Die Warnungen führender KI-Unternehmer vor den Risiken der Technologie schrecken Anleger auf. Weltweit geraten KI-Aktien unter Druck. Besonders hart trifft es Chipwerte
Sorge vor einem langsameren Entwicklungstempo bei Künstlicher Intelligenz (KI) belastet weltweit Technologiewerte. Forderungen nach mehr Vorsicht bei der Entwicklung leistungsfähiger KI-Modelle wirkten sich bereits in Asien aus. Vor allem die Börse in Seoul geriet unter Druck, darunter die Aktien von SK Hynix und Samsung. Die Bewegung schwappte anschließend nach Europa und in die USA über.
Im Dax wurden am Montagmorgen die Aktien der KI-Profiteure Siemens Energy, Infineon und Hochtief bis zu fünf Prozent tiefer gehandelt. Am breiteren Markt erwischte es auch Chipausrüster wie Aixtron, Suss Microtec und Jenoptik mit Verlusten von bis zu sechs Prozent. Die Aktien des US-Halbleiterkonzerns Micron fielen vorbörslich um vier Prozent.
Anthropic-Chef warnt vor Risiken durch KI
Nach eigenständigen KI-Hacking-Attacken warnte Dario Amodei, Chef des KI-Unternehmens Anthropic, vor erheblichen Gefahren. Er sei besorgt, dass in sechs bis zwölf Monaten ein KI-Schwarm in der Lage sein könnte, das gesamte Internet zu übernehmen und Schäden in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar zu verursachen.
Amodei rief die Branche deshalb dazu auf, die Entwicklung ihrer leistungsfähigsten Modelle zu verlangsamen. Unterstützung bekam er unter anderem von Tesla-Chef Elon Musk und OpenAI-Chef Sam Altman. „Es stellt sich nun die Frage, ob ein vorsichtigeres Entwicklungstempo bei KI die Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette bremsen und damit die hohen Gewinnerwartungen der Branche gefährden könnte“, erklärten die Experten der LBBW.
Die Nachfrage nach Rechenleistung und Infrastruktur bleibe zwar hoch. Wegen ihrer hohen Bewertungen seien Technologiewerte aber besonders anfällig für Zweifel an den gewaltigen Investitionssummen.
Ein Börsianer verwies darauf, dass die Debatte differenzierter sei, als es die Kursverluste vermuten ließen. Im Kern gehe es um unabhängige Bewertungen von KI-Modellen durch Dritte und nicht darum, die Investitionen abrupt zu stoppen. Für die Technologiebranche entstehe dennoch ein neues politisches Risiko. Die aktuelle Debatte könnte den Startschuss für die Entwicklung eines Regelwerks für KI-Sicherheit und Haftung geben.
