Brisantes von Whitney Webb: Israels Start-ups wurden zum strategischen Hebel für Einfluss auf Big Tech

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Whitney Webb: „Israels Tech-Strategie sollte einen Boykott unmöglich machen“

Die US-amerikanische Investigativjournalistin Whitney Webb erhebt in einem Interview mit dem Pulitzer-Preisträger Chris Hedges weitreichende Vorwürfe über die strategische Verflechtung israelischer Technologieunternehmen mit den größten US-Tech-Konzernen. Nach ihrer Darstellung sei diese Entwicklung keineswegs zufällig entstanden, sondern das Ergebnis einer langfristigen politischen und wirtschaftlichen Strategie, die unter anderem von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und einflussreichen US-Investoren vorangetrieben worden sei.

Webb argumentiert, dass heute ein großer Teil der amerikanischen Technologie- und Rechenzentrumsinfrastruktur enge Verbindungen nach Israel unterhalte. Zahlreiche große Technologieunternehmen verfügten über bedeutende Niederlassungen oder Tochtergesellschaften im Land. Als Beispiel verweist sie auf New Albany in Ohio, wo sich mehrere Rechenzentrums- und Technologieunternehmen angesiedelt hätten, die zugleich umfangreiche Aktivitäten in Israel unterhielten.

Eine zentrale Rolle schreibt Webb dem Unternehmer Les Wexner zu, den sie seit Jahren als wichtigen Knotenpunkt zwischen wirtschaftlichen und politischen Interessen beschreibt. Wexner habe nach ihrer Darstellung nicht nur israelische Unternehmen unterstützt und wirtschaftliche Projekte gefördert, sondern verfüge auch über langjährige Verbindungen zu Organisationen wie der Mega Group sowie zu Jeffrey Epstein, dessen Kontakte zu ehemaligen israelischen Politikern und zum israelischen Staat inzwischen umfassend dokumentiert worden seien.

Im Mittelpunkt ihrer Analyse steht jedoch eine Organisation namens Start-Up Nation Central. Diese wurde laut Webb mit Unterstützung von Benjamin Netanjahu und dem Hedgefonds-Manager Paul Singer gegründet. Ihr erklärtes Ziel sei es gewesen, israelische Start-ups gezielt in amerikanische Großkonzerne zu integrieren.

Nach Webbs Darstellung sollte dadurch erreicht werden, dass die technologische Infrastruktur der Vereinigten Staaten auf mehreren Ebenen so eng mit israelischen Unternehmen verflochten wird, dass ein wirtschaftlicher Boykott Israels praktisch unmöglich werde. Selbst wenn sich die politische Lage drastisch verschärfen würde, könnten amerikanische Technologiekonzerne Israel kaum noch den Rücken kehren, weil sie wirtschaftlich und technologisch längst voneinander abhängig seien.

Besonders brisant sind Webbs Aussagen über die israelische Start-up-Szene selbst. Viele dieser Unternehmen würden von ehemaligen Angehörigen israelischer Geheimdienste oder militärischer Eliteeinheiten gegründet oder geführt. Gleichzeitig habe die israelische Regierung nach ihren Angaben eine ausdrückliche Strategie entwickelt, solche Unternehmen für Aufgaben einzusetzen, die früher direkt von Nachrichtendiensten wie dem Mossad oder der Eliteeinheit Unit 8200 übernommen worden seien.

Webb spricht in diesem Zusammenhang von einer Politik, bei der Start-ups faktisch als Tarn- beziehungsweise Frontfirmen für nachrichtendienstliche Aktivitäten genutzt würden. Dadurch verschwimme zunehmend die Grenze zwischen privatwirtschaftlichen Technologieunternehmen und staatlichen Sicherheitsinteressen.

Aus ihrer Sicht dient diese Entwicklung einem übergeordneten geopolitischen Ziel: Wer die digitale Infrastruktur kontrolliert, verfügt über erheblichen politischen Einfluss. Durch die enge wirtschaftliche Verzahnung amerikanischer Big-Tech-Konzerne mit israelischen Technologieunternehmen entstehe ein Machtinstrument, das es der US-Politik erschwere, Israel künftig in entscheidenden Fragen unter Druck zu setzen oder Maßnahmen wie Boykotte und Sanktionen ernsthaft zu unterstützen.

Die von Webb geäußerten Vorwürfe beruhen auf ihrer eigenen Analyse sowie auf Recherchen, die sie in ihren Veröffentlichungen und in ihrem Buch One Nation Under Blackmail präsentiert. Für die konkreten Behauptungen über eine koordinierte Strategie zwischen der israelischen Regierung, Start-Up Nation Central und nachrichtendienstlichen Aktivitäten legte sie in dem Interview keine neuen, unabhängig überprüfbaren Belege vor. Ihre Aussagen spiegeln ihre Interpretation öffentlich bekannter Entwicklungen und historischer Verbindungen wider und werden von den genannten Unternehmen und staatlichen Stellen zurückgewiesen oder nicht bestätigt.

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