Konjunktur : Wird das ein Aufschwung? Ja, es wird ein Aufschwung!

Die Wirtschaft läuft deutlich besser als gedacht, das zeigen neueste Daten. Ökonomen rechnen jetzt mit einer Verdopplung der Wachstumsrate im laufenden Jahr 

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Die Wirtschaft läuft deutlich besser als gedacht, das zeigen neueste Daten. Ökonomen rechnen jetzt mit einer Verdopplung der Wachstumsrate im laufenden Jahr 

Trotz weiterhin schlechter Nachrichten aus der Automobilindustrie, einem Rekord bei Firmeninsolvenzen und hoher Energiepreise infolge des Irankriegs steuert die deutsche Wirtschaft auf einen deutlichen Aufschwung zu. Darauf deuten ein überraschender Anstieg des ifo-Konjunkturindex im August und eine nachträgliche Aufwärts-Korrektur der deutschen Wachstumszahlen für das erste und zweite Quartal 2026 hin. Führende Konjunkturforscher rechnen inzwischen damit, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 1 Prozent zulegen dürfte, eher sogar noch etwas mehr. 

Kurz vor den drei Landtagswahlen in Ostdeutschland kommen die neuen Wirtschaftsdaten für die Regierungskoalition in Berlin wie gerufen: Union und SPD stehen in allen drei Bundesländern, in denen im September Wahlen anstehen, massiv unter Druck. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern macht sich die rechtspopulistische AfD Hoffnungen auf eine Regierungsbeteiligung, in Berlin dagegen die Linke.

Kaum von ungefähr stellte Kanzler Friedrich Merz (CDU) daher zum Ende der zweitägigen Kabinettsklausur in Neuhardenberg die verbesserten Wirtschaftsaussichten in den Vordergrund: „Der Geschäftsklimaindex ist im August überraschend stark gestiegen“, sagte Merz nach dem Treffen, die Wirtschaft wachse im dritten Quartal in Folge. Deutschland, so der Kanzler, komme endlich aus der Dauerstagnation. 

Das Münchner ifo-Institut hatte am Dienstag neue Zahlen für das wohl wichtigste Konjunkturbarometer in Deutschland veröffentlicht. Demnach stieg der ifo-Index im August von 86,7 auf 88,8 Punkte, der vierte Anstieg infolge. Erwartet worden war ein Wert von etwas über 87 Punkten. Fast zeitgleich meldete das Statistische Bundesamt Destatis, die deutsche Wirtschaft sei im zweiten Quartal um 0,3 Prozent statt um 0,2 Prozent gewachsen, wie die Statistiker zuvor vermeldet hatten. 

Deutsche Wirtschaft wächst wohl stärker als erwartet

Was nur nach einer kleinen Korrektur klingt, hat durchaus große Folgen: Zusammen mit den Wachstumsraten für das vierte Quartal 2025 und das erste Quartal 2026 ergibt sich auf zwölf Monate hochgerechnet eine durchschnittliche Wachstumsrate von 1,4 Prozent – deutlich mehr als alle Konjunkturforscher bisher auf dem Zettel hatten. Noch im Frühjahr hatten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute und die Bundesregierung ihre Wachstumserwartungen für dieses Jahr komplett zusammengestrichen. Offiziell erwartet die Regierung noch einen Zuwachs um 0,5 Prozent in diesem Jahr. 

Gründe für die deutlich besseren Konjunkturaussichten gibt es mehrere: Da sind zum einen starke Auftragseingänge aus dem Ausland, vor allem aus den USA und aus Europa für große deutsche Industriekonzerne. Zum anderen sehen Ökonomen erste Effekte der höheren Staatsausgaben in Deutschland, sowohl für die bessere Ausrüstung der Bundeswehr als auch für den Ausbau und die Sanierung der öffentlichen Infrastruktur. 

Geraldine Dany-Knedlik, Konjunkturchefin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), hatte bereits vor einigen Tagen im Capital Wirtschaftspodcast eine „1“ vor dem Komma beim Wirtschaftswachstum vorausgesagt: „Jetzt sehen wir, dass es sich im ersten und zweiten Quartal etwas besser entwickelt hat als die meisten erwartet hatten“, hatte Dany-Knedlik erklärt, „das bedeutet: Selbst wenn wir an unserer DIW-Hausprognose nichts ändern und nur die neuen Daten für die Vergangenheit einspeisen, landen wir schon bei ungefähr einem Prozent für dieses Jahr.“

Prognosen dürften bald angepasst werden

Zuletzt hatte das DIW für 2026 einen Zuwachs um 0,5 Prozent prognostiziert. Auch die Bundesbank und die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, die für die Bundesregierung zweimal im Jahr Prognosen abgeben, dürften ihre Erwartungen demnächst deutlich nach oben korrigieren. Der Chefvolkswirt der Berenberg-Bank, Holger Schmieding, hatte ebenfalls bereits ein Wachstum von mindestens einem Prozent in diesem Jahr vorausgesagt, manche Bankenvolkswirte erwarten inzwischen auch 1,1 oder 1,2 Prozent. Es wäre der höchste Zuwachs seit dem Jahr 2022.

Die spannende Frage ist nun, wie es wohl im kommenden und in den Folgejahren weitergehen wird. Dies wird nicht allein von den deutlich höheren Staatsausgaben in Deutschland abhängen, sondern auch von der Frage, ob die vermehrten Aufträge zu höheren Investitionen privater Unternehmen in Deutschland führen. Hier gibt es durchaus unterschiedliche Erwartungen. Während ein Skeptiker wie der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Moritz Schularick, jüngst im Capital-Interview erklärte, ohne tiefgreifende Reformen fehle Investoren und Unternehmen das Vertrauen in die Zukunftsaussichten Deutschlands, erwarten Optimisten, dass sich hier zu Lande auch bei den Investitionen der Knoten bald lösen wird. 

Davon wiederum hängt ab, wie breit und langfristig der Aufschwung wirklich ausfallen wird. Im besten Fall würde ein höheres Wirtschaftswachstum in den Folgejahren auch Spielraum für höhere Lohn- und Gehaltszuwächse schaffen, so dass auch Arbeitnehmer und Privathaushalte etwas vom Aufschwung spüren. 

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