Kolumne: Wenn die Schulden die Börse einholen

Steigende Zinsen, hohe Inflation und wachsende Staatsschulden trüben den Börsenjubel. Noch sind Anleihen wenig attraktiv – doch der Zinsmarkt sendet ein deutliches Warnsignal

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Steigende Zinsen, hohe Inflation und wachsende Staatsschulden trüben den Börsenjubel. Noch sind Anleihen wenig attraktiv – doch der Zinsmarkt sendet ein deutliches Warnsignal

Dem ungetrübten Jubel an den Aktienmärkten der Welt mischt sich zunehmend ein beklommener Blick auf die Zinsmärkte bei. Dort steigen die Renditen für länger laufende Staatsanleihen seit Beginn des Irankrieges an. Die Kombination aus hartnäckig hoher Inflation, ausufernden Staatsverschuldungen und politischer Uneinigkeit hat an den Bondmärkten zu fallenden Kursen geführt. Die Bundesrepublik Deutschland muss inzwischen mehr als 3,2 Prozent an Zins für zehnjährige Anleihen bezahlen. In Frankreich liegt der Vergleichswert bei 4,05 Prozent und in Großbritannien oberhalb von 5 Prozent. Zur gleichen Zeit machen Gerüchte die Runde, Deutschland könne sein AAA-Rating verlieren und dadurch in eine Aufwärtsspirale beim Zins geraten. 

Dabei liegen die Zinsen im historischen Vergleich nicht besonders hoch. Anfang der 90er-Jahre des vorigen Jahrhunderts lagen die Zehnjahreszinsen oberhalb von 8 Prozent. Danach fielen sie sukzessive bis zu einem Tiefstand von minus 0,75 Prozent zu Beginn der Coronapandemie. Seither normalisieren sich die Langfristzinsen. Angesichts einer Inflation von knapp 3 Prozent bleibt aber kaum ein positiver Realzins für Anleiheinvestoren übrig. Kürzerlaufende Papiere weisen sogar negative Realzinsen auf. Zugleich verfehlt die Europäische Zentralbank seit Jahren ihr Ziel, die Inflation in Schach zu halten. 

Derweil vermerken Volkswirte in den USA, dass dort der jährliche Etat für Zinszahlungen angesichts der stark angestiegenen Zinslast höher liegt als der Verteidigungsetat. Die Zeiten, in welchen republikanische Parlamentarier sich für fiskalisch konservativ hielten, gehören lange der Vergangenheit an. Unterdessen sorgt die neue amerikanische Lust am Kriegführen für zusätzliche Haushaltsbelastungen in unkalkulierbarer Höhe. 

Keine guten Nachrichten für Aktienanleger

Für die Bürger verheißt die Zinsentwicklung nichts Gutes, zumal die Staaten offenbar nicht in der Lage sind, zu sparen. Die Schuldenexzesse von heute sind bekanntlich die Steuern und oder die Inflation von Morgen. Wenn man bedenkt, dass der Staat die kalte Progression bei Kapitalerträgen nicht ausgleicht, kann man mit Berechtigung von finanzieller Repression sprechen. 

Auch für Aktienanleger sind die Nachrichten aus dem Zinsbereich nicht hilfreich. Da bei der Bewertung von Aktien deren künftige Zahlungsüberschüsse auf die Gegenwart abgezinst werden, sorgen steigende Abzinsungsraten für niedrigere Bewertungen. Hinzu kommt, dass die Finanzierungskosten für die Unternehmen, sofern sie verschuldet sind, ebenfalls nachteilig durch höhere Kapitalmarktzinsen betroffen werden. Immerhin könnte man einwenden, dass künftige Pensionslasten angesichts höherer Abzinsungsraten niedriger in den Bilanzen ausgewiesen werden können. 

Und schließlich ist die langlaufende Zinsanlage stets auch der Hauptwettbewerber der Aktienanlage. Ob aber ein Zins von 3,2 Prozent für zehnjährige Bundesanleihen tatsächlich eine attraktive Alternative zur Investition in die vierzig Dax-Aktien darstellt, die ihrerseits eine aktuelle Dividendenrendite von 2,4 Prozent aufweisen, ist doch sehr zweifelhaft. Daher spricht manches dafür, dass die Langfristzinsen weiter deutlich ansteigen müssen, um Aktienanleger neugierig auf deutsche Staatsanleihen werden zu lassen. 

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