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Was bislang häufig wie Stoff für Science-Fiction klingt, wird inzwischen im amerikanischen Fernsehen offen diskutiert. Der Epidemiologe Nicolas Hulscher, MPH, warnte bei Newsmax vor möglichen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen der kommenden 6G-Technologie. Seine zentrale Botschaft: 6G werde nicht einfach nur schnelleres 5G sein, sondern könne Telekommunikation, künstliche Intelligenz, Sensorik und implantierbare Technologien miteinander verbinden. Das Interview mit Moderator Rob Finnerty ist dokumentiert; Hulscher selbst veröffentlichte den Ausschnitt unter dem Titel „6G Will Expose Entire Populations to Largely Untested Terahertz Radiation, Enable AI Brain Chips, and Allow Through-Wall Surveillance“.
6G, Gehirnchips und Überwachung: Was mit der nächsten Mobilfunkgeneration auf uns zukommt
6G soll mit deutlich höheren Frequenzen arbeiten und weit mehr ermöglichen als schnelleres Internet. Im Gespräch wird auf Laborstudien verwiesen, in denen Terahertz-Strahlung unter… pic.twitter.com/ESXy0k3Jfy
— Don (@Donuncutschweiz) September 2, 2026
„6G ist eigentlich 5G auf Steroiden“, sagte Hulscher. Er verwies insbesondere auf den Terahertz-Bereich, der für Teile zukünftiger 6G-Anwendungen erforscht wird. Seine Warnung ist dabei nicht völlig aus der Luft gegriffen: Eine 2023 in iScience veröffentlichte Laborstudie setzte menschliche und tierische neuronale Stammzellen 0,22-THz-Strahlung aus. Unter den untersuchten Bedingungen fanden die Wissenschaftler eine beeinträchtigte Zellvermehrung, DNA-Schäden und eine erhöhte Apoptose. Die menschlichen Stammzellen reagierten teilweise empfindlicher als die tierischen.
Eine umfangreiche wissenschaftliche Übersichtsarbeit von 2025 kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Terahertz-Strahlung biologische Zellen beeinflussen kann. Beschrieben werden unter anderem Veränderungen an Zellmembranen, Ionenkanälen, Zellvermehrung und Lebensfähigkeit. Gleichzeitig macht die Forschung deutlich, wie stark solche Effekte von Frequenz, Intensität, Expositionsdauer und Versuchsbedingungen abhängen. Aus Laborbefunden lässt sich deshalb noch nicht ableiten, dass zukünftige 6G-Netze beim Menschen zwangsläufig DNA-Schäden verursachen werden. Genau hier liegt jedoch eine berechtigte Frage: Wie umfassend wird die Langzeitsicherheit geprüft, bevor eine solche Infrastruktur flächendeckend aufgebaut wird?
Denn dass 6G weit mehr werden soll als ein schnelleres Mobilfunknetz, sagt inzwischen sogar das Weiße Haus. In einem Memorandum zur amerikanischen 6G-Strategie bezeichnete die Trump-Regierung die Technologie als Grundlage für künstliche Intelligenz, Robotik und „implantable technologies“ – implantierbare Technologien. Washington betrachtet 6G ausdrücklich als strategisch entscheidend für nationale Sicherheit und wirtschaftliche Vorherrschaft.
Genau an diesem Punkt wurde das Gespräch bei Newsmax bemerkenswert. Hulscher sprach über Gehirnchips, die eines Tages mit dieser Infrastruktur kommunizieren könnten. Moderator Rob Finnerty reagierte darauf ausgesprochen wenig begeistert: „Ich persönlich verzichte darauf. Ich brauche keinen Handy-Chip in meinem Körper.“
Auch die Gehirnchip-Technologie selbst ist längst keine Zukunftsfantasie mehr. China genehmigte im März 2026 als erstes Land ein Brain-Computer-Interface-Medizinprodukt für die kommerzielle Nutzung. Das System soll querschnittsgelähmten Patienten helfen und verwendet drahtlose Elektroden am Gehirn. Es handelt sich also ausdrücklich um eine medizinische Anwendung – nicht um einen „Handy-Chip“ für die Bevölkerung. Gleichzeitig hat Peking Brain-Computer-Interfaces zu einer strategischen Zukunftsindustrie erklärt, während in den USA Unternehmen wie Neuralink an vergleichbaren Schnittstellen arbeiten.
Hinzu kommt ein zweiter Bereich, der gesellschaftlich mindestens ebenso brisant ist: 6G soll Kommunikation und Sensorik miteinander verschmelzen. Funknetze könnten damit künftig nicht nur Daten übertragen, sondern ihre Umgebung erfassen. Hulscher spricht deshalb von Möglichkeiten zur Überwachung durch Wände. Auch hier sollte man zwischen Forschungsfähigkeit und einem bereits existierenden flächendeckenden Überwachungssystem unterscheiden. Doch die Entwicklung zeigt, wohin die Reise technisch gehen kann.
Das eigentliche Problem ist deshalb nicht die Behauptung, morgen werde jedem Menschen ein Gehirnchip implantiert. Dafür gibt es keinen Beleg. Beunruhigender ist, dass mehrere Technologien, die noch vor wenigen Jahren getrennte Welten waren, gleichzeitig zusammenwachsen: Mobilfunk, KI, hochauflösende Sensorik und implantierbare Elektronik.