Kolumne: BASF schrumpft sich endlich gesund

Der Chemiekonzern BASF bekommt die Probleme im Stammwerk Ludwigshafen langsam, aber sich in den Griff. Ein Meilenstein für das ganze Unternehmen?

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Der Chemiekonzern BASF bekommt die Probleme im Stammwerk Ludwigshafen langsam, aber sich in den Griff. Ein Meilenstein für das ganze Unternehmen?

BASF-Chef Markus Kamieth räumt endlich mit dem Hindernis auf, an dem mehrere seiner Vorgänger gescheitert sind: das alte Stammwerk Ludwigshafen in die neue Zeit zu führen. Der Verbundstandort, der ganze Stolz des Chemiekonzerns über viele Jahrzehnte hinweg, schrumpft sich seit dem Amtsantritt des Chemikers gesund. In der Riesenanlage am Rhein fällt die Zahl der Jobs unter 30.000 – so wenige wie zuletzt 1954.

Gleichzeitig gelten nur noch 12 Prozent aller Produktionsanlagen im Stammwerk als gefährdet im Wettbewerb, wie der Konzern in der letzten Woche meldete. Vor zwei Jahren, als Kamieth mit dem Aufräumarbeiten begann, waren es noch 24 Prozent.

Noch ist Europas größter Chemiekonzern nicht über den Berg. Die Reorganisation geht weiter. BASF hat sich von vielen Bereichen getrennt und der Ausverkauf geht weiter. Und im nächsten Jahr soll die Agrarsparte mit ihrem 10 Milliarden Euro eigenständig an die Börse – ein wichtiger Schritt, um BASF in die Zukunft zu führen. Doch die Beseitigung des Verlustgeschäfts in Ludwigshafen bleibt die Grundlage für alles. Deshalb kann man die neusten positiven Zahlen aus dem Stammwerk gar nicht hoch genug einschätzen.

Operativ zeigt der Chemiekonzern nach wie vor ein gemischtes Bild: Im letzten Quartal profitierte BASF in fast allen Kernsparten von höheren Umsätzen und höheren Preisen gleichzeitig. Aber für das Gesamtjahr bleibt das Unternehmen sehr vorsichtig. Der freie Cashflow bleibt nach der neusten Prognose des Konzerns auf einem unverändert niedrigen Niveau von 1,5 bis 2,5 Mrd. Euro.

Der Kurs der Aktie spiegelt die Unsicherheit wider: Im letzten Jahr stiegen die Papiere um ein Viertel, sie liegen aber immer noch weit unter dem Wert von vor fünf Jahren und erst recht unter den damals doppelt so hohen Kursen von vor zehn Jahren. 

Das Schicksal von BASF entscheidet sich in China

Neben der weiteren Gesundung im Werk Ludwigshafen entscheidet die weitere Entwicklung des neuen Verbundstandorts in Südchina, die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Konzerns, über das Wohl und Wehe des Konzerns. Im letzten Quartal wuchsen die Verkaufsmengen in  der Volksrepublik um fast ein Viertel  und die Preise um zehn Prozent.

Doch BASF verbuchte auch deutliche höhere Kosten für Rohstoffe und Energie durch die Lage im Nahen Osten. Auf mittlere Sicht bleibt das Risiko hoch, ob der Konzern die große Investition in China amortisieren kann oder chinesische Konkurrenten das Geschäft machen. Falls die Pläne aufgehen, könnte der Konzern zu alter Kraft zurückfinden. Falls nicht, muss man sich auf sehr große Verwerfungen vorbereiten. 

Mit dem Abschluss der wesentlichen Bauarbeiten im Werk Zhanjiang wächst auf jeden Fall der finanzielle Spielraum des Konzerns. Die Capex-Ausgaben sinken um 20 Prozent. Gleichzeitig baut der Konzern die Verschuldung ab – in Zeiten hoher Zinsen ein wesentlicher Schritt zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit.

Auch die Aktionäre sollen profitieren durch eine Milliarde Euro an Aktienrückkäufen und wahrscheinlich auch durch eine höhere Dividende. Nach einer langen Durststrecke geht es aufwärts – wenn der jetzige Trend anhält.

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