Kolumne: Apples Masterplan hinter dem neuen Falt-iPhone

Ein faltbares iPhone für 2299 Euro? Das klingt zunächst nach einem Spielzeug für Apple-Fans. Tatsächlich verrät das neue Duo, wie der Konzern unser digitales Leben künftig beherrschen will

Ein faltbares iPhone für 2299 Euro? Das klingt zunächst nach einem Spielzeug für Apple-Fans. Tatsächlich verrät das neue Duo, wie der Konzern unser digitales Leben künftig beherrschen will

Der Schlüsselsatz bei der großen Apple-Show im kalifornischen Cupertino fiel vergangene Woche fast beiläufig. Eigentlich ging es um das neue faltbare Gerät namens Duo. Doch Konzernchef John Ternus, gerade erst seit einer Woche als Nachfolger von Tim Cook im Amt, brachte die eigentliche Botschaft auf einen klaren Begriff: Das iPhone solle künftig immer mehr zum „intelligenten persönlichen Hub“ im Leben seiner Besitzer werden.

In den vergangenen Jahren ist Apple bereits ein gewaltiges Stück vorangekommen auf dem Weg zur „Schaltzentrale des digitalen Lebens“, wie es das Handelsblatt nennt. Wir nutzen das iPhone längst nicht mehr nur für Telefonate, E-Mails, Internet und Fotos. Gemeinsam mit der Apple Watch liefert es Daten für den täglichen Gesundheitscheck. Mit dem iPhone steuern wir zentrale Funktionen unserer Autos, etwa die Navigation. Immer mehr Bankkunden überweisen ihr Geld nicht mehr am Computer, sondern per App. Und an der Supermarktkasse zahlen sie immer häufiger mit Apple Pay statt mit Bargeld oder Karte. Ein Doppelklick und die Gesichtserkennung genügen.

Apple will mehr als ein faltbares iPhone verkaufen

Das neue Duo erweitert die Möglichkeiten, mit einem einzigen Gerät wichtige persönliche und sogar viele berufliche Aufgaben zu erledigen. Dafür sorgt allein der geteilte Bildschirm, auf dem mehrere Anwendungen parallel laufen können. Echtes Multitasking ermöglicht vieles, was mit dem bisherigen iPhone gar nicht oder nur mühsam zu erledigen war.

Weder das faltbare Smartphone noch viele der neuen Funktionen gehören allerdings Apple allein. Mit dem Duo hinkt der Konzern Konkurrenten wie Samsung zeitlich sogar ein gutes Stück hinterher. Ob der exorbitante Preis von 2299 Euro für das günstigste faltbare Apple-Gerät gerechtfertigt ist, kann erst ein längerer Praxistest zeigen. Eines aber hat Apple in der Vergangenheit immer wieder bewiesen: Kaum ein anderer Anbieter schafft es so gut, Hardware, Software und Dienste zu einem nahtlosen System zu verbinden.

Die eigentliche Herausforderung heißt KI

Der nächste große, wahrscheinlich sogar entscheidende Schritt zum „intelligenten persönlichen Hub“ steht allerdings bei allen Smartphone-Herstellern noch aus: die tiefe und zugleich leicht nutzbare Integration Künstlicher Intelligenz. Apps, die lediglich eine Verbindung zu den Servern von ChatGPT oder Anthropic herstellen, reichen dafür nicht aus.

Apple geht deshalb einen anderen Weg – zum Beispiel mit einem neuen Chip, der über eine eigene Recheneinheit für KI-Anwendungen verfügt. Ob allerdings die Aufrüstung der Sprachsteuerung Siri der richtige Weg ist, daran zweifeln viele. Neue KI-Komponenten auf ein altes System draufzusatteln, halten Experten auf lange Sicht für wenig erfolgversprechend.

Kein Hersteller kann sich auf seinen alten Lorbeeren ausruhen – das ist eine zentrale Lehre des KI-Zeitalters. Und sie gilt auch für Apple. John Ternus ist erst der dritte CEO seit 1997 und tritt in die Fußstapfen des legendären Firmengründers Steve Jobs und Tim Cooks, der 15 Jahre an der Konzernspitze stand. Größer könnte die Herausforderung kaum sein.

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