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Ausufernde Kosten und lange Wartezeiten: Das Verteidigungsministerium hat ein wichtiges Projekt zum Bau von Marineschiffen gestoppt. Die Rheinmetall-Aktie stürzt daraufhin ab
An sich liest sich die Mitteilung harmlos. Man habe entschieden, „dass der Bau von insgesamt sechs Fregatten des Typs F126 nicht weiterverfolgt wird“, teilt das Verteidigungsministerium am Mittwoch auf seiner Homepage mit. Das Ministerium von Boris Pistorius (SPD) begründet den Schritt mit erheblichen Verzögerungen, drohenden Kostensteigerungen und Risiken bei einem Wechsel des Generalunternehmers.
Doch für den Rüstungskonzern Rheinmetall und seine Aktionäre kommt die Entscheidung einem Paukenschlag gleich. Der milliardenschwere Auftrag für den Bau der Fregatten war fest in den Büchern eingeplant – und droht nun ersatzlos wegzufallen. Daraufhin brach die Rheinmetall-Aktie am Mittwoch zeitweise um mehr als 18 Prozent ein und steuerte auf ihren größten Tagesverlust seit fast drei Jahrzehnten zu. Erstmals seit etwas mehr als einem Jahr fiel das lange erfolgsverwöhnte Papier zudem wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 1000 Euro.
Analysten der US-Bank JPMorgan bezeichneten das Aus des Projekts als „schweren Rückschlag“. Sollte die Bundesregierung den entfallenen Auftrag nicht durch ein anderes Großprojekt ersetzen, erscheine es „sehr unwahrscheinlich“, dass Rheinmetall seine Ziele beim Auftragseingang für das Geschäftsjahr 2026 erreichen könne. Darüber hinaus könnten weitere Annahmen, auf denen die Unternehmensprognose beruhe, ins Wanken geraten.
Ursprünglich sollten sechs Schiffe gebaut werden. Das Projekt war jedoch zunehmend aus dem Ruder gelaufen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums hätten sich die Gesamtkosten von ursprünglich rund 10 Mrd. Euro auf mehr als 18 Mrd. Euro erhöht. Zudem sei der Zeitplan nicht mehr haltbar gewesen. Stattdessen will die Bundesregierung nun acht kleinere Fregatten des Typs MEKO A-200 beschaffen, die vom Thyssenkrupp-Tochterunternehmen TKMS geliefert werden sollen. Das Gesamtvolumen des Vorhabens wird auf rund 11,6 Mrd. Euro geschätzt. Rheinmetall lehnte eine Stellungnahme zunächst ab.
Für Konzernchef Armin Papperger dürfte die Entscheidung indes auch ein persönlicher Rückschlag beim laufenden Konzernumbau sein. Seit Jahren will der CEO den Düsseldorfer Konzern vom Panzer- und Munitionshersteller zum breit aufgestellten Rüstungsriesen ausbauen. Neben dem klassischen Heeresgeschäft drängte Rheinmetall zuletzt gezielt in neue Bereiche wie Drohnen, Satelliten, Kampfflugzeuge und Marineschiffe vor. Erst Anfang des Jahres hatte der Konzern die Werftengruppe NVL übernommen und den Marinebereich als künftigen „Wachstumstreiber“ bezeichnet.