Rat vom Experten: Droht eine Heizkrise? „Einige Gaskunden sollten jetzt handeln“

Die Gasspeicher füllen sich diesen Sommer nicht wie gewohnt. Es droht eine teure Heizsaison zu werden. Ein Experte der Verbraucherzentrale erklärt, was Gaskunden tun sollten.

Share your love

Die Gasspeicher füllen sich diesen Sommer nicht wie gewohnt. Es droht eine teure Heizsaison zu werden. Ein Experte der Verbraucherzentrale erklärt, was Gaskunden tun sollten.

Herr Müller, die deutschen Gasspeicher sind wegen des Irankrieges derzeit halb leer, obwohl sie in den Sommermonaten eigentlich bis auf 80 Prozent aufgefüllt werden sollen. Müssen sich Gaskunden auf einen teuren Winter einstellen?
MAX MÜLLER: Ich kann leider auch nicht in die Zukunft schauen. Aber es stimmt: Die Gasspeicher sind deutlich weniger gefüllt, als sie es zu diesem Zeitpunkt des Jahres sein sollten. Das kann je nach Entwicklung der Energiemärkte dazu führen, dass Gas auch für Verbraucher im Winter deutlich teurer wird.

Was kann ich als Gaskunde jetzt tun, um mich gegen eine teure Heizsaison zu wappnen?
Einige Gaskunden sollten jetzt handeln. Am besten wäre es, wenn Sie jetzt einen günstigen Tarif mit einer Preisgarantie für mindestens sechs Monate abschließen. Dann kann der Anbieter in einer Gaskrise höhere Beschaffungskosten nicht so schnell an Sie weiterreichen.

Leider kann aber nicht jeder einfach kurzfristig einen neuen Vertrag abschließen, wenn der alte noch läuft, oder?
Richtig. Nur wer in der Grundversorgung ist, kann sich jederzeit einen alternativen Tarif suchen. Alle anderen müssen schauen, wann die Mindestlaufzeit ihres Vertrages endet und wie die reguläre Kündigungsfrist ist. Und dann gibt es noch die Möglichkeit der Sonderkündigung, wenn Ihr Anbieter den Preis jetzt schon erhöht.

Kann mir auch der Anbieter den Vertrag kündigen, wenn er das Gas nicht mehr so günstig besorgen kann, wie er es mir verkauft?
Nur zum Ende der Mindestlaufzeit. Er wird das aber wahrscheinlich nicht tun, sondern Ihnen eine saftige Preiserhöhung schicken, und dann müssen Sie überlegen, ob Sie das Sonderkündigungsrecht nutzen.

In der vergangenen Gaskrise stoppte ein großer Billiganbieter die Belieferung trotz gültiger Verträge komplett und ließ die Kunden im Stich. Kann so etwas wieder passieren?
Dass ein Anbieter die Belieferung von einem auf den anderen Tag stoppt, war ein außergewöhnlicher Schritt. Und er war klar rechtswidrig, das haben Gerichte mittlerweile bestätigt. Die Kunden haben Anspruch auf Schadensersatz.

Auch wenn der Fall juristisch aufgearbeitet ist, heißt das aber nicht, dass es nicht wieder zu einer ähnlichen Situation kommen kann, oder?
Das stimmt. Was sich unseriöse Anbieter alles einfallen lassen, weiß man vorher nie. Und auch rechtschaffene Unternehmen können insolvent gehen und die Belieferung einstellen. Wenn der Gasanbieter nicht mehr liefert, sind die Kunden die Gekniffenen.

Wie kann ich mich davor schützen, dass mein Gasanbieter gar nicht mehr liefert?
Nur indem Sie einen seriösen Anbieter wählen, von dem Sie vermuten, dass er nicht insolvent geht. Also vielleicht nicht den allerneuesten Billigheimer, von dem man noch nie gehört hat. Aber wirklich schlauer ist man auch hier wieder hinterher.

Was passiert, wenn mein Anbieter – aus welchem Grund auch immer – plötzlich nicht mehr liefert? Gas kommt ja weiterhin aus der Leitung.
Ja, Sie landen dann automatisch in der Ersatzversorgung des Grundversorgers. Die ist in der Regel teuer. Daher sollten Sie dann so schnell wie möglich einen günstigeren Anbieter suchen. Das Problem: In einer akuten Gaskrise wird es schwer sein, einen günstigen Anbieter zu finden.

Ist es vorstellbar, dass im Winter überhaupt nicht genug Gas verfügbar ist, sodass Heizungen kalt bleiben?
Das halte ich in Deutschland für ausgeschlossen. Gas wird im Winter da sein, die Frage ist nur, zu welchem Preis.

Dieser Artikel ist eine Übernahme des Stern, der wie Capital zu RTL Deutschland gehört. Auf Capital.de wird er sechs Monate hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf www.stern.de.

Beitrag teilen

Neue Beiträge und
Informationen direkt
per E-Mail erhalten.