Kolumne: Die neue internationale Korruption

Bestechlichkeit, Machtmissbrauch und Vetternwirtschaft breiten sich weltweit immer mehr aus. Ehrliche Staaten geraten in die Bredouille

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Bestechlichkeit, Machtmissbrauch und Vetternwirtschaft breiten sich weltweit immer mehr aus. Ehrliche Staaten geraten in die Bredouille

Nun verwandelt Donald Trump auch noch seinen Mediendienst Truth Social in eine Dollardruckmaschine. Wer viel Geld zahlt, bekommt die Beiträge des Präsidenten früher als normale Nutzer und kann den Zeitvorsprung geschäftlich nutzen, zum Beispiel an der Börse. Ein weiterer Schritt auf dem historisch beispiellosen Weg in den Korruptionssumpf, der Trump und seine Familie immer reicher macht. 

Insiderdeals am Aktienmarkt, der Verkauf von MAGA-Fanartikeln, finstere Geschäfte mit Kryptowährungen, Millionengeschenke aus Staaten, die auf die Hilfe der USA angewiesen sind – die Liste wird immer länger. In der weltweiten Übersicht von Transparency International kennt Trump-Land nur eine Richtung: Weiter nach unten in Richtung Korruption. Vor seinem Antritt lagen die USA auf Platz 24, jetzt nur noch auf Platz 29. Tendenz weiter fallend.

Früher gehörten die Vereinigten Staaten zu den Ländern, die weltweit Standards gegen Bestechlichkeit durchsetzen wollten. In den Nuller-Jahren bekam es die Siemens AG zu spüren, deren System schwarzer Auslandskassen nach Hinweisen aus den USA aufflog. Heute stellt Trump den globalen Kampf gegen die Korruption ein. Alles, was amerikanischen Geschäftsinteressen in anderen Ländern dient, gilt nun als erlaubt. Für die ehrlichen Länder wie Deutschland (Platz 10 bei Transparency International) wird es in diesem Umfeld immer schwieriger, die eigenen Grundsätze durchzuhalten. 

Die bevölkerungsreichsten Länder der Welt gehören zu den korruptesten Staaten: Die Volksrepublik China (Platz 76), Indien (Platz 91), Indonesien (Platz 109) und Pakistan (Platz 136). Gemeinsam mit den USA repräsentieren diese Staaten knapp die Hälfte der Weltbevölkerung – und damit ein gewaltiges wirtschaftliches und industrielles Potenzial, das kein deutscher Konzern ignorieren kann.

Korruption: USA fallen bei Bekämpfung aus

Weil die mächtigste Volkswirtschaft der Welt, die amerikanische, als Bekämpfer der Korruption ausfällt und sogar selbst zu ihrem Spielball wird, muss die EU höllisch aufpassen, bei der Auftragsvergabe nicht ins Hintertreffen zu geraten. In Venezuela, einem der schlimmsten Fälle überhaupt (Platz 180 von insgesamt 181), sieht man die USA inzwischen Hand in Hand mit dem Regime. Es bildet sich eine neue Internationale der Korruption, in der korrupte Staaten vorzugsweise mit anderen korrupten Staaten kooperieren. China, Russland und Nordkorea (früher der Paria des Welthandelshandels) liefern das beste Beispiel dafür. Und Erdöl und Waffen sind die bevorzugten Stoffe, mit denen sich viel Geld bei intransparenten Deals verdienen lässt.

Noch sollte man Trump-Land nicht in eine Reihe mit den korruptesten Staaten stellen – im Alltagsleben spielt Bestechung und Vetternwirtschaft keine größere Rolle als in den europäischen Staaten. Aber von der Regierungsspitze aus breiten sie sich Schritt für Schritt nach unten aus. In einer Außen- und Handelspolitik, die keinerlei moralische Maßstäbe mehr kennt und nur noch dem Götzen der absoluten Macht huldigt, gerät allmählich alles ins Rutschen. Es ist kein Zufall, dass Trump alte westliche Verbündete und etablierte Handelspartner wie Dreck behandelt, sich aber unter Diktatoren wie Wladimir Putin, Xi Jinping und Kim Jong-un sichtlich wohl fühlt als Gleicher unter Gleichen.

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