Militärisch-industrieller Komplex 2.0: Palantir und Co. holen sich Washingtons Insider

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In Washington funktioniert eine Drehtür, die immer schwerer als bloßer Zufall abzutun ist: Politiker und hochrangige Mitarbeiter entscheiden über Pentagon-Budgets, Waffenprogramme und Militärpolitik – und wechseln später zu Unternehmen, die genau von diesen Entscheidungen profitieren.

Eine aktuelle Untersuchung des Bulletin of the Atomic Scientists untersuchte Mitglieder und Spitzenmitarbeiter der beiden Streitkräfteausschüsse des US-Kongresses zwischen 2015 und 2025. Das Ergebnis: 21 ehemalige Kongressmitglieder und zehn frühere hochrangige Mitarbeiter wechselten anschließend zu Rüstungsunternehmen, Defense-Tech-Firmen, Beratungsunternehmen oder Lobbyorganisationen. Die Autoren betonen sogar, dass ihre Untersuchung keineswegs vollständig sei.

Besonders interessant ist die neue Verbindung zwischen Washington und Silicon Valley. Der ehemalige republikanische Abgeordnete Mike Gallagher, zuvor Mitglied des House Armed Services Committee, wechselte zu Palantir. Der ehemalige Ausschussmitarbeiter Jeff Miller lobbyiert für Palantir. Christian Brose, einst Staff Director des Senate Armed Services Committee, wurde wiederum Strategiechef beim Rüstungs-Tech-Unternehmen Anduril.

Damit bekommt Eisenhowers berühmter „militärisch-industrieller Komplex“ eine neue Dimension. Es geht längst nicht mehr nur um Panzer, Raketen und Kampfflugzeuge. KI, Überwachung, autonome Systeme, Drohnen und automatisierte Zielerfassung werden zum Milliardenmarkt des modernen Krieges. Und Unternehmen wie Palantir sitzen zunehmend im Zentrum dieser Entwicklung.

Das Problem ist nicht, dass jeder dieser Wechsel Korruption beweisen würde – dafür gibt es keinen Beleg. Das Problem ist das System selbst: Unternehmen erhalten ehemalige Insider, die wissen, wie Pentagon-Aufträge entstehen, wer über Milliarden entscheidet und welche politischen Türen geöffnet werden müssen.

Besonders deutlich wird der Interessenkonflikt beim ehemaligen Ausschussdirektor Chris Vieson. Er sitzt in einer Kommission, die den Kongress über die Zukunft der US-Marine und unter anderem über unbemannte Systeme berät – gleichzeitig lobbyiert er für Saronic, einen Hersteller genau solcher unbemannter Marinesysteme.

So entsteht ein Kreislauf: Der Staat verteilt Milliarden, die Industrie kassiert – und ehemalige Entscheidungsträger wechseln anschließend auf die andere Seite des Tisches.

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