Schneller als die westlichen Konkurrenten: Chinesische E-Autohersteller verkürzen die Ladezeiten für E-Autos drastisch. Doch das ultraschnelle Laden ist mit Risiken behaftet
Chinesische E-Autohersteller liefern sich einen technologischen Wettlauf um immer kürzere Ladezeiten. So stellte zuletzt Geely ein neues Schnellladesystem vor, das eine Batterie in 4,5 Minuten von zehn auf 70 Prozent aufladen kann. Um den Kunden die Reichweitenangst zu nehmen und die Nachfrage auf dem weltweit größten Automarkt anzukurbeln, entwickeln auch BYD und Li Auto Systeme, die eine E-Auto-Batterie in etwa fünf Minuten aufladen sollen. Dies entspricht in etwa der Dauer eines Tankstopps bei einem Benziner. Das Laden mit Megawatt-Leistung birgt jedoch technische Risiken wie Brandgefahr, einen schnelleren Verschleiß der Batterien und eine mögliche Überlastung der Stromnetze.
Chinesische Autobauer haben sich beim Schnellladen einen Vorsprung vor westlichen Konkurrenten erarbeitet. Das neue System von Geely hat eine Spitzenleistung von bis zu 2,25 Megawatt. Damit lässt sich eine Batterie bei Raumtemperatur in viereinhalb Minuten von zehn auf 70 Prozent und in knapp neun Minuten auf 97 Prozent aufladen.
Der Konkurrent BYD hat ein Megawatt-Schnellladesystem entwickelt, das die „Blade“-Batterie des Konzerns in neun Minuten von zehn auf 97 Prozent auflädt. Die Fahrzeuge von Li Auto nutzen Batterien des Herstellers CATL, die in zwölf Minuten genug Energie für 500 Kilometer Reichweite einspeisen können. Auch der Batteriehersteller Sunwoda verspricht eine Ladung von zehn auf 97 Prozent in neun Minuten. Zum Vergleich: Ein Tesla-Supercharger benötigt für einen Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent meist 15 bis 25 Minuten. Bei Mercedes-Benz dauert dieser Vorgang mindestens 22 Minuten.
Beim ultraschnellen Laden gibt es Risiken
Die größte Herausforderung beim ultraschnellen Laden ist die enorme Hitzeentwicklung, die zu Bränden und schnellem Verschleiß der Batteriezellen führen kann. Um Überhitzung zu vermeiden, setzen chinesische Hersteller auf Flüssigkühlung und künstliche Intelligenz (KI). Geely nutzt ein System, das die Ladestation, die Kabel und den Ladeanschluss des Fahrzeugs kühlt. Zudem prognostiziert eine KI Temperaturanstiege 30 Sekunden im Voraus. Kürzere Batteriezellen sollen bei BYDs Blade-Design die Reibung und damit die Wärmeentwicklung verringern. Für eine längere Lebensdauer der Batterie werden Beschichtungen und hochfrequente Impulsströme eingesetzt.
Die Ladegeschwindigkeiten stoßen einem Geely-Manager zufolge allmählich an physikalische Grenzen. Der Fokus verschiebt sich daher auf den Ausbau der Infrastruktur. Um die Stromnetze vor Überlastung durch Megawatt-Ladungen zu schützen, werden Ladestationen zunehmend mit eigenen Batteriespeichern und Solaranlagen gekoppelt.
BYD plant bis 2028 den Bau von 90.000 Schnellladestationen, davon sollen im kommenden Jahr 300 in Großbritannien entstehen. Der Konkurrent Nio setzt dagegen auf Batteriewechselstationen. Das Unternehmen betreibt mehr als 4000 dieser Stationen, an denen der Akkutausch etwa drei Minuten dauert.
