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Asien vor dem großen Knall: Jiang Xueqin sieht die Fronten eines möglichen Dritten Weltkriegs entstehen

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Der chinesisch-kanadische Pädagoge, Autor und geopolitische Kommentator Jiang Xueqin hat mit einigen seiner geopolitischen Prognosen Aufmerksamkeit erregt. Im Gespräch mit Alex Jones zeichnet er nun ein düsteres Bild für Asien: Die USA seien militärisch überdehnt und versuchten deshalb, die direkte Konfrontation mit China zunehmend an ihre Verbündeten auszulagern. Auf der anderen Seite verfüge Peking mit Nordkorea über einen Hebel, der Japan und Südkorea unmittelbar unter Druck setzen könne.

Xueqins Kernthese: Washington zieht sich nicht einfach zurück – es versucht, andere für sich in die erste Reihe zu stellen.

Statt selbst gleichzeitig Russland in Europa und China in Ostasien gegenüberzustehen, sollen regionale Verbündete einen größeren Teil der Last übernehmen. In Europa wäre dies die NATO, in Asien vor allem Japan, Australien und die Philippinen. Xueqin bezeichnet das als Versuch, ein neues Mächtegleichgewicht herzustellen. Die USA seien schlicht „überdehnt“ und müssten ihre Sicherheitsverantwortung auslagern.

Japan soll China in Schach halten

Besonders brisant ist Xueqins Einschätzung der Rolle Japans. Sollte Washington sein militärisches Engagement in Ostasien reduzieren, würde Tokio praktisch gezwungen, eine wesentlich größere Verantwortung für Taiwan und die Eindämmung Chinas zu übernehmen.

Das Problem: Aus chinesischer Sicht ist Japan laut Xueqin langfristig selbst einer der gefährlichsten regionalen Rivalen. Beide Mächte konkurrierten historisch um Einfluss in Korea und Südostasien. Japan wiederum sei wegen seiner Rohstoffabhängigkeit auf offene Handels- und Versorgungswege angewiesen und könne deshalb eine chinesische Kontrolle Taiwans kaum gleichgültig hinnehmen.

Seine Prognose lautet deshalb: Japan wird weiter aufrüsten, Bündnisse in Südostasien schmieden und sich militärisch wieder zu einer eigenständigen Großmacht entwickeln.

Selbst die nukleare Frage steht für Xueqin im Raum. Japan verfüge über die technologischen Voraussetzungen, relativ schnell Atomwaffen zu entwickeln. Seine konkrete Behauptung, dies könne innerhalb von „sechs Wochen“ geschehen, ist allerdings eine Einschätzung Xueqins und sollte nicht als gesicherte Tatsache verstanden werden.

Der Kampf um Taiwan ist auch ein Kampf um die Handelswege

Hinter der militärischen Konfrontation steckt nach Xueqins Analyse ein noch größeres Problem: Chinas Abhängigkeit von seinen Seewegen.

Die Straße von Malakka ist eine strategische Achillesferse Pekings. Ein großer Teil der chinesischen Energie- und Warenströme führt durch diesen Engpass. In einem großen Konflikt könnten die USA und ihre Verbündeten versuchen, diese Lebensader zu unterbrechen.

Xueqin interpretiert deshalb auch Chinas militärischen Ausbau im Südchinesischen Meer als Vorbereitung auf eine mögliche wirtschaftliche Einkreisung. Bereits heute treffen dort chinesische und philippinische Schiffe immer wieder unmittelbar aufeinander. Aus solchen begrenzten Konfrontationen könnte sich eine wesentlich gefährlichere Eskalationsspirale entwickeln.

Und dann kommt Nordkorea ins Spiel

Hier wird Xueqins Szenario besonders explosiv.

Wenn Washington Japan, Australien und die Philippinen stärker gegen China positioniert, könnte Peking seiner Ansicht nach seinen eigenen Trumpf ausspielen: Nordkorea.

„China wird Nordkorea aktivieren“, prognostiziert Xueqin.

Nordkorea besitzt Atomwaffen und eine enorme konventionelle Streitmacht unmittelbar vor den Toren Südkoreas. Xueqin argumentiert deshalb, Pjöngjang könne gleichzeitig Japan und Südkorea unter enormen militärischen Druck setzen.

Hinzu kommt eine Verbindung, die im Westen häufig unterschätzt wird: China und Nordkorea besitzen einen gegenseitigen Beistandsvertrag. Xueqin bezeichnet China deshalb als den „großen Bruder“ Nordkoreas. Der Koreakrieg wurde zudem nie durch einen Friedensvertrag beendet, sondern 1953 lediglich durch einen Waffenstillstand eingefroren.

Damit würde sich eine gefährliche Kettenreaktion ergeben:

USA → Japan, Australien, Philippinen

gegen

China → Nordkorea

Dazwischen liegen Taiwan und Südkorea – zwei der gefährlichsten möglichen Zündpunkte der Welt.

Die USA verteilen den „Schwarzen Peter“

Jones bringt Xueqins Analyse schließlich auf einen einfachen Nenner: Bekommen Amerikas asiatische Verbündete damit den „Schwarzen Peter“ zugeschoben?

Xueqins Antwort: „Im Grunde genommen, ja.“

Genau darin liegt die eigentliche Brisanz seiner Analyse. Washington müsste China gar nicht selbst in einem großen Krieg besiegen. Aus amerikanischer Perspektive könnte es genügen, ein regionales Gegengewicht aufzubauen, das Peking bindet und seine Expansion begrenzt.

Doch diese Strategie hat einen gefährlichen Preis: Die USA könnten versuchen, ihre eigene imperiale Überdehnung dadurch zu lösen, dass sie das unmittelbare Kriegsrisiko auf ihre Verbündeten übertragen.

Japan rüstet auf. Taiwan bleibt der neuralgische Punkt. Die Philippinen geraten im Südchinesischen Meer immer häufiger mit China aneinander. Und im Hintergrund wartet das atomar bewaffnete Nordkorea.

Xueqins Szenario eines großen asiatischen Krieges beginnt deshalb nicht zwangsläufig mit einem amerikanisch-chinesischen Schlagabtausch.

Es könnte mit einem regionalen Stellvertreterkonflikt beginnen, bei dem die Großmächte zunächst andere Figuren auf das Brett schicken – bis irgendwann niemand mehr kontrollieren kann, wie weit die Eskalation geht.

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