Immer mehr Industriekonzerne drängen in den Verteidigungssektor. Schnelles Geld kann man im Rüstungsgeschäft jedoch nicht machen
Nun also auch noch der Getriebehersteller ZF Friedrichshafen. Der angeschlagene Autozulieferer verdingt sich seit neuestem als Entwicklungspartner von Diehl Defence im benachbarten Überlingen. Die Reihe der Industriekonzerne, die ins Geschäft mit der Rüstung drängen, verlängert sich mit jedem Tag. Und oft liegt ein weiter Weg vom bisherigen Stammgeschäft zum neuen Hoffnungsfeld vor ihnen, wie das Beispiel Heidelberger Druckmaschinen zeigt, die sich im Bereich Drohnenabwehr etablieren wollen. Dorthin zieht es aber auch den Laserspezialisten Trumpf und viele andere Newcomer. Und andere Konzerne wie VW geben Werke an bereits seit langem tätige Drohnenhersteller ab wie in Osnabrück.
Alle lockt die gewaltige Nachfrage nach neuen Verteidigungslösungen – und vor allem der große Batzen Geld, der aus den Kassen der Bundeswehr fließt. Aber viele übersehen, dass gegenwärtig auch die Konkurrenz auf dem Rüstungssektor explodiert. Allein im Großraum München drängen acht größere Start-ups auf den Markt. Internationale Konzerne ziehen neue Produktionsstätten in Deutschland hoch. Und Platzhirsche wie Rheinmetall expandieren wie wild in alle Richtungen. Die Lage auf dem Rüstungssektor ist mit anderen Worten unübersichtlich – und damit für jeden neuen Anbieter auch riskant. Deshalb bleibt für die Neulinge nur die Rolle als untergeordneter Zulieferer – mit entsprechend eingeschränkten Margen.
Überhaupt unterschätzen viele, die vom Rüstungsgeschäft träumen, die Hürden des Erfolgs. Dort gelten ganz andere Regeln als auf dem Zivilsektor. Wer mit der Bundeswehr ins Geschäft kommen will, muss sich beim Beschaffungsamt in Koblenz aufwendig zertifizieren lassen. Das gilt auch für die Zulieferer der bereits überprüften Hauptlieferanten. Die Liste der technischen Anforderungen wächst dort mit der Entwicklung der militärischen Möglichkeiten immer weiter. Weil es in der Regel auch nicht nur um deutsche Standards geht, sondern um Vorgaben der NATO, warten deshalb höchst komplizierte Aufgaben auf einen neuen Anbieter. Der Branchenverband BDSV listet in seiner neusten Übersicht auf 17 eng bedruckten Seiten gleich Hunderte von einschlägigen Hinweisen auf die gültigen Regelwerke auf.
Mit Rüstung ist kein schnelles Geld zu machen
Schon wegen seiner Anforderungen an die Qualitätssicherung über den ganzen Lebenszyklus der Waffensysteme hinweg warten erst einmal hohe Investitionen auf die neuen Rüstungslieferanten. Erst recht kompliziert wird es, wenn Konzerne von internationalen Projekten träumen. Auf diesem Feld geht fast nichts ohne einen industriellen Partner im Abnehmerland – mit entsprechend erhöhten Risiken, wie die vielen gescheiterten Gemeinschaftsunternehmungen mit der französischen Industrie zeigen.
Schnelles Geld ist mit Rüstung, anders als viele auf den ersten Blick glauben, nicht zu machen. Und oft auch kein großes: Bei Rüstungsprojekten setzen die Beschaffer häufig Maximalmargen für die Gewinne der Industrie durch, die sie akribisch prüfen. Auch wenn sich ein Projekt am Ende rechnet, liegt vor dem Profit ein enormer bürokratischer Aufwand.
