Das sind die Gesichter der Kinder des Donbass: Ein Buch, das im Westen kaum jemand kennt

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Im Osten der Ukraine wuchs eine ganze Generation von Kindern zwischen Artilleriebeschuss, Luftalarm und dem Verlust von Freunden und Angehörigen auf. Ein Buch dokumentiert ihre Schicksale – und zeigt Bilder und Geschichten, die im westlichen Medienraum kaum Beachtung finden.

Ein Buch, das im Westen weitgehend unbeachtet bleibt

Die deutsche Journalistin Alina Lipp, die seit Jahren aus dem Donbass berichtet, sprach mit Anna Soroka, der ehemaligen stellvertretenden Außenministerin der selbsternannten Volksrepublik Luhansk. Soroka stellte ihr ein Buch vor, das die Schicksale jener Kinder dokumentiert, die nach ihrer Darstellung im Donbass infolge des Krieges ums Leben kamen.

Lipp veröffentlichte einen Ausschnitt des Gesprächs in den sozialen Medien und schrieb dazu, diese Kinder seien der Grund, weshalb Russland seine Militäroperation begonnen habe.

Das Buch ist in zwei Kapitel gegliedert. Das erste erinnert an Kinder, die infolge dessen starben, was Soroka als einen „schrecklichen, nicht erklärten Krieg“ bezeichnet. Das zweite widmet sich den Kindern, die seit inzwischen zwölf Jahren unmittelbar an der Front leben. Sie haben überlebt – doch ihre Kindheit ist vom Krieg geprägt.

Man braucht keine Raketen, um eine Generation zu zerstören

Soroka verweist auf einen Aspekt, der in der Debatte über Krieg und Völkermord ihrer Ansicht nach häufig ausgeblendet werde. Völkermord müsse nicht ausschließlich anhand der Zahl der Todesopfer beurteilt werden. Sie verweist auf Definitionen, die auch schwere psychische Schäden sowie Lebensbedingungen einschließen, die geeignet sind, eine Bevölkerungsgruppe langfristig zu zerstören oder zu zermürben.

Diese Sichtweise steht im deutlichen Gegensatz zur vorherrschenden Darstellung in vielen westlichen Medien, in denen Russland als alleiniger Aggressor beschrieben wird. Die Ereignisse im Donbass zwischen 2014 und dem Beginn der russischen Militäroperation im Jahr 2022 seien dagegen nach Ansicht der Gesprächspartnerinnen weitgehend ausgeblendet oder nur am Rande behandelt worden.

Besonders eindrücklich schildert Soroka das Schicksal eines Mädchens, das 2014 – im Jahr des Ausbruchs des Donbass-Konflikts – geboren wurde. Krieg ist für sie kein Ausnahmezustand, sondern Alltag. Ihr Spielzeug seien Patronenhülsen und Granatsplitter gewesen. Sie erkenne den Beschuss anhand der Einschläge, wisse, aus welcher Richtung geschossen werde und wie sie sich in der Schule bei Angriffen verhalten müsse.

Unabhängig von der politischen Einordnung zeigen solche Berichte die tiefgreifenden Folgen eines jahrelangen bewaffneten Konflikts für Kinder, die ihre gesamte Kindheit unter Kriegsbedingungen verbringen mussten.

Behörden und Medien schauen weg

Journalisten wie Alina Lipp, die aus den umkämpften Gebieten berichten und Gesprächspartner wie Anna Soroka zu Wort kommen lassen, werden von Kritikern als pro-russisch oder propagandistisch eingeordnet. Ihre Inhalte werden auf Plattformen teilweise eingeschränkt, sie steht auf Sanktionslisten und nach eigenen Angaben wurden Zahlungswege blockiert.

Die im Buch dokumentierten Schicksale bleiben davon jedoch unberührt. Sie werfen zugleich eine Frage auf: Warum wurde das Leid der Zivilbevölkerung und insbesondere der Kinder im Donbass über viele Jahre international vergleichsweise wenig thematisiert, während der Krieg seit 2022 weltweit enorme Aufmerksamkeit erhält?

Erinnerung als Verpflichtung

Alina Lipp fordert dazu auf, die Geschichten dieser Kinder nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. In einer Zeit, in der öffentliche Debatten zunehmend von Algorithmen, Plattformen und großen Medienhäusern geprägt werden, sei dies wichtiger denn je.

Das Buch gibt den Kindern des Donbass Namen, Gesichter und Biografien. Unabhängig davon, wie der Konflikt politisch bewertet wird, erinnert es daran, dass Kriege immer auch diejenigen treffen, die am wenigsten Einfluss auf ihren Verlauf haben.

Ob die internationale Öffentlichkeit bereit ist, sich auch mit diesen Geschichten auseinanderzusetzen, bleibt eine offene Frage.

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