UK-Medien schlagen Alarm: Vorbereitungen für Benzin- und Dieselrationierung laufen

In Großbritannien rücken Szenarien wieder in den Vordergrund, die vor wenigen Monaten noch extrem geklungen hätten: Benzin und Diesel rationieren, Tankstellen zeitweise schließen, wichtige Dienste bevorzugt versorgen und Autofahrer mit niedrigeren Geschwindigkeitslimits zum Spritsparen zwingen.

Britische Medien berichten aktuell erneut über die Notfallpläne der Regierung. Hintergrund sind die stark gestiegenen Kraftstoffpreise und die anhaltenden Risiken für die internationale Ölversorgung. Diesel liegt inzwischen nahe seinem historischen Rekord; Daten vom 24. September zeigen einen Durchschnittspreis von rund 198 Pence pro Liter, wobei bereits mehr als 15 Prozent der erfassten Tankstellen mindestens zwei Pfund verlangten.

Dabei handelt es sich nicht lediglich um Planspiele von Journalisten. Die britische Regierung verfügt mit dem National Emergency Plan for Fuel (NEP-F) über einen konkreten Notfallplan für eine schwere Versorgungskrise. Dieser sieht ausdrücklich vor, den Verkauf von Kraftstoff an Privatpersonen auf eine Höchstmenge pro Tankstellenbesuch zu begrenzen. Gleichzeitig können die Öffnungszeiten von Tankstellen eingeschränkt werden.

Noch deutlicher wird es bei der Verteilung: Rettungsdienste und andere kritische Dienste könnten bevorzugten Zugang zu ausgewählten Tankstellen erhalten. Diesel könnte gezielt für Fahrzeuge wichtiger Lieferketten reserviert werden – etwa für die Versorgung mit Lebensmitteln und medizinischen Gütern. Selbst die Verteilung von Rohöl und importierten Ölprodukten innerhalb Großbritanniens könnte die Regierung zentral steuern.

Auch niedrigere Tempolimits auf dem Tisch

Bereits im März berichtete der Guardian, dass Regierungsstellen angesichts der Ölkrise untersuchten, mit welchen Maßnahmen sich der Verbrauch kurzfristig reduzieren ließe. Dazu gehörte auch eine Absenkung der zulässigen Geschwindigkeit auf wichtigen Straßen. Der Bericht sprach davon, dass eine Reduzierung um bis zu 10 mph auf Autobahnen technisch vergleichsweise einfach umgesetzt werden könnte.

Die Internationale Energieagentur führt Geschwindigkeitsreduzierungen ebenfalls ausdrücklich unter den britischen Maßnahmen zur Verbrauchssenkung auf. Neben freiwilligen Sparappellen reichen die vorhandenen Instrumente bis hin zur Zuteilung und Rationierung von Ölprodukten.

Damit sind Berichte über Rationierung und niedrigere Geschwindigkeitslimits keine frei erfundenen Krisenszenarien. Die Instrumente existieren und sind vorbereitet.

Allerdings ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Die eigentliche Kraftstoffrationierung ist derzeit nicht aktiviert. Der Regierungsplan schreibt ausdrücklich vor, dass diese einschneidenden Maßnahmen erst bei einer schweren nationalen Kraftstoffknappheit eingesetzt werden sollen, der aber bald eintreffen kann.

Genau das macht die aktuelle Berichterstattung dennoch bemerkenswert. Die Infrastruktur und rechtlichen Instrumente müssen nicht erst geschaffen werden. Die Regierung verfügt bereits über einen abgestuften Notfallplan – von Sparappellen und Geschwindigkeitsreduzierungen bis zur tatsächlichen Rationierung.

Noch fließt der Kraftstoff an britischen Tankstellen normal. Doch während Diesel an der Zwei-Pfund-Marke kratzt und britische Medien die Notfallpläne wieder hervorholen, wird sichtbar, wie schnell aus einem alten Krisenpapier praktische Politik werden könnte, sollte sich die Versorgungslage weiter verschärfen.

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