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Kolumne: Die Börsenwelt spielt verrückt – aber nicht alle profitieren

Die Börsenparty läuft auf Hochtouren und bringt Gewinner hervor, mit denen niemand gerechnet hat. Wer diese Aktien nicht besitzt, muss den Partyzug an sich vorbeiziehen lassen

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Die Börsenparty läuft auf Hochtouren und bringt Gewinner hervor, mit denen niemand gerechnet hat. Wer diese Aktien nicht besitzt, muss den Partyzug an sich vorbeiziehen lassen

Manchmal reicht ein Satz, um Millionäre zu machen. Nvidia-Boss Jenson Huang sagte Anfang Juni, dass Marvell der nächste große Player im KI-Geschäft sein könnte. „Das Resultat war nicht nur ein Kurssprung von mehr als 30 Prozent, sondern eine immense Aufmerksamkeit aktiver Anleger“, sagt Thomas Soltau von Smartbroker. 

Die Börse München wiederum speist ihre Datenbank in enger Taktung neu, da Aktien wie Sandisk vor wenigen Monaten noch keiner kannte und schon gar niemand handelte, sie führt mittlerweile aber die Top-Listen der vergangenen zwölf Monate an. 

1000 Prozent Kursplus reichen nicht, um an der Nasdaq ganz vorn zu stehen. Da muss es schon mehr sein. Für den Dax jedoch würde eine Geschichte wie jene von Texas Instruments schon reichen. Mancher kennt den Konzern noch von seinen Taschenrechnern. KI hat TI so stark angeschoben – nach Marktkapitalisierung wäre die Aktie die Nummer eins im Dax. Noch vor Siemens. 

Eine verrückte Geschichte schreibt auch Südkorea. In Seoul stehen neue Kunden bei Ferrari-Händlern Schlange. Boni im Hunderttausender-Bereich stehen für den Wahnsinn im Chip-Sektor. An der Börse lässt sich mit Hebelpapieren auf Dax, Nasdaq oder S&P 500 spekulieren. Entsprechend sind 2026 mit Hebel 5 bis 10 bei Nasdaq und S&P 500 auch ein Verdoppler drin. Ohne Hebel hat sich allerdings der Kospi-Index in Südkorea mit Samsung als Zugpferd verdoppelt. 106 Prozent. Seit Jahresbeginn. Für den Index eines ernstzunehmenden Industrielandes ist das nichts anderes als komplett verrückt. Der Chip-Power-Index des Emittenten Morgan Stanley (Kennnummer SL0FTE) hat allein seit Ende März um 80 Prozent zugelegt. ASML, Infineon, AMD oder Intel sind nur einige der enthaltenen Titel. 

Die Party wird selektiver

Trotzdem findet die Party nicht überall statt. Wer derzeit auf sein Depot blickt, könnte sich verwundert die Augen reiben. Die Nasdaq markiert Rekorde, viele US-Indizes notieren nahe ihrer Höchststände – und trotzdem haben zahlreiche Anleger das Gefühl, mit ihrem Portfolio nicht mehr Schritt zu halten. Das ist kein Einzelfall. Der Grund liegt häufig nicht in schlechten Anlageentscheidungen, sondern in der Zusammensetzung der Märkte. Die Kursentwicklung wird derzeit von vergleichsweise wenigen Aktien dominiert. Wer diese Werte nicht oder nur teilweise besitzt, bleibt schnell hinter den großen Indizes zurück.

„Die Aktie von Sandisk hat eben in den vergangenen zwölf Monaten eine außergewöhnliche Entwicklung hingelegt. Dahinter folgen Titel wie Western Digital, Seagate, Intel oder AMD mit teils ebenfalls beeindruckenden Kursgewinnen“, so die Experten von Lynx-Broker. „Samsung in Südkorea hat 400 Prozent Kursplus seit zwölf Monaten auf der Uhr stehen – bei Micron sind es 4000 Prozent“, sagt Thomas Soltau und verweist darauf, dass die Aktien zu den beliebtesten bei aktiven Tradern gehören. Anleger, die einige dieser Werte im Depot haben, profitieren erheblich. Wer dagegen auf andere Technologietitel gesetzt hat, erlebt eine deutlich andere Realität.

Denn längst nicht jede bekannte Aktie läuft gut. „Microsoft und Meta gehören zwar weiterhin zu den Schwergewichten des Marktes, konnten auf Jahressicht zuletzt aber nicht mehr mit den Spitzenreitern mithalten“, so Lars Reichel von der Börse München. Auch Paypal oder Adobe belasten viele Depots noch immer. Beide Werte arbeiten zwar an einer Stabilisierung, die Kursentwicklung der vergangenen Monate bleibt jedoch desaströs. Das erklärt, warum viele Anleger trotz grundsätzlich solider Portfolios hinter der Entwicklung der Nasdaq zurückbleiben. 

Auch in Deutschland zeigt sich dieser Effekt. Viele Anleger sprechen über den Dax, tatsächlich entscheidet aber die Gewichtung einzelner Unternehmen über die Entwicklung des Index. Die Datenbank von CMC Markets spuckt aus, dass Infineon sich in den vergangenen zwölf Monaten zu einem der wichtigsten Kurstreiber entwickelt und beim Broker weitaus beliebter ist als früher. Dahinter folgen unter anderem Siemens Energy, Commerzbank oder RWE. Gleichzeitig bleiben andere bekannte Namen hinter den Erwartungen zurück. SAP, Beiersdorf oder auch Rheinmetall haben zuletzt nicht die Rolle gespielt, die viele Anleger möglicherweise erwartet hätten. 

Wer die Gewinner nicht besitzt, spürt das unmittelbar im eigenen Depot. Deshalb lohnt sich ein nüchterner Blick auf die eigene Performance. Nicht jedes Portfolio muss die Nasdaq schlagen. Oft erklärt sich die Differenz schlicht dadurch, dass die größten Gewinner eines Börsenjahres nicht enthalten sind.

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