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15 Gebäude hat Kamsdorf in Thüringen zu bieten – und das ganze Dorf steht im Internet zum Verkauf. Es liegt idyllisch, die Gebäude sind solide. Wo also liegt der Haken?
Ein ungewöhnliches Immobilienangebot sorgt derzeit für Aufmerksamkeit: In Thüringen wird ein komplettes ehemaliges Jugenddorf über die Plattform Kleinanzeigen.de verkauft. Der Kaufpreis für das weitläufige Gebäudeensemble beträgt 390.000 Euro – ein Betrag, für den man in vielen Regionen Deutschlands oft nur eine einzelne Wohnimmobilie bekommt, in einigen Großstädten höchstens eine Ein-Zimmer-Wohnung. Ein guter Deal also. Oder?
Die einstige Jugendfreizeit-Anlage liegt idyllisch nahe des Hohenwarte-Stausees und erstreckt sich über rund 24.000 Quadratmeter. Es gibt hier 15 eingeschossige Gebäude in massiver Steinbauweise, jedes hat rund 100 Quadratmeter Grundfläche. Hinzu kommt ein zentrales Hauptgebäude, das über einen ehemaligen Speisesaal von mehr als 300 Quadratmetern verfügt. Strom- und Trinkwasseranschluss sind vorhanden, während die Entwässerung derzeit über eine Sammelgrube erfolgt. Die Gebäude wurden bereits entkernt – sie müssen umfassend saniert werden.
Die zwischen Wiesen, Wald und hohen Bäumen gelegene Anlage erinnert an ein kleines Dorf. Genau darin sieht Verkäufer Franz Eberitsch das größte Potenzial des Areals. Der selbstständige Gartenbau- und Landschaftspfleger hatte das Gelände 2014 erworben. Ursprünglich ging er davon aus, dass sich die Gebäude zu Wohnzwecken entwickeln lassen würden, erklärte er gegenüber der „Bild“. Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht. Das ist der Grund, warum er es nun zum Verkauf anbietet.
Der entscheidende Hinderungsgrund liegt im Baurecht. Für die Anlage besteht kein gesicherter Bestandsschutz, außerdem befindet sich das Gelände im Außenbereich, gehört also offiziell zu keiner Ortschaft. Nach Angaben des Verkäufers ist das Landratsamt in Saalfeld derzeit nicht bereit, das Areal für dauerhaftes Wohnen auszuweisen. Da zudem ein Bebauungsplan fehlt, müssten künftige Nutzungsmöglichkeiten individuell mit den zuständigen Behörden abgestimmt werden.
Trotz dieser Einschränkungen sieht Eberitsch gute Chancen für das ehemalige Jugenddorf. Er betont, dass die Gemeinde neuen Ideen grundsätzlich offen gegenüberstehe.
Für die Zukunft kann sich der Noch-Eigentümer verschiedene Konzepte vorstellen. So könnten die Gebäude nach einer Sanierung beispielsweise als modernes Lebensdorf, Gesundheits- und Reha-Areal, Mehrgenerationenprojekt oder Rückzugsort für Menschen dienen, die naturnah leben wollen und gemeinschaftliche Wohnformen bevorzugen. Initiativen mit außergewöhnlichen Nutzungsideen könnten das Areal neu beleben.
Eberitsch selbst verbindet mit dem Verkauf vor allem einen Wunsch: Das ehemalige Jugenddorf soll wieder genutzt werden und neues Leben erhalten. Welche Form dieses Neubeginns am Ende annimmt, wird davon abhängen, welche Ideen gemeinsam mit den Behörden verwirklicht werden können.
Dieser Artikel ist eine Übernahme des Stern, der wie Capital zu RTL Deutschland gehört. Auf Capital.de wird er sechs Monate hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf www.stern.de.