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Die ehrenamtlichen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr eines kleinen Ortes in Sachsen-Anhalt stehen derzeit unfreiwillig im landesweiten Fokus. Grund ist ein Gruppenfoto mit dem AfD-Politiker Ulrich Siegmund, der im Rahmen eines Wahlkampftermins vor Ort die Feuerwehrleute zu einer gemeinsamen Aufnahme animierte. Der Bürgermeister zeigte sich empört und handelte sich seinerseits Kritik ein. Die Ehrenamtler fragen sich nun im Bild-Interview (Bezahlschranke), wofür sie „jetzt eigentlich an den Pranger gestellt werden“.
Am 7. August absolvierte der sachsen-anhaltische Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD), Ulrich Siegmund, einen seiner Wahlkampftermine im beschaulichen Örtchen Egeln. Mediale Aufmerksamkeit erlangte der Auftritt nun durch die anschließende Reaktion des Bürgermeisters auf Facebook. „Die Bilder vom vergangenen Freitag auf dem Marktplatz in Egeln haben mich fassungslos gemacht“, kommentierte dieser ein bekannt gewordenes Gruppenfoto.
Anlass für seine Kritik war, dass die Einsatzkräfte am Freitag der Vorwoche nach einem Einsatz in der Kleinstadt südlich von Magdeburg einen AfD-Infostand besuchten und dabei gefilmt wurden. Die Aufnahmen zeigen, wie der AfD-Spitzenkandidat auf die Feuerwehrleute zukam und ihnen die Hände schüttelte. Siegmund dankte den Ehrenamtlichen für ihre Arbeit und animierte sie zu einem spontanen Gruppenfoto. Am Ende posierte die Gruppe vor dem Einsatzwagen.
Der Bürgermeister äußerte sich anschließend ausführlich auf Facebook:
„Einige Mitglieder unserer Ortsfeuerwehr Egeln besuchten nach einem Einsatz in Einsatzkleidung und mit den Einsatzfahrzeugen eine AfD-Infoveranstaltung und ließen sich auch noch filmen und fotografieren. Als Verbandsgemeindebürgermeister und Dienstherr der Freiwilligen Feuerwehr stelle ich ausdrücklich klar, dass ein solches Verhalten von Mitgliedern unserer Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz nicht hingenommen werden kann. Mitglieder einer Freiwilligen Feuerwehr, die als solche auch erkennbar sind (Einsatzkleidung, Feuerwehrfahrzeuge, usw.), haben sich politisch neutral zu verhalten.“
Dieser Kommentar löste umgehend kontroverse Reaktionen und Diskussionen in den sozialen Medien aus. Zwei der kritisierten Feuerwehrmänner schilderten daraufhin gegenüber der Bild unter der Bedingung der Anonymität ihre Sicht auf den Vorfall.
„Wir werden jetzt an den Pranger gestellt. Wofür?“, fragte einer der kritisierten Ehrenamtler. Der vorherige Einsatz sei beendet gewesen, zudem hätten er und seine Kameraden keine komplette Uniform mehr getragen. Die meisten hätten aufgrund der Hitze an dem Tag „bloß ’ne Einsatzhose und schmutzige Shirts“ angehabt. Die entscheidende Frage laute für ihn daher, wie die Bild ihn zitiert:
„‚Warum sollen wir nicht ein Erinnerungsfoto mit dem Spitzenkandidaten machen?‘, fragte er zudem. Das habe schließlich nichts mit ihrer Einsatzbereitschaft für die Feuerwehr zu tun. ‚Wir leisten seit vielen Jahren einen guten Dienst, ohne jemals auf die Uhrzeit zu schauen‘.“
Der zweite Feuerwehrmann gab zu Protokoll, dass die ganze Diskussion „doch pure Doppelmoral ist“. Er und seine Kameraden würden Ärger für ein Foto mit einem AfD-Politiker bekommen, während Siegmunds direkter Kontrahent, CDU-Ministerpräsident Sven Schulze, im Wahlkampf ganz offiziell die Feuerwehr Dessau-Roßlau besuchte und „sich mit der Drehleiter für schöne Fotos in die Höhe fahren“ ließ.
Dies sei hingegen lediglich als „ein offizieller Wahlkampftermin der CDU“ wahrgenommen worden, und die Kameraden bekämen „keinen Ärger, sondern werden noch in der Lokalpresse gelobt“.
Der Ortswehrleiter von Egeln stellte sich unterdessen hinter seine Kameraden. Diese hätten sich nach ihrem Einsatz nur ein Eis holen wollen, erklärte er gegenüber der Volksstimme. Siegmund habe sie dort gesehen und sei spontan auf sie zugekommen, während der Ortswehrleiter selbst im Fahrzeug sitzen geblieben sei.
Er fasste die Situation so zusammen: „Das war keine böse Absicht. Die Freiwillige Feuerwehr Egeln ist nicht parteiisch. Wir helfen jedem Menschen.“
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