Sachsen-Anhalt: Ökonomen warnen vor einem wirtschaftlichen Teufelskreis

Sachsen-Anhalt braucht dringend Investoren und ausländische Fachkräfte. Nach dem Wahlsieg der AfD warnen Ökonomen, dass beide wegbleiben. Für Friedrich Merz wächst der Druck

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Sachsen-Anhalt braucht dringend Investoren und ausländische Fachkräfte. Nach dem Wahlsieg der AfD warnen Ökonomen, dass beide wegbleiben. Für Friedrich Merz wächst der Druck

Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt könnte das Land teuer zu stehen kommen. Ökonomen warnen, dass Investoren und ausländische Fachkräfte abgeschreckt werden könnten – ausgerechnet in einem Bundesland, das wegen seiner alternden Bevölkerung dringend auf beides angewiesen ist. Auch für die Bundesregierung wächst der Druck, ihre angekündigten Wirtschaftsreformen umzusetzen.

„Das Wahlergebnis könnte das Image von Sachsen-Anhalt verschlechtern und die für das Bundesland dringend benötigten Investitionen gefährden“, sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, dem Wirtschaftsmagazin Capital. Vor allem eine restriktive Migrationspolitik könne qualifizierte Zuwanderer abschrecken. Einige Fachkräfte könnten sich sogar entscheiden, das Land zu verlassen.

Das träfe Sachsen-Anhalt an einer empfindlichen Stelle. Knut Bergmann, vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW), warnt vor einem demografischen Teufelskreis. Ohne Zuwanderung schrumpfe die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bis 2045 um gut ein Viertel. Bei unveränderter Erwerbsquote würden dann nur noch rund 43 Prozent der Bevölkerung arbeiten. Zugleich brauche die alternde Gesellschaft immer mehr Ärzte, Pflegekräfte und Handwerker. Ohne Zuwanderung fehlten schlicht die Arbeitskräfte, um die Bevölkerung ausreichend zu versorgen, warnt Bergmann.

Sachsen-Anhalt muss sich verändern

Schon heute ist Sachsen-Anhalt zunehmend auf ausländische Beschäftigte angewiesen. Ihr Anteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg von 2,3 Prozent 2015 auf 8,9 Prozent 2025. Wer Zuwanderer abschrecke, schwäche deshalb auch den Standort. Investoren fragten sich, wer in 20 Jahren für sie arbeiten solle und ob sie mit politischer Stabilität rechnen könnten.

Carsten Brzeski, Global Head of Macro der ING, sieht das Ergebnis als Teil eines größeren politischen Trends. „Das Wahlergebnis ist kein Schock, sondern der vorläufige Höhepunkt eines langen Trends.“ Die politische Mitte bröckele, die Parteienlandschaft zersplittere, stabile Koalitionen würden schwieriger – ausgerechnet in einem Land, das dringend Reformen brauche.

Druck auf Merz wächst

Auch für Bundeskanzler Friedrich Merz steigt nach Einschätzung Schmiedings der Druck. Die Risiken für ihn und den Zusammenhalt der Koalition seien „deutlich gestiegen“. Einen vorzeitigen Bruch erwartet Schmieding dennoch nicht: Den Koalitionspartnern fehle auf Bundesebene eine Alternative zueinander.

Schmieding geht deshalb weiter davon aus, dass die Bundesregierung den Großteil ihrer geplanten Wachstumsreformen im Herbst verabschiedet. Nach dem Wahlergebnis wäre ein Zurückweichen aus seiner Sicht sogar kontraproduktiv: „Die Reformen aufzuweichen würde die Aussichten der Koalitionsparteien wahrscheinlich noch verschlechtern.“

Für Sachsen-Anhalt trifft die politische Unsicherheit auf eine ohnehin angeschlagene Wirtschaft. Als traditionelle Hochburg der Chemieindustrie und wichtiger Standort der Autozulieferer habe das Land überproportional unter den gestiegenen Energiepreisen gelitten, sagt Schmieding. Nun könnten sich Fachkräftemangel, Investitionsschwäche und politische Unsicherheit gegenseitig verstärken.

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