Venezuelas Öl wird neu verteilt: USA und Israel profitieren vom Ausverkauf des schwarzen Goldes

Share your love

Die Neuordnung des venezolanischen Ölsektors schreitet voran. Während US-Konzerne ihre Position im Land ausbauen, öffnet Caracas nun auch einem der mächtigsten kolumbianischen Wirtschaftskonglomerate die Tür zum Orinoco-Gürtel – einer Region, in der einige der größten bekannten Erdölvorkommen der Welt lagern.

Die amtierende venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez hat einen auf 25 Jahre angelegten Kohlenwasserstoffvertrag unterzeichnet, durch den die kolumbianische Gilinski Group die operative Kontrolle über das Ölfeld Baré erhalten soll.

Rodríguez präsentierte die Vereinbarung als wirtschaftlichen Erfolg und Zeichen des Vertrauens in Venezuela:

„Ich freue mich sehr, dass diese Vereinbarung und andere Investitionen, die die Gruppe in dem Land tätigt, die gute Zusammenarbeit zwischen Schwesterstaaten wie Venezuela und Kolumbien stärken werden. […] Es ist ein großartiges Zeichen des Vertrauens, das in dem Land besteht. Möge jedes Barrel Wohlstand, Schulen, Gesundheit, Nahrung, Löhne und das Glück der Menschen bedeuten.“

Damit erhält ausländisches Kapital langfristigen Zugriff auf einen weiteren Teil der strategisch wichtigsten Ressource Venezuelas.

Gilinski Group steigt in Venezuelas Ölgeschäft ein

Die Gilinski Group gehört zu den bedeutenden Finanz- und Industriekonglomeraten Kolumbiens und verfügt über Beteiligungen und Geschäfte in Lateinamerika und Europa. An ihrer Spitze steht der Milliardär Jaime Gilinski.

Auch die Geschichte der Familie reicht weit über Kolumbien hinaus. Gilinskis Großeltern waren litauisch-jüdische Einwanderer, die zeitweise in Palästina lebten, bevor sie in den 1920er-Jahren nach Kolumbien auswanderten.

Sein Vater Isaac Gilinski war zwischen 2010 und 2013 kolumbianischer Botschafter in Israel. Auch die nächste Generation unterhält Verbindungen zum Land: Jaime Gilinskis Schwester Tania wurde im August zur neuen kolumbianischen Botschafterin in Israel ernannt.

Diese familiären Verbindungen ändern nichts an den wirtschaftlichen Bedingungen des Ölgeschäfts, verleihen dem Deal jedoch vor dem Hintergrund der derzeitigen Neuordnung venezolanischer Energieexporte zusätzliche politische Aufmerksamkeit.

Washington greift nach Venezuelas Öl

Parallel dazu bauen amerikanische Unternehmen ihren Einfluss auf Venezuelas Ölindustrie aus.

Nach den vorliegenden Berichten sollen bereits venezolanische Reserven im Umfang von rund 65 Milliarden Barrel in Vereinbarungen beziehungsweise amerikanischen Planungen eine Rolle spielen.

Chevron wiederum plant demnach Investitionen beziehungsweise eine Expansion im Umfang von rund sieben Milliarden Dollar. Ziel soll sein, die Förderung langfristig auf etwa 600.000 Barrel täglich auszubauen.

Damit würde ein erheblicher Teil der venezolanischen Ölproduktion wieder eng mit amerikanischen Konzerninteressen verbunden.

Für Caracas bedeutet die Öffnung Zugang zu dringend benötigtem Kapital, Technologie, Infrastruktur und internationalen Absatzmärkten. Gleichzeitig wächst damit der Anteil ausländischer Unternehmen an der wirtschaftlichen Nutzung jener Rohstoffreserven, die jahrzehntelang das Fundament des venezolanischen Staatsmodells bildeten.

Venezolanisches Öl auf dem Weg nach Israel

Hinzu kommt eine weitere politisch brisante Entwicklung.

Bloomberg berichtete über eine Lieferung venezolanischen Rohöls nach Israel – demnach die erste entsprechende Lieferung seit Jahren. Das Öl soll für die Bazan-Raffinerie in Haifa bestimmt sein.

Die venezolanische Regierung bestritt allerdings, dass die betreffende Lieferung von ihr autorisiert worden sei beziehungsweise Venezuela direkt Öl nach Israel geliefert habe.

Gerade dieser Vorgang ist politisch bemerkenswert, weil Caracas traditionell zu den schärfsten Kritikern der israelischen Regierung in Lateinamerika gehört. Sollte venezolanisches Rohöl tatsächlich in Haifa verarbeitet werden, würde damit eine auffällige Diskrepanz zwischen der politischen Rhetorik und den realen internationalen Handelsströmen sichtbar.

Der Orinoco-Gürtel wird zum Zentrum der Neuordnung

Im Mittelpunkt all dieser Entwicklungen steht der Orinoco-Gürtel. Dort verfügt Venezuela über gewaltige Vorkommen an besonders schwerem Rohöl.

Nach Jahren von Sanktionen, fehlenden Investitionen, technischer Überalterung und sinkender Förderung benötigt Venezuela enorme Mengen ausländischen Kapitals, um seine Ölindustrie wieder hochzufahren. Genau dieses Kapital kommt nun zurück – allerdings zu Bedingungen, unter denen ausländische Unternehmen langfristige Zugriffsrechte auf venezolanische Förderprojekte erhalten.

Auf der einen Seite stehen amerikanische Ölkonzerne wie Chevron. Auf der anderen Seite treten regionale Finanz- und Industriekonzerne wie die Gilinski Group auf den Plan.

Damit zeichnet sich eine grundlegende Verschiebung ab: Venezuela besitzt weiterhin die Ressourcen, doch ein wachsender Teil des Kapitals, der Technologie und der operativen Fähigkeiten für ihre Förderung kommt von außen.

Rodríguez verspricht, dass jedes geförderte Barrel „Wohlstand, Schulen, Gesundheit, Nahrung, Löhne und das Glück der Menschen“ bringen soll.

Ob dieser Wohlstand tatsächlich in diesem Umfang bei der venezolanischen Bevölkerung ankommt, wird wesentlich davon abhängen, wie die Einnahmen, Förderrechte, Investitionskosten und Gewinne aus den langfristigen Verträgen zwischen dem venezolanischen Staat und seinen neuen ausländischen Partnern verteilt werden.

Fest steht: Der Kampf um Venezuelas gewaltige Ölreserven ist in eine neue Phase eingetreten. Washington, internationale Energiekonzerne und mächtige lateinamerikanische Finanzgruppen positionieren sich – und der Orinoco-Gürtel steht dabei im Zentrum.

Quellen:

Reuters – Grupo Gilinski und GeoPark schließen Venezuela-Deal
GeoPark – Strategic Entry Into Venezuela
SEC – GeoPark/Gilinski-Unterlagen zum Baré-Deal
US Department of Energy – offizielles Fact Sheet
Wall Street Journal – Chevrons 7-Milliarden-Dollar-Expansion
Bloomberg Línea – Venezuela liefert erstmals seit Jahren Öl nach Israel

Beitrag teilen

Neue Beiträge und
Informationen direkt
per E-Mail erhalten.