Übernahmekampf: Unicredit bereitet die Machübernahme bei der Commerzbank vor

Die italienische Unicredit steht kurz davor, die Kontrolle bei der Commerzbank zu übernehmen – womöglich schon im vierten Quartal. Vorher muss die EZB dem Vollzug noch zustimmen

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Die italienische Unicredit steht kurz davor, die Kontrolle bei der Commerzbank zu übernehmen – womöglich schon im vierten Quartal. Vorher muss die EZB dem Vollzug noch zustimmen

Die italienische Großbank Unicredit stellt sich auf eine baldige Kontrollübernahme bei der Frankfurter Commerzbank ein. Die Genehmigungen der Aufsicht für das vor wenigen Wochen abgelaufene Übernahmeangebot könnten bereits im vierten Quartal erfolgen, teilte die Unicredit in einer Präsentation zu ihren Halbjahreszahlen in Mailand mit. „Die Commerzbank entwickelt sich von einer attraktiven Finanzbeteiligung zu einer strategischen Transaktion mit substanziellem industriellen Wert durch die Umsetzung unserer bewährten Blaupause“, heißt es in der Präsentation.

Die EZB muss allerdings dem Vollzug noch zustimmen. Die Italiener wollen dann versuchen, die Kontrolle über die Commerzbank durchzusetzen und ihre Strategiepläne „kurz danach“ zu verwirklichen. Um dies zu erreichen, werde sie – falls nötig – eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen.

Orcel hatte seine strategischen Pläne im April vorgestellt. Er will der Commerzbank das eigene Geschäftsmodell überstülpen. Das war sowohl beim Vorstand als auch beim Betriebsrat des Frankfurter Geldhauses, auf erbitterten Widerstand gestoßen und zog auch Kritik der Bundesregierung auf sich. Trotzdem sicherten sich die Italiener mit einem Tauschangebot fast die Hälfte der Commerzbank-Anteile.

Bundesregierung will nicht über Commerzbank-Übernahme verhandeln

Die Unicredit hatte mit einem freiwilligen Übernahmeangebot bis Anfang Juli weitere rund 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere an Land gezogen. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die die Unicredit schon zuvor hielt, steigt der Anteil damit rechnerisch auf 44,37 Prozent. Zudem haben die Italiener über Kaufoptionen Zugriff auf weitere 3,22 Prozent der Commerzbank-Aktien und könnten so auf 47,59 Prozent aufstocken. Dem muss aber noch die Europäische Zentralbank als Aufsichtsbehörde zustimmen.

Unicredit erklärte, man wolle sich konstruktiv mit der Bundesregierung, den Arbeitnehmervertretern und der Führung der polnischen Commerzbank-Tochter mBank ins Benehmen setzen. Die Bundesregierung zeigte jedoch keine Bereitschaft zu Verhandlungen mit der Unicredit. „Es ist jetzt Sache der beiden Banken, miteinander zu sprechen“, sagte ein Sprecher des SPD-geführten Finanzministeriums am Donnerstag. „Es ist aber auch klar, dass wir aggressives Vorgehen der Unicredit weiter ablehnen und weiterhin im Sinne des deutschen Mittelstands, des Finanzstandorts Frankfurt und der Beschäftigten handeln.“

Auch die Arbeitnehmervertreter schlugen das Gesprächsangebot Orcels aus. „Wenn wir Betriebsräte hier als Verhandlungspartner genannt werden, liegt die Unicredit leider falsch“, sagte Commerzbank-Betriebsratschef Sascha Uebel der Nachrichtenagentur Reuters. „Nach Gesellschaftsrecht entscheidet das Management, was in einer Firma passiert. Gespräche mit dem Konzernbetriebsrat führen immer über das zuständige Management. Ich bitte höflich darum, das zu respektieren.“

Uncredit hebt Gewinnziele an

Die Auswirkungen einer Commerzbank-Übernahme auf die Bilanz von Unicredit würden offenbar geringer ausfallen als gedacht. Die Mailänder Großbank rechne für diesen Fall mit einer harten Kernkapitalquote von rund 13 Prozent, zwei Prozentpunkte weniger als ohne die Commerzbank. Bisher hatte Orcel von einem Negativ-Effekt von rund 2,8 Prozentpunkten gesprochen, wenn Unicredit auch für die Risiken der Commerzbank vorsorgen müsse. Nun hat die Bank aber einen 4,75 Mrd. Euro schweren Aktienrückkauf gekippt. Die Übernahme werde schon in diesem und den beiden folgenden Jahren zu einem zweistelligen Gewinnwachstum führen.

Zugleich schraubte die Unicredit ihre Gewinnziele noch etwas weiter nach oben. Im laufenden Jahr soll der Überschuss auf „deutlich“ mehr als 11 Mrd. Euro steigen, teilte das Geldhaus weiter mit. Bisher war von „mindestens“ 11 Mrd. Euro die Rede gewesen. Im Jahr 2028 sollen es nun „deutlich“ über 13 Milliarden und im Jahr 2030 „deutlich“ über 15 Mrd. Euro sein. Dabei seien die Ergebnisse der Commerzbank noch nicht zu hundert Prozent eingerechnet. Im zweiten Quartal verdiente die Unicredit mit gut 2,9 Mrd. Euro zwar rund zehn Prozent weniger als ein Jahr zuvor, aber mehr als von Analysten im Schnitt erwartet.

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