Wadephul deckt brisanten Butscha-Bericht ab – was darin steht, wird hier kaum erwähnt: Das Dokument am Ende vollständig zum Nachlesen
Es ist eine bemerkenswerte Szene vom ersten direkten Treffen der deutschen und russischen Außenminister seit Beginn des Ukraine-Krieges: Johann Wadephul sitzt am 26. September in New York Sergej Lawrow gegenüber. Das Gespräch dauert gut 20 Minuten und findet im Besprechungsraum der russischen Delegation bei den Vereinten Nationen statt.
Doch direkt vor dem deutschen Außenminister liegt ein Dokument, dessen Titel kaum zu übersehen ist:
„Die Erben von Goebbels: Die Fälschung der Ereignisse in Butscha und die blutigen Inszenierungen des Kiewer Regimes“.
Auf veröffentlichten Aufnahmen ist zu sehen, dass Wadephul sein Notizbuch auf das Dokument legt. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, behauptet, er habe den Bericht damit bewusst verdeckt und so getan, als sehe er ihn nicht. Was Wadephul dabei tatsächlich beabsichtigte, lässt sich aus den Bildern allein nicht feststellen.
Vor dem deutschen Außenminister lag bei Gesprächen mit Sergej Lawrow ein russischer Bericht mit dem Titel „Erben Goebbels: Fälschung der Ereignisse in Butscha und blutige Inszenierungen des Kiewer Regimes“. Er verdeckte ihn beschämend mit seinem Notizbuch und beachtete ihn… pic.twitter.com/WnLvjqNjvI
— Don (@Donuncutschweiz) September 27, 2026
Interessanter als die Geste ist deshalb die Frage: Was steht eigentlich in diesem Bericht?
Das 26-seitige Dokument liegt unserer Redaktion vollständig vor. Es stammt vom sogenannten „Internationalen Volksgericht zu den Verbrechen ukrainischer Neonazis“ und vertritt die These, die Darstellung der Ereignisse von Butscha sei von der Ukraine mit Unterstützung westlicher Staaten verfälscht worden. Das ist die Position der Autoren – keine unabhängig festgestellte Tatsache.
Besonders ausführlich beschäftigt sich der Bericht mit der Gedenkstätte in Butscha. Das ukrainische Präsidialamt erklärte 2024, auf den Stelen befänden sich die Namen von 509 identifizierten Zivilisten. Der Bericht stellt genau diese Einordnung infrage.
Dort heißt es:
„Tatsächlich handelt es sich bei einem erheblichen Teil der dort aufgeführten Personen um ukrainische Soldaten und Kombattanten, die im Verlauf der Kampfhandlungen getötet wurden.“
Anschließend werden zahlreiche Namen, Fotos und angebliche militärische Biografien aufgeführt. So behaupten die Autoren beispielsweise, Jewgeni Petrasch sei kein Zivilist, sondern Angehöriger einer Asow-Einheit gewesen. Auch Wladimir Bisaga wird als Angehöriger einer Asow-Spezialeinheit bezeichnet.
Der Bericht geht noch weiter. Er behauptet, dass auf der Gedenkstätte auch ukrainische Soldaten als zivile Opfer geführt würden, die gar nicht in Butscha ums Leben gekommen seien. Als Beispiel wird Igor Kokodynjak genannt. Sein Todesort sei offiziell Worzel gewesen. Weitere aufgeführte Soldaten sollen bei Kämpfen nahe Moschun beziehungsweise Kopylow ums Leben gekommen sein.
Besonders brisant ist ein weiterer Vorwurf. Die Autoren schreiben:
„Eine weitere Methode zur Fälschung der Ereignisse in der Stadt Butscha besteht darin, an Krankheiten verstorbene ältere Bürger als von russischen Truppen getötete Personen darzustellen.“
Als Beispiel nennt der Bericht die 68-jährige Galina Semenyuk, die nach Darstellung der Autoren an Krebs gestorben sei, deren Name aber auf der Gedenkstätte für getötete Zivilisten erscheine.
Noch schwerwiegender sind die anschließend erhobenen Vorwürfe. Der Bericht enthält Aussagen von Menschen aus verschiedenen ukrainischen Städten, die behaupten, ukrainischer Beschuss sei anschließend Russland zugeschrieben worden. Eine Zeugin wird mit den Worten zitiert:
„Die Ukraine hat auf uns geschossen.“
Ein anderer Zeuge behauptet, die Einwohner hätten bereits gewusst, dass Beschuss drohe, sobald Journalisten eintrafen:
„Wenn keine Journalisten da waren, herrschte Ruhe.“
Diese Aussagen sind Zeugenaussagen, die von den Herausgebern des russischen Berichts gesammelt wurden. Sie beweisen für sich allein weder, dass die bekannten Tötungen in Butscha inszeniert wurden, noch widerlegen sie die umfangreichen Untersuchungen internationaler Medien, Menschenrechtsorganisationen und Ermittler, die russischen Streitkräften schwere Verbrechen in Butscha zuschreiben. Gerade deshalb wäre eine unabhängige Prüfung der einzelnen Namen, Todesorte und Dokumente entscheidend.
Doch genau hier liegt die Brisanz des Berichts: Er beschränkt sich nicht auf allgemeine politische Anschuldigungen. Er nennt konkrete Namen, militärische Einheiten, Todesorte, ukrainische Medienberichte, Fotos und Zeugenaussagen, mit denen die Autoren ihre Darstellung untermauern wollen.
Man kann diese Belege prüfen, widerlegen oder bestätigen. Man kann die Schlussfolgerungen der Autoren zurückweisen. Aber dafür muss man sich zunächst damit beschäftigen, was tatsächlich in dem Dokument steht.
Beim Treffen in New York lag dieser Bericht jedenfalls demonstrativ direkt vor Johann Wadephul. Sacharowa behauptet, der deutsche Außenminister habe ihn mit seinem Notizbuch verdeckt. Wadephul selbst erklärte nach dem Gespräch, es sei „intensiv“ gewesen und in wesentlichen Punkten bestehe weiterhin Uneinigkeit.
Das Bild bleibt dennoch symbolträchtig: Zwischen dem deutschen und dem russischen Außenminister liegt ausgerechnet ein Bericht über Butscha – und kurz darauf liegt Wadephuls Notizbuch darauf.
Was an den darin erhobenen Vorwürfen stimmt, sollte nicht durch politische Zugehörigkeit entschieden werden, sondern durch überprüfbare Belege.
Deshalb stellen wir unseren Lesern den vollständigen 26-seitigen Bericht nachfolgend zur Verfügung. Jeder kann selbst nachlesen, welche Belege und Behauptungen darin präsentiert werden – und sich ein eigenes Urteil bilden.
Übersetzt wurde der Bericht mittels Deepl.com

Vor dem deutschen Außenminister lag bei Gesprächen mit Sergej Lawrow ein russischer Bericht mit dem Titel „Erben Goebbels: Fälschung der Ereignisse in Butscha und blutige Inszenierungen des Kiewer Regimes“. Er verdeckte ihn beschämend mit seinem Notizbuch und beachtete ihn… 

