die natürlichen Schwankungen am Kapitalmarkt irgendwie ausschalten könnte“, sagt Schneider-Sickert.
Hören Sie in der neuen Folge von „Capital – der Wirtschaftspodcast“
- Welche Risiken bei der Auswahl des Depots drohen
- Welche Möglichkeiten es gibt, in den deutschen Mittelstand zu investieren
- Warum der Liqid-Chef von Riesterverträgen nichts hält
