Johannes Kliesch verdiente seine erste Million mit dem Verkauf von Socken. Sein eigenes Produkt findet der Gründer nicht besonders aufregend. Etwas anderes sei für den Erfolg dafür umso wichtiger.
Herr Kliesch, warum verkaufen Sie Socken?
JOHANNES KLIESCH: Ich selbst bin riesengroßer Sneakerfan und war der Überzeugung, dass es noch keine wirklich guten Socken gibt.
Wann kam Ihnen die Geschäftsidee?
Ich war richtig genervt von meinem Job.Ich hatte ein duales Studium gemacht und bei einer Bank gearbeitet. Jeden Tag im Anzug – das war nichts für mich. Und dann habe ich mein Glück selbst in die Hand genommen. Ich habe zunächst verschiedene Sachen ausprobiert, zum Beispiel mit Aktien gehandelt. Schließlich habe ich Socken im Internet verkauft.
Socken sind nicht besonders aufregend. Wie kann man damit trotzdem erfolgreich werden?
Es ist einfacher, als man denkt. Das Produkt ist nicht so wichtig wie die Frage: Wie schaffe ich es, Aufmerksamkeit zu erregen, um etwas zu verkaufen? Man braucht nicht die geilste Idee zu haben, nicht das innovativste Produkt. Das ist es bei uns ja auch nicht. Aber du musst innovativ und gut im Verkaufen sein.
Erinnern Sie sich daran, als die erste Million auf dem Konto war?
Ja, definitiv. Es muss Anfang 2018 gewesen sein, als wir zum ersten Mal 1 Mio. Euro Cash auf dem Konto hatten. Wir haben dann unseren Bankberater angerufen und gefragt, ob wir die Million in 5-Euro-Scheinen haben und in einem Tresor damit rumschmeißen können. Das hat leider nicht geklappt.
Klingt nach einer Donald-Duck-Geschichte. Und was hat es wirklich für Sie verändert?
Dass wir die Million erreicht haben, ist jetzt vier Jahre her, aber ich kann mich noch erinnern, als wäre es gestern gewesen. Dieser Symbolcharakter ist extrem wichtig für die eigene Motivation. Gerade Gründern würde ich empfehlen, den Spaß an der Sache ernst zu nehmen. Dadurch ergibt sich eine gewisse Leichtigkeit.
Kamen auch mal Zweifel am Geschäftsmodell auf?
Ende 2018 gab es mal so einen Moment. Wir wollten mit Amazon zusammen in den USA richtig groß auftischen, hatten unter anderem ein Werbevideo gedreht. Wir dachten, das wird groß und haben einfach viel zu viel Ware bestellt. Danach war auch die Million nicht mehr auf dem Konto. Das hat uns sehr, sehr große Sorgen gemacht und viele schlaflose Nächte beschert. Da hatten wir uns komplett übernommen.
Was bedeutet das für den Socken-Verkauf?
Bis zu diesem Durchbruch lief unser Geschäft nur online. Die Socken haben wir damals über Amazon verkauft und so bloß Zahlen auf unseren Computern gesehen. Deswegen wollten wir auch die fünf Euro Scheine – um endlich mal etwas in der Hand zu haben. 2020 wurden wir von Amazon als Verkäufer des Jahres ausgezeichnet. Als uns der Deutschlandchef anrief, sind wir schon ein wenig durchgedreht, weil wir uns so darüber gefreut haben. Es gab ein Event, bei dem wir einen Pokal überreicht bekommen haben. Da waren viele andere aus der Branche, die wir zum ersten Mal persönlich gesehen haben. Für uns war es toll zu sehen, dass wir mit denen auf Augenhöhe sprechen können. Das hatten wir nicht für möglich gehalten.
Sie haben 32 Mio. Euro Umsatz in 2021 gemacht und im Jahr darauf erstmals Firmenanteile an einen Finanzinvestor verkauft. Warum?
Cathay Capital hat einfach die höchste Bewertung angesetzt und den besten Preis bezahlt. Für uns passt es außerdem gut, dass der Investor in Frankreich sitzt. Dahin möchten wir als nächstes expandieren. Auch in China sind die aktiv, wo wird die meisten unserer Produkte einkaufen. Nicht zuletzt hat es auch menschlich gut mit uns funktioniert.
Sie sind erst 31. Wie waren die vergangenen Jahre für Sie?
Es war eine Achterbahn. Manchmal denke ich, wie toll es ist, erfolgreich zu sein und ja, auch mehr Geld zu haben. Es geht mir so gut wie nie zuvor in meinem Leben. Gleichzeitig kommt mein Geschäftspartner um die Ecke und sagt zurecht: „Jetzt geht‘s erst richtig los.“ Durchzuatmen fällt manchmal echt schwer.
Wie soll es denn weitergehen?
Wir haben in den vergangenen sechs Monaten 40 neue Vollzeitstellen besetzt, jetzt haben wir mehr als 100 Leute im Team. Das ist schon Wahnsinn. Wenn man so schnell wächst, muss man sich immer wieder neu erfinden. Gleichzeitig wollen wir unsere freundschaftliche Atmosphäre im Büro nicht verlieren.
Transparenzhinweis: Dieser Text stammt aus dem Archiv und erschien erstmals im Juni 2025. Er wurde aktualisiert.
